Review

Groove Therapist praktizieren Progressive Theatralic Metal – und auf ihrem Debütalbum „Mr. Funker, the Myth“ wird jede einzelne Stil-Komponente großgeschrieben. Damit nicht genug, verpassen die hier agierenden erfahrenen Musiker – allesamt Musiklehrer an Konservatorien – dem mit satten 24 Tracks bestückten Silberling eine hin und wieder aufblitzende Portion Classic Rock sowie eine ganze Menge Funk.

Bei der Masse an Tracks und der Theatralic Metal Ausrichtung ist klar, dass mit „Mr. Funker, the Myth“ keine herkömmliche Veröffentlichung vorliegt. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Konzeptalbum, das eine Art Audio-Theaterstück darstellt.
Erzählstrukturen rahmen die einzelnen Lieder entsprechend ein und finden zudem ihren Platz innerhalb einiger Titel. Ebenso stößt man auf Geräusche wie beispielsweise das knarrende Öffnen von Türen oder Grillenzirpen. Groove Therapist bringen somit nicht nur ihrem Namen getreu den Groove in die Songs, sondern setzen auf Albumlänge alles daran, die Atmosphäre der hier erzählten Geschichte mit unterschiedlichen Mitteln aufrechtzuerhalten.

Deutlich wird aber bereits nach den ersten Songs schon: Wer die Aufmerksamkeitsspanne eines ADHS geplagten Eichhörnchens besitzt, der macht besser einen großen Bogen um „Mr. Funker, the Myth“, denn was Groove Therapist mit ihrem Album von den Hörern abverlangen, ist nicht ohne.
Zeit, Geduld und eine Vorliebe für musikalisch inszenierte Geschichten sollte man mitbringen, um sich auf die Masse, die Komplexität und den Inhalt des Albums einlassen zu können.
Sicherlich ließe sich auch durch das Werk skippen und damit nur die Tracks anvisieren, die reine Musikstücke darstellen, doch damit unterbricht man nicht nur den Erzählfluss von „Mr. Funker, the Myth“, sondern nimmt sich auch die Freude an der Stimmung, die von Anfang bis Ende gelungen erzeugt wird.

Bereits im Opener „Once Upon A Time“ wird man von einer angenehmen, von dezenten Pianoklängen begleiteten Erzählstimme empfangen, die die Hörer direkt, aber sehr stimmungsvoll ins Geschehen katapultiert.
Mit „Overture“ schließt sich ein zunächst rein instrumentaler Titel in Tim Burton-esker Soundtrack-Manier an, der schon bald mit Chören ergänzt wird, die für mehr Bombast sorgen. Verstärkt wird der erstmals vernommene Bombast wenig später durch ein einsetzendes hartes, aber melodisches Gitarrenspiel. Erahnbar sind dadurch die progressiven Strukturen, die Groove Therapist im Fortlauf des Albums noch immenser einbinden. Bevor es allerdings dazu kommt, folgt abermals ein Erzählpart und in „Little Annie“ darf eine selten, aber doch zum Zuge kommende Frauenstimme ihr Gesangstalent zum Besten geben. Dies tut sie die meiste Zeit sehr balladesk, gefühlvoll und glasklar, während die Instrumentierung die Metal-Facetten von Groove Therapist nicht vergessen lässt.
Aber obwohl das weibliche Geschlecht den gesanglichen Anfang macht, steht doch der männliche Gesang im Vordergrund auf „Mr. Funker, the Myth“. Jener passt auch ganz hervorragend in den inhaltlichen und musikalischen Kontext. Wie für progressive Musik gemacht intoniert der Herr am Mikro stets so, wie es Stimmung und Geschichte verlangen.

Groove Therapist (Copyright: Groove Therapist)

Groove Therapist (Copyright: Groove Therapist)

Gerade die Melodien der „regulären“ Songs und die dadurch mitschwingende Atmosphäre erinnern zuweilen stark an Dream Theaters „Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory“. Hat jemand daran schon Gefallen gefunden, wird man auch mit „Mr. Funker, the Myth“ schnell warm werden und die zusätzlichen Erzählstrukturen in Verbindung mit der Musik als Gesamtkunstwerk wahrnehmen und zu schätzen wissen. Vorausgesetzt, man mag es auch mal ein wenig funky, denn nicht nur der Song „Mr. Funker“ setzt sehr prägnant auf diesen Stil.

Soundtechnisch gibt es an Groove Therapists Streich nichts auszusetzen.
Sowohl die Musikstücke als auch die hörbuch-/hörspielartigen Tracks zeugen von einer professionellen Produktion und hervorragendem handwerklichem Können. Selbst die eingearbeiteten Geräuschkulissen wirken weder deplatziert, überfrachtet noch unstimmig integriert.

Wen das zwar durchdachte, komplexe und unterhaltsame, aber auch Zeit einnehmende und nicht nebenbei hörbare Konzept hinter „Mr. Funker, the Myth“ nicht abschreckt, der sollte sich dringend eine Sitzung bei den Groove Therapeuten verschreiben lassen und sich das Audio-Theaterstück – unbedingt mehrmals – anhören. Ganz großes Kino bzw. Theater!

Video

Tracklist

01 Once Upon A Time
02 Overture
03 The Girl With The Sad Eyes
04 Little Annie
05 In A Dark Alley
06 Mr. Funker
07 Terrified And Ashamed
08 Drop D.
09 The Punishment
10 Orphanrage
11 A Strange Dream
12 Dreams To Nightmares
13 An Unexpected Morning
14 The Myth
15 Cautious Thoughts
16 False Hopes
17 Storm Breaking
18 Inner Conflict
19 Facing The Truth
20 Mirror Of Reality
21 Awareness
22 Final Act
23 Closure
24 Whispers

Details

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Label: The Leaders Group / Soulfood
Vö-Termin: 22.01.2016
Spielzeit: 74:44

Copyright Cover: The Leaders Group



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde