Review

Man weiß einfach nicht, was das intuitive Kopfschütteln zuerst verursacht hat. Der blanke Allerwerteste, der einen direkt anzugrinsen scheint, oder die Referenz zu einem der größten Pioniere der HipHop-Geschichte. Auf „Andere Leude My Ass“ nehmen sich Grillmaster Flash selbst dementsprechend auch nicht ernst. Deutscher Rocksound, den man am besten im gelblich-weißen Freinripp Unterhemd oder auch wahlweise oberkörperfrei genießen sollte.

Von diesen Spaßvögeln an den Instrumenten gibt es ja in Deutschland eigentlich genug Ansprechpartner. Und auch da machen Grillmaster Flash keine Ausnahme. Der Sound ist eingängig, geht hauptsächlich nach vorne und die Texte sind selbstironisch. Das Rad wird auf „Andere Leude My Ass“ definitiv nicht neu erfunden. Aber immerhin gibt man sich dem Stil entsprechend nach außen auch authentisch.

Nun aber genug des spießigen und abwertenden Betrachtens dieses Album, denn vor allem zielt es auf die Unterhaltung des Zuhörers ab. Und vor dieser Unterhaltung gibt es leider kein Entrinnen. Es wird sich Mühe gegeben, Abwechslung in die Songs zu bringen. Der verzerrte bzw. der akustische Gitarrensound treibt die Musik stets an, wird aber nur stilistisch differenziert. Es gibt beispielsweise ein paar nette Country-Einlagen stellenweise auf „Bud Spencers Bart“ oder (ganz offensichtlich) „Cowboyman“.

Wie man bereits erahnen kann, spielen die obligatorisch witzig angelehnten Titel natürlich auch eine große Rolle auf „Andere Leude My Ass“. Man mag thematisch Saufgelage und Zerstörung fremden Eigentums erwarten. Dies ist hier allerdings nicht der Fall. Vielmehr geht es um das überzeugte „Nicht-real-Sein“, absurde Vorstellungen des eigenen Schicksals oder darum, dass ein 50 Kubik Mofa den Platz in der Hose zunehmend enger werden lassen kann. Na gut, so kommen wir von der albernen Schiene auch irgendwie nicht weg. Jedoch dreht sich ein Hauptteil der Songs darum, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, um so zu sein, wie man nun mal ist. Ganz frei angelehnt an den Albumtitel.

Grillmaster Flash (Copyright: Fabiane Lange)

Grillmaster Flash (Copyright: Fabiane Lange)

Dabei hat man das Gefühl, die Lyrics schon vorhersehen zu können, während man im Endeffekt aber doch falsch liegt. Doch vor allem sind sie nie wirklich unterhalb der Gürtellinie und teilweise echt witzig, sodass man sich ein leichtes Grinsen dann doch nicht verkneifen kann. Mit einer überraschend jung klingenden Stimme vorgetragen, die aber auch genug Druck aufbringt, um dem energetischen Rhythmus gerecht zu werden. Äußerst ansprechend, wenn man bedenkt, dass der Gesang nicht allzu rotzig klingt.

Die zwölf Tracks werden außerdem immer wieder mit kleinen instrumentalen Zusätzen weiter aufgelockert. Besonders erwähnenswert ist auch der enthusiastische Background-Gesang in höheren Lagen, der den Refrain regelmäßig unterstützt. Daher lassen sich die Songs locker runterhören, einzig „Cowboyman“ ist im Vergleich zu den anderen deutlich schwächer.

Auf „Andere Leude My Ass“ wird ein durchgehend solider Rocksound abgeliefert, den man sich live bestimmt sogar noch viel besser geben kann. Und diese Platte ist zu keiner Zeit langweilig. Also zugreifen, wenn du auf simple Unterhaltung stehst oder beim Sportunterricht auch immer als Letzter gewählt wurdest.

Anspieltipps:
Bud Spencers Bart / WeltraumDu bist gut / Andere Leude My Ass

Video

Trackliste

01 (Ich war nie) Rock´n´Roll
02 Ganz Vorn In Der Achterbahn
03 Weltraum
04 Andere Leude My Ass
05 Bud Spencers Bart
06 Cowboyman
07 Irrtum Vom Weihnachtsmann
08 Du Bist Gut
09 Möfähëäd
10 Ich Komme Wieder
11 28779
12 Alles Gegeben

Details

Grillmaster Flash – Homepage
Grillmaster Flash – Facebook

Label: Speck Flag Records
Vö-Termin: 26.06.2015
Spielzeit: 46:38

Copyright Cover: Speck Flag Records



Über den Autor

Christopher