Review

Nicht immer muss man sich bei Noise-Rock ausschließlich einer undurchdringlichen Wand aus kreischenden Rückkopplungen oder allem anderen, was den Trommelfellen schadet, gegenübersehen. Manchmal schiebt man einfach ein paar melodische Punk- und Rock-Passagen ein und voilà, schon hat man Krach, den man sich zumindest gut geben kann. Was natürlich nicht heißen soll, dass Ha Det Bra auf „Societea For Two“ nicht auch mal ihren expressionistischen Eigenschaften freien Lauf lassen.

Es ist ein starker Unterschied zwischen dauerhaften Kopfschmerzen und Kopfschmerzen, die regelmäßig durch Wohlwollen abgelöst werden. Mit treibenden Rhythmen, die vor allem der scheppernde Bass angibt, geht es voran. Bei fast allen der vierzehn Songs ertönen die Vocals außerdem in einem verzerrten Schema; wohl um der Platte noch mehr Druck zu verleihen.

Ha Det Bra scheinen sich außerdem für sehr lustig zu halten nicht nur mit dem Wortspiel „Societea“ im Titel aufzufahren, sondern auch mit „Michael’s Nightmyers“ für alle Fans von „Halloween“. Durch die bis in die Unendlichkeit zerreißenden Saiten, scheint der Track wirklich den Albträumen eines Serienkillers entstiegen zu sein. Es ist nicht unbedingt ein Song, den man sich jeden Tag anhören möchte, aber einer mit einer Art akustischem Thema.

Aber nimmt man mal Abstand von dem konzentrierten Noise, wird auffallen, dass die Band auch durchaus ansprechendere Songs schreiben kann. „Lowthing“ spiegelt von Post-Hardcore, regulärem Hardcore und einer rockigen Hook so ziemlich alles wider. Genauso wie bei einem der Highlights „Preacherman“. Abgehackte Riffs treffen hier auf fesselnden Groove und auch mit „Under The Mould“ geht es zum Schluss in clean gespielte Gefilde. Durch diese ganzen verschiedenen Einflüsse pendeln Ha Det Bra zwischen einem gewissen Foo Fighters Sound und dem Wahnsinn der früheren Marilyn Manson Werke.

Ha Det Bra (Copyright: Ha Det Bra)

Ha Det Bra (Copyright: Ha Det Bra)

Mit der Experimentierfreudigkeit geht es auf „Societea For Two“ dann doch manchmal etwas zu weit. Was man zu Titeln sagen soll, die Samples von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, gesungen von einem Kinderchor, beinhalten und dann noch weihnachtliche Melodien in den eigenen Noise-Sound adaptieren, weiß man an der Stelle dann auch nicht. Aber bei „Little Clown“ bedient man sich auch der klassischen Zirkus-Musik, von daher muss man sich schon was dabei gedacht haben.

„Societea For Two“ ist definitiv ein vielschichtiges Album. Manchmal läuft alles komplett aus dem Rahmen und es scheint, dass die Band sich viel zu sehr in die eigene Musik reinsteigert. Aber dann bringen Ha Det Bra wieder Songs, die gleichermaßen melodisch sind wie sie den Hörer direkt abholen. Wäre ausschließlich nur einer dieser Aspekte vorhanden, würde dieses Album wohl um einiges weniger unterhaltsam sein. Es liegt vor allem an dem immer wieder gelingenden Umlegen des Hebels, der die Musik effektvoll in eine komplett andere Richtung lenkt. Ein Spaß für die ganze Familie oder für einen Soziopathen.

Anspieltipps:
In Lies / Preacherman / Sleeping With The Werewolf / Lowthing / Under The Mould

Trackliste

01 Burn The Maid
02 In Lies
03 Sleeping With The Werewolf
04 Michael’s Nightmyers
05 Merry Christmas And Lots Of Ho Ho Ho’s
06 Lowthing
07 Hospital St. Grail
08 Mustafa The Tyrant
09 The Song My Dad Taught me
10 Us In The Desert
11 Preaverman
12 Little Clown
13 Und The Mould
14 The Owner Of Tombstones

Details

Ha Det Bra – Homepage
Ha Det Bra – Facebook

Label: Geenger Records
Vö-Termin: 25.09.2015
Spielzeit: 44:26

Copyright Cover: Geenger Records



Über den Autor

Christopher