Review

Über drei Jahre ist es her, dass wir etwas von unserem deutschen Exportschlager Hackneyed gehört haben. Die Jungs sind seit 2008 festes Inventar der Death Metal Szene im eigenen Lande. Anfangs wurden sie zwar eher belächelt, mittlerweile sind sie aber angekommen und die Vorfreude sowie die Erwartungen auf den neuen Silberling waren groß. Lasst uns also schauen, wie Death Metal aus Deutschland im Jahre 2015 zu klingen hat.

Die erste Singleauskopplung „The Flaw Of Flesh“ durfte auch gleich als Videoreferenz herhalten. Etwas mysteriös daherkommend, baut der Track bereits zu Beginn ordentlich Spannung auf und man weiß, dass es gleich knallt.

Die angekündigte Weiterentwicklung ist zu erkennen. Die Songs grooven mehr, sind sinnvoller aufgebaut. Man merkt, dass die Jungs erwachsener geworden sind und einfach ein bisschen was anders machen wollen.

Grundlegend haben wir es hier natürlich mit reinrassigem Death Metal der moderneren Art zu tun. Philipp growlt und screamt sich die Seele aus dem Hals. Dabei kommen ihm immer öfter mal seine Bandmitglieder zur Hilfe und verfeinern das Ganze durch Gangshouts in Form von Death Metal Vocals, aber auch Gesang. Das klingt anfangs dolle komisch, fügt sich aber super ein. Es verleiht dem Ganzen mehr Tiefe und Konzept.

Tims Schlagzeugarbeit ist wie immer klasse. Zwischen Blasts und Doublebassgewittern werden die Parts durch groovige Abschnitte aufgelockert.
Die Gitarren sind eher etwas einfacher gehalten als zum Beispiel auf „Carnival Cadavre“. Das scheint auch die Marschrichtung zu sein: verständlicher, grooviger und somit eingängiger. Die heroischen Parts werden sich hingegen sehr gut für die Liveaction eignen.
Soweit scheint der Neustart geglückt zu sein, doch die Probleme liegen ganz woanders.

Die Produktion ist extrem schwachbrüstig. Die Songs sind zwar solide produziert, aber zünden soundtechnisch einfach nicht. Die gesamte Platte läuft nur so an einem vorbei. Songs wie „Re-Animator“ bleiben zwar im Ohr, sind aber recht eintönig. Es fehlt an kreativen Neuversuchen.

Hackneyed (Copyright: Hackneyed)

Hackneyed (Copyright: Hackneyed)

Im Vorfeld hat man viele Soundschnipsel gehört, die sehr vielversprechend klangen, doch was im Endeffekt daraus entstanden ist, spiegelt das leider nicht wider. „Inhabitants Of Carcosa“ verkommt zum klassischen Death Metal Gewitter. „Carnival Cadavre“ war deutlich innovativer und mit coolen Passagen bestückt. „In Carcosa (The Yellow King)“ klingt im Vergleich dazu beispielsweise recht lieblos. Obwohl der Anfang des Songs recht balladenartig rüberkommt, fehlt es an ernst gemeintem Tiefgang. Das ist schade, denn genug Zeit war da und eine stilistische Weiterentwicklung hätte wieder etwas mehr Aufwind gebracht. Warum kann nicht jeder Song so ambitioniert sein, wie „The Tightrope“? Dieser gilt für mich als Anspieltipp, denn der ist wirklich gut.

Fazit: Hackneyed starten mit „Inhabitants Of Carcosa“ einen neuen Versuch, in der Szene wieder Fuß zu fassen. Das sollte ihnen ohne Probleme gelingen, denn ihr Name ist bekannt und begehrt. Doch leider ist der Hype verflogen, nachdem ich das Werk nun anhören durfte. Viel Potenzial wurde verschenkt, um der große Shit für 2015 zu sein. Nichtsdestotrotz finden wir hier ein gutes Death Metal Album vor, welches sich für Fans so oder so lohnt.

Video

Trackliste

01 The Flaw Of Flesh
02 God’s Own Creation
03 Now I Am Become Death
04 Re-Animator
05 Ashfall
06
In Carcoas (The Yellow King)
07 The Tightrope
08 Years In The Dark
09 Death Toll
10 Klown

Details

Hackneyed – Homepage
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Label: CoMa Tone Records / Soulfood
Vö-Termin: 15.05.2015
Spielzeit: 45:22

Copright Cover: Hackneyed



Über den Autor

Marcus