Review

Aus den Tiefen des Abyss kommen sie und hören auf den Namen GGU:LL. Mit ihrem Album „Dwaling“ nehmen die Niederländer uns mit auf eine Reise ins Ungewisse. Ihr Doom/Drown Metal-Mix ist dabei sehr einnehmend, einfach gehalten und dennoch durchschlagskräftig. Ob das allerdings über die gesamte Länge so bleibt?

„Hoon“ macht den Anfang auf „Dwaling“ und es fällt sofort der große Soundteppich auf, der ausgerollt wird. Man fühlt ein wenig Sólstafir-Vibes. GGU:LL geben einem auch die Zeit, dabei zu entspannen und den Track zu genießen. Obwohl der Titel sehr depressiv daherkommt, ist die Hauptmelodie eher etwas Kräfte schöpfend. Gesanglich befinden wir uns beim klassischen Post-Black Metal-Gebrüll bzw. -Gekeife. In diesem Fall ist das auch nichts Schlechtes, denn es passt zur Musik.

Eine weitere Band, die dem Hörer in den Sinn kommt, ist The Ocean. Songs wie „Het smerige kleed van de ziel“ oder „Waan“ klingen ziemlich nach „Under Water“ und die langsamen, kraftvollen Riffs verstärken diesen Eindruck auch noch. Das Schlagzeug bleibt dabei immer recht ruhig, dennoch aber schlagfertig. Soll heißen, die Beats sind einfach, doch der Schlag ist kraftvoll.

Positiv zu vermerken ist der rohe Sound, der einfach dabei sein muss, wenn man solch eine Art Musik macht. Zwischendurch wird immer mal mit ein paar Sounds gespielt, um den Songs mehr Würze zu verleihen. Das funktioniert so weit auch ganz gut, wenn man so etwas nicht schon recht häufig gehört hätte. Ein richtiges Erkennungsmerkmal lässt sich hier nicht ausmachen. Was natürlich daran liegen kann, dass das Genre derzeit ziemlich beliebt ist.

Durch die langsamen Melodien kommen einem auch Bands wie If These Trees Could Talk in den Sinn. „March 28 1941, drowning“ ist so ein Fall, der mit einer gewaltigen Klanglandschaft daher kommt und den Hörer über Klippen, reißende Gewässer und in die Wüste zieht. So gut die Songs auf „Dwaling“ beginnen, so generisch und vorhersehbar enden alle jedoch.

GGU:LL, 2015 (Copyright: Cloakture Photography)

GGU:LL, 2015 (Copyright: Cloakture Photography)

Eins kann GGU:LL allerdings richtig gut: Stimmung erzeugen. So tief und emotional klingen nicht alle. Gerade der letzte Track lässt einen wirklich einsacken und vor sich hinvegetieren. Würden sie das über das gesamte Album präsentieren können, sähe es auch schon ganz anders aus. So aber starten die Songs allesamt super und enden banal.

GGU:LL bringen mit „Dwaling“ keine Offenbarung auf den Markt. Eher ein solides Doom Metal-Werk, welches sich dank massiver Hingabe und Emotionalität nicht verstecken muss. Wäre der Doom-Stempel nicht so intensiv und die Songs zum Ende hin so gleich, hätte das echt was werden können. Falls man über die Band mal stolpern sollte, kann man durchaus reinhören. Eine direkte Empfehlung gibt es jedoch nicht.

Video

Trackliste

01 Hoon
02 Dwaling (Gehirn und Abgrund)
03 Het smerige kleed van de ziel
04 Waan
05 Het masker vande wereldt afgetrocken
06 March 28 1941, drowning

Details

GGU:LL – Facebook

Label: Ván Records / Soulfood
Vö-Termin: 24.06.2016
Spielzeit: 49:01

Copyright Cover: Ván Records



Über den Autor

Marcus
Marcus