Review

Gli Altri und Uragano; das Papierschiffchen und die tobende See. Zwei italienische Bands, die verschiedener nicht sein könnten.

Die vorliegende Split-CD mit simplem aber wunderschönem Coverartwork wurde dieses Jahr durch 20 verschiedene Labels ins Leben gerufen, unter anderem dabei tAXI dRiver Records, Rude Records und als deutscher Vertreter alcoves Records aus Berlin.
Beim Öffnen des Slip-Case springt einem sofort die mit Papierschiffchen nicht sparsam verzierte CD ins Auge.

Gli Altri / uragano Split-Layout (Copyright: Alcoves Records)

Gli Altri / uragano Split-Layout (Copyright: Alcoves Records)

Darauf vertreten sind sechs Songs; jede Band steuert jeweils drei Tracks zur Split bei.

Gli Altri (Copyright: Gli Altri)

Gli Altri (Copyright: Gli Altri)

Es startet Gli Altri. Ihres Zeichens Verfechter des Post-Hardcore mit Screamo- und diversen Indie-Elementen.
Und schon der Opener „Progettare Un Luogo“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „einen Ort entwerfen“, legt ordentlich vor. Mit einer Kombination aus angezerrten und cleanen Gitarrenriffs sorgt die Band für eine treibende Melodie. Und während die Gitarristen ihre Saiten glühen lassen, brüllen sie ihre Texte dem Hörer entgegen.

Auffallend bei Gli Altri ist, dass die Band neben zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug noch ein weiteres Instrument in ihren Sound eingebaut haben, welches in Form einer elektrischen Geige ihren Beitrag leistet. So wird der Band ermöglicht, den Songs neben den Rhythmusriffs von Gitarre und Bass und den Leadriffs noch eine weitere Melodiespur zuzuführen, die sich fast selbst wie ein verzerrtes Saiteninstrument anhört.

Um die Akkordwut seiner vier Mitglieder zu bändigen, sorgt der Schlagzeuger für den nötigen Groove, was besonders in den gesangsfreien Passagen gut zum Tragen kommt.

Die drei Songs bringen Abwechslung und sind durchgehende Ohrwürmer, was nicht zuletzt an den Tempowechseln liegt.

uragano (Copyright: uragano)

uragano (Copyright: uragano)

Während Gli Altris Tracks reinigend wirken, sorgt Uraganos Teil dafür, dass man sich wieder dreckig fühlt. Schmutziger Hardcore trifft auf Noise und hysterischen Screamo.

Mit dem knapp neun minütigen Track „Amy“ prallen ein schweres Schlagzeug und zerschneidend lang gespielte Akkorde aufeinander.

Neben gesprochenen und gebrüllten Lyrics, stellt sich auch gerne mal die ganze Band vor das Mikrofon, um Druck aufzubauen.

Der Noise-Faktor kommt im „L’Interludio“ (die Übersetzung kann man sich wohl denken) auf.
Neben statischen Geräuschen ertönt ein Akkordeon, dessen Tonspur kurzerhand kleingehäckselt wurde. Überleitend zum letzten Song „238 Chilometri“, bei dem ein gurgelnder Bass die Hauptrolle spielt und den Rhythmus beisteuert, aber dieses Mal kommt auch von den Gitarren etwas mehr Melodie.

Alles in allem klingt Uraganos Hälfte deutlich böser als der doch mehr dynamische Sound von Gli Altri. Aber dieser Kontrast ist es, der diese Split-CD so einzigartig macht.
Bei passender Stimmung wählt man Band und Song, legt sich irgendwo auf ein Feld oder schlägt Wände ein.
Definitiv ein Muss für alle offenen Fans individueller Musik.

Video

Tracklist

01 Progettare Un Luogo (Gli Altri)
02 Generare Il Vuoto (Gli Altri)
03 Disegnare Il Moto (Glit Altri)
04 Amy (Uragano)
05 L’Interludio (Uragano)
06 238 Chilometri (Uragano)

Details

Gli Altri – Facebook
uragano – Facebook

Label: Alcoves Records u.a.
Vö-Termin: 28.04.2014
Spielzeit: 25:07
Extras: erhältlich als CD-R im Slip-Case

Copyright Cover: Alcoves Records



Über den Autor

Christopher