Review

Die Band Haggefugg aus Köln verleiht Gefühlen auf ihrem Debütalbum Ausdruck. Gefühlvoll wird es aber nur in Form der Ballade „Seemannsgarn“; ansonsten regiert der selbst kreierte „Prost-Mittelalter-Party-Rock“. Dies macht nicht nur der Name des Erstlingswerks, „Metgefühl“, deutlich, selten gibt die Genretitulierung auch den Inhalt eines Albums treffender wieder, als es bei Haggefugg der Fall ist.

An ihrem Konzept hält das Sextett mit Ausnahme von wenigen traditionellen Weisen wie „Villemann og Magnhild“ oder das orientalisch geprägte „Danse Du Ventre“ strikt fest. Was auf den ersten Blick sehr limitiert erscheint, Ballermann-Niveau im Mittelalterrock verheißt und auf Albumlänge vielleicht für viele uninspiriert wirkt, entpuppt sich schnell als zündendes Genre-Highlight.

Insbesondere der Wortwitz, der in vielen Stücken überzeugt, zu keinem Zeitpunkt erzwungen nach „Reim-dich-oder-ich-fress-dich“ klingt und dabei das alkoholgetränkte Konzept stets konsequent im Auge behält, überzeugt.
Dass es auch mal ernster zur Sache gehen kann, dies jedoch immer auch mit einem kleinen Augenzwinkern präsentiert, zeigt sich an Songs wie „Tapferes Herz“. Verse wie „Es trinkt der Mann, es trinkt die Frau, es trinkt das Lamm, es trinkt die Sau, es trinkt der Herr, es trinkt der Knecht – dem Alkohol sind alle recht“ greifen mit gutem Willen und dem Einsatz einer großen Portion interpretatorischer Freiheit sogar den Gleichstellungsgedanken auf.

Musikalisch bleibt man den Genre-Merkmalen treu, serviert die zwölf Tracks jedoch in einem dominanten satten Rock-Gewand, das durch die kraftvolle Produktion an Durchschlagskraft gewinnt. Auf instrumentaler Ebene zeigt sich daher einmal mehr, dass Haggefugg sich zwar nicht so ernst nehmen und mit Klischees ebenso arbeiten wie mit überzeichneten Erwartungen an ihr Genre, hinter all dem jedoch durchaus viel Talent steckt, das in griffigen Songarrangements mündet, die für Ohrwürmer sorgen und auf einem Studioalbum genauso funktionieren wie auf der Bühne.

Haggefugg (Copyright: Haggefugg)

So wundert es auch nicht, dass vor allem die Livetauglichkeit der Titel auf „Metgefühl“ vom ersten bis zum letzten Ton hervorragend zum Ausdruck kommt. Einzig über die integrierten „Zwischenmoderationen“ kann man geteilter Meinung sein, denn jene verstärken zwar das Live-Gefühl der Songs, mögen auf einige Konsumenten gleichzeitig aber auch zu albern und hörflussstörend wirken.

Eventuell ist „Metgefühl“ nicht gerade einem trockenen Alkoholiker, wohl aber jedem Genre-Fan – sowohl dem Trinktüchtigen als auch dem Abstinenzler – zu empfehlen. Ob das hier gefahrene Konzept jedoch ein weiteres Mal auf Albumlänge begeistern kann, bleibt zunächst abzuwarten.

Video

Tracklist

01 Metgefühl
02 Met, Wirt, Bestellt!
03 Trinkt aus!
04 Krähenweise
05 Spielmannssünden
06 In der Schenke
07 Tapferes Herz
08 Ai vist lo lop
09 Villemann og Magnhild
10 Danse Du Ventre
11 Seemannsgarn
12 Plattgekontert

Details

Haggefugg – Homepage
Haggefugg – Facebook

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 12.11.2016
Spielzeit: 39:14

Copyright Cover: Haggefugg



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde