Review

Irgendwie scheint 2014 das Jahr der Best-of-Alben zu sein. Ein Trend, dem sich auch Hämatom mit ihrer Scheibe „X“ anschließen. Ebenfalls liegt es glücklicherweise im Trend, nicht stumpf eine Auswahl alter Songs auf eine CD zu klatschen und das Ganze dann „Best-of“ zu nennen, sondern den Fans etwas Besonderes zu bieten. Daher haben sich auch Hämatom etwas einfallen lassen und liefern „X“ als Doppel-CD aus.

Die erste Scheibe enthält Coverversionen quer durch alle Genres, die im Hämatom-Stil neu aufgenommen wurden. Das Spezielle dabei ist zudem, dass die Band aus jedem Jahr der Bandgeschichte einen Hit herausgepickt und neu interpretiert hat, sodass sie uns mitnehmen auf eine musikalische Zeitreise. Die zweite CD ist ein klassisches Best-of der Bandgeschichte von Hämatom.

Beginnen wir zunächst einmal mit der ersten CD, die von einem Song eröffnet wird, der kein Cover ist. Es handelt sich um einen gänzlich neuen Hämatom-Song namens „Teufelsweib“. Die Nummer geht amtlich ab und macht insbesondere im Refrain eine Menge Laune. Vor allem aufgrund der genialen Melodie ein sehr fetter Einstieg in dieses Album, der definitiv Lust auf mehr macht.

Daraufhin wird man mit einer sehr eigenwilligen Version von „Kids (2 Finger an den Kopf)“, ursprünglich von Marteria, konfrontiert. Das Original geht ja ziemlich in die Hip-Hop Richtung, die Hämatom-Version hat damit aber nichts mehr zu tun. Lediglich der Refrain weist musikalisch auf das Original hin. Gelegentlich bringen Hämatom zwar auch Sprechgesang-Elemente in ihre Interpretation ein, diese werden jedoch vom harten Metal-Sound untermalt, wodurch ein insgesamt sehr ruppiger Eindruck entsteht, welcher der Nummer gut bekommt.

Hämatom (Copyright: Hämatom)

Hämatom (Copyright: Hämatom)

Selbstverständlich darf auch unser aller Lieblingsgraf nicht fehlen. „Geboren um zu leben“ war eine Nummer, die Unheilig Fans spaltete. Davon ließen sich Hämatom offensichtlich nicht beeindrucken und haben sich das Teil trotzdem vorgenommen. Der – in der Tat sehr gute – Text wurde komplett übernommen und auch die Grundmelodie ist erhalten geblieben. Allerdings geben Hämatom Vollgas und haben ordentlich an der Geschwindigkeitsschraube gedreht. Zusammen mit dem sehr harten Sound entsteht so eine extrem dynamische Nummer, die ziemlich geil klingt.

Bereits bei Veröffentlichung des Originals bin ich – zugegeben – ziemlich auf „Emanuela“ von Fettes Brot abgefahren. Umso breiter war mein Grinsen, als ich diesen Titel auf der Tracklist von „X“ entdeckt habe. Hämatom sind hier sehr behutsam vorgegangen, haben alle Grundelemente übernommen und arbeiten lediglich mit harten Metal-Sounds, die sich allerdings eher im Hintergrund abspielen. Bei „Emanuela“ macht der Sprechgesang eine Menge Spaß und passt hervorragend zum Geschehen.

„Leichen pflastern unseren Weg“ ist der Titel des Openers der zweiten CD. Hierbei handelt es sich um eine ziemlich schnelle Nummer, die durch die geniale Gitarrenarbeit zu überzeugen weiß. Der wahre Knaller ist allerdings der Refrain, der derart eingängig ist, dass man ihn binnen kürzester Zeit mitbrüllen kann. Bemerkenswert sind die Übergänge zwischen den ruppigen Strophen und dem recht melodischen Refrain.

Den Abschluss bildet eine neue Version des Klassikers „Totgesagt doch neu geboren – Teil 3“. Hämatom haben diesen ohnehin schon genialen Song in einer wunderschönen Piano-Version eingespielt und zeigen, dass auch sie eine sanfte Seite besitzen. Ein perfekter Ausklang aus einem gelungenen Album.

Video

Tracklist

CD 01
01 Teufelsweib
02 Kids
03 Bilder im Kopf
04 Blinde Fäuste
05 Geboren um zu leben
06 Oh Johnny
07 Schwarz zu Blau
08 Vom selben Stern
09 Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)
10 Emanuela
11 Guten Tag

CD 02
01 Leichen pflastern unseren Weg
02 Alte Liebe rostet nicht
03 Sturm
04 Eva
05 Leck mich
06 Es ist nicht alles Gold was glänzt
07 Seelenpiraten
08 Auge um Auge
09 Man muss nicht sterben, um in der Hölle zu sein
10 Ihr kotzt mich an
11 Totgesagt doch neu geboren – Teil 3

Details

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Label: Rookies & Kings
Vö-Termin: 17.10.2014
Spielzeit: 37:28 (CD 1), 41:07 (CD 2)

Copyright Cover: Rookies & Kings



Über den Autor

Stefan †
Stefan †
Die Lücke, die Stefan als Magazinmitbegründer, Administrator, Redakteur und Freund durch seinen plötzlichen und viel zu frühen Tod im Dezember 2014 hinterlässt, bleibt groß. Er wird immer in unseren Herzen und ein Teil des DeepGround Magazines bleiben.