Review

Unter dem spektralen Namen „Geister“ erfolgt der bereits zweite Streich des deutschen Duos Gloria, bestehend aus Mark Tavassol, Bassist von Wir sind Helden, deren Song „Denkmal“ im Radio immer noch auf und ab läuft, und Klaas Heufer-Umlauf, bekannt durch das Zweiergespann „Joko und Klaas“, das derzeit im deutschen Fernsehen rumhampelt.

Eine frische Mischung, die durchaus in der Lage ist, ihren Singer-Songwriter-Sound abgerundet mit etwas Indie und leichtem Folk-Einfluss gut auf die Ohren zu übertragen. Die zehn Songs wurden so konzipiert, dass sie zu keiner Zeit schwer im Magen liegen. Hier zeigt sich auch Mark Tavassols Einfluss, ihnen einen gut zugänglichen Weg zu ebnen, wie es schon bei Wir Sind Helden getan wurde.

Aber obwohl man sich als Hörer gut in „Geister“ einfindet, braucht das Album dennoch einen weiteren Durchlauf, um dann vollends zu zünden. Klaas Heufer-Umlaufs Stimme mag zu Beginn irgendwie aufgesetzt wirken, außerdem werden hier keine interessanten gesanglichen Kunsteinlagen hingelegt und alles beruht auf einer soliden Basis. Ebenfalls wirken die Lyrics zunächst etwas zu dick aufgetragen.
Also am besten nach dem letzten Titel direkt „Repeat“ betätigen, um hinter die Musik von Gloria schauen zu können.

Was beim ersten Hören aufgrund der langsameren Geschwindigkeit in Monotonie verfiel, fügt sich nun zu einem bunten Bild zusammen. Die Kombi aus Drums, akustischer Gitarre und Klavier sorgt für den tragenden Teil der Atmosphäre. Während sich im Refrain dann öfters elektrische Riffs einspielen, um die Titel aufzupeppen, welche besonders bei „Schwaches Gift“ gut zur Geltung kommen.

Man muss dazu sagen, dass die Songs im Großen und Ganzen alle in sich stimmig sind, ein gutes Beispiel hierfür ist „Kreis“. Gesang und Instrumente arbeiten hier wie ein Uhrwerk zusammen. Dadurch wird eine melancholische Stimmung erzeugt, in die dennoch Lichtstrahlen durch die dunkleren Wolken brechen.

Außerdem geht es auf „Geister“ nicht nur in einem mäßigen Tempo voran. Mit „Ohne Träume“ bringen Gloria durch funkige Riffs den Rock-Faktor zurück auf die Platte und auch „Haut“ besticht mit einem galoppierenden Rhythmus, der nur eine Richtung kennt: geradeaus.

Gloria (Copyright: Gloria)

Gloria (Copyright: Gloria)

Bei den Texten tun sich nun auch viele Wortspiele und Zeilen auf, die mehr als nur eine Bedeutung aufweisen. Dennoch spricht hier für diesen Stil, dass er nicht allzu abgehoben klingt und immer noch „menschlich“ ist. Die Stimmbänder kommen beim Schlusslicht „Stolpersteine“ noch einmal besonders gut zur Geltung.

Durch „Geister“ sollte man sich nicht einfach so durchschalten, sondern jeden Song als ein eigenes Individuum ansehen. Dieses Gefühl kommt zwar nicht immer sofort zum Vorschein, aber wenn es dann erst einmal „Klick“ gemacht hat, funktioniert es auch. Nicht jeder Song wird dem Niveau des jeweils anderen nachkommen können, aber am Ende sind es die persönlichen Präferenzen, die darüber entscheiden.

„Geister“ ist eins von den Alben, die immer besser werden, je öfter man sie sich anhört. Kommt es zu abwechslungsreichem Sound mit einer Menge Substanz, wird man hier zur Genüge bedient.

Anspieltipps:
Schwaches Gift / Ohne Träume / Kreis / Haut / Stolpersteine

Trailer

Video

Trackliste

01 Geister
02 Neu Beginnen
03 Schwaches Gift
04 Das, Was Passiert
05 Kreis
06 Der Pilot
07 Heilige Und Hunde
08 Ohne Träume
09 Haut
10 Stolpersteine

Details

Gloria – Homepage
Gloria – Facebook

Label: Grönland Records / Rough Trade
Vö-Termin: 07.08.2015
Spielzeit: 39:51

Copyright Cover: Grönland Records



Über den Autor

Christopher