Review

Hämatom haben sich mit ihrem neuen Album „Berlin – Ein akustischer Tanz auf dem Vulkan“ einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Das neuste Werk entführt die Hörer in die goldenen 20er Jahre.

Stilecht erscheint die Band daher im Anzug und Hut in den aktuellen Musikvideos. Als Motiv für das Artwork wurde indes das Brandenburger Tor gewählt, welches in Schwarz und Gold dekadent ins Auge springt.

Der Infotext führt weiter aus:

Dieses erste Unplugged-Abenteuer der Band ist sprachlich und musikalisch in eben jenen wilden und unmoralischen Auswüchsen der damaligen Weltmetropole des Nachtlebens verhaftet. Es geht um eine Menschheit im Umbruch, um Sünde, Drogen, Sex und den Hunger aufs Leben. Und immer wieder um Berlin, wo die Nächte feucht, die Herzen entflammt und wir für einen wunderbaren Moment ohne Sorgen sind.

Die 10 neuen Songs klingen wie der Rausch dieser ersten enthemmten Nacht. Nach Trinken und Tanzen und Feiern, dass uns das Leben wiederhat.

Zwischen mitreißend neuen Klängen, faszinierender musikalischer Vielfalt und großer Experimentierfreude haben HÄMATOM ihre Huldigung an eine aufgedrehte und zügellose Ära erschaffen.

Quelle: Oktober Promotion

Den Hörer erwarten also zehn akustische Tracks im (musikalischen) Stil der 20er Jahre.

Die Tracks

Der Opener „Tanz auf dem Vulkan“ ist zugleich auch Titeltrack des Albums. Die ersten Töne gehen auch schon direkt ins Bein; man bekommt direkt Lust, zu tanzen. In den Strophen ist die Ziehharmonika das vorherrschende Instrument, die Bläser bestimmen die Instrumentierung im Refrain. Der Anfang ist gemacht – und zwar mit einem Song, der extrem eingängig ist und gute Laune verbreitet.

Mit einem Klaviersolo wird „Beweg dein‘ Arsch“ eingeleitet. Dabei nimmt man, begleitet von Trompetenklängen, das Hinterteil einer Frau genau unter die Lupe – und die Dame wird in den höchsten Tönen für ihre Schönheit gelobt. Der Text ist natürlich nicht ganz jugendfrei, die Musik erinnert hingegen an die klassische Tanzmusik auf einem Ball.

Mit „Au Revoir“ entführt uns die Band nach Frankreich. Die Ziehharmonika im Intro klingt wehmütig und man fühlt sich in ein kleines Straßencafé versetzt, wo Straßenmusiker ihre Stücke zum Besten geben. Gitarre, Schlagzeug und Ziehharmonika begleiten Frontmann Thorsten „Nord“ Scharf auf seiner Reise durch Europa, die durch die Instrumentierung sehr kurzweilig erscheint.

Ein Song nicht ganz im Stil der 20er Jahre ist „Berlin“, der die schönen und auch hässlichen Seiten der Stadt so herrlich ehrlich besingt. Der Refrain erinnert melodisch an „Joleen“ von Dolly Parton. Vermutlich nicht ganz zufällig ist daher auch im letzten Refrain eine Frauenstimme zu hören, die den Backgroundgesang übernimmt.

Bei „Zwischen Gangstern und Ganoven“ werden die Streicher im Intro markant in Szene gesetzt. Den neumodischen Track könnte man beinahe als Ballade bezeichnen; die Kombination aus Instrumentierung und kratzigem Gesang lassen ihn fast schon schnulzig wirken.

Wie eine Mischung aus russischer Polka und 20er Jahre Song klingt „Werft die Gläser an die Wand“. Der Track vermittelt Feierlaune, während die Instrumentierung recht außergewöhnlich erscheint; so ist z.B. im Instrumentalsolo eine Klarinette zu hören.

Hämatom (Copyright: Holger Fichtner & Patrick Schneiderwind, 360 Grad Design)

„Ein Herz und eine Kehle“ klingt aufgrund der Spielweise der Gitarren teilweise wie ein Country-Song, doch sobald die Bläser einsetzen, ist der bisher bekannte 20er Jahre Sound wieder da. Es findet ein Wechselspiel zwischen männlichen und weiblichen Gesangsparts statt. Von der Melodieführung erinnert das Stück an den Soundtrack eines alten Krimis.

Eine wunderschöne Gitarren-Ballade ist „Du bringst mich um“. Untermalt mit Streichern und der Gitarre entsteht hier ein zauberhaftes Liebeslied, das den Schmerz einer Trennung sehr gut beschreibt. Die sanften Töne sind herzzerreißend.

„Die Welt ist high“ versetzt die Hörer mit einer klassischen Instrumentierung aus Streichern und Bläsern auf eine Tanzparty in den 20ern. Von dort geht es mit dem Rauswurf „Nichts bleibt für immer“ noch einmal nach Frankreich. Klavier und Ziehharmonika unterstreichen dabei virtuos den Gesang und so neigt sich das Album im Walzerschritt dem Ende zu.

Fazit

Das erste Akustikalbum ist Hämatom mehr als gelungen. Gerne bitte mehr davon!

Die Stimme von Frontmann Nord fügt sich perfekt in den 20er Jahre Sound ein und man fühlt sich in das goldene Zeitalter versetzt, wo das Leben aus Tanzen und Feiern bestand. Aber auch die Liebe darf nicht zu kurz kommen. All das bieten Hämatom; den Fans wird die neue Scheibe daher mit Sicherheit sehr gut gefallen.


Berlin (Ein Akustischer Tanz auf dem Vulkan)

Video

Tracklist

01 Tanz auf dem Vulkan
02 Beweg dein‘ Arsch
03 Au Revoir
04 Berlin
05 Zwischen Gangstern und Ganoven
06 Werft die Gläser an die Wand
07 Ein Herz und eine Kehle
08 Du bringst mich um
09 Die Welt ist high
10 Nichts bleibt für immer

Details

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Label: Anti Alles / Sony Music / The Orchard
Vö-Termin: 02.04.2021
Spielzeit: 32:07

Copyright Cover: Anti Alles / Sony Music



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem