Review

Welcome to the apocalypse! Eine Ausgeburt der Hölle schlägt uns hier um die Ohren.
George Kollias, besser bekannt als Drummer von Nile, bringt dieses Jahr seine eigene Platte raus. Sie hört auf den Namen „Invictus“ und ist Death Metal vom Feinsten. Viel Nile, wenig Innovation, aber auf jeden Fall voll in die Fresse. George selbst sagt, dass er das Album eher für die Fans realisiert hat. Ihm war wichtig, ihnen einen Wunsch zu erfüllen. Ob ihm das gelungen ist, klären wir hier.

„Invictus“ beginnt episch, zumindest in den Augen bzw. Ohren mancher. In „Echoes of Divinity“ geht es um etwas, das aus der Hölle hervorkommt. Wir hören also nur Stimme und ein bisschen Hintergrundgedudel. Ein sehr klassisches Intro, dafür aber wirkungsvoll, weil es sehr gut in den Titeltrack einleitet.

Titeltrack „Invictus“ drückt uns „instant“ den Nile-Vibe aufs Ohr. Blastbeat gepaart mit abartig schnellen Trommelwirbeln und Doublebassgewitter jenseits der 260 bpm. Das kennen und lieben wir bereits an Nile. Ebenso wird hier schon klar, dass es bei Nile auch noch ein wenig mehr kitzelt, wenn man ihre Songs hört. Das liegt vielleicht an den Riffs, die Kollias selbst mag und auf der Platte verwurstet. Die sind größtenteils grandiose Standardkost, wenn auch die Soli ganz gut sind und passen. Man muss aber auch bedenken, dass sein Hauptinstrument das Schlagzeug ist und jenes beherrscht er.

„The Passage“ kommt mit seinem etwas melodramatischen Flair recht interessant daher, leider wird das nicht ausgebaut und verstummt nach ein paar Sekunden. Dafür ist die Geschwindigkeit und Soundgewalt überwältigend. In Verbindung mit der groovigen Urwald-Atmosphäre kann George Kollias hier nur gewinnen.

„Aeons of Burning Galaxies“ war bereits bekannt und beschreibt meiner Meinung nach die Platte ziemlich gut. Spannung aufbauen, den Hörer abholen, um mit ihm dann durch das Gewitter zu fahren. Dabei fällt immer wieder auf, dass die Scheibe definitiv das Label „handmade“ tragen darf. Klar wurde die Doublebass getriggert, aber der Rest kommt so natürlich daher, dass sich die Ohren freuen.

Auch beim Gesang könnte man wieder meinen, dass es Nile-artig klingt, jedoch hat George Kollias seinen eigenen Stil, der mit viel Kraft und Leidenschaft daherkommt. Seine tiefen Screams passen stets zur Atmosphäre des Albums und bringen manche Perle zum Vorschein.

Über die ganze Platte hinweg wird die Qualität gehalten und große Pausen lässt Kollias uns nicht. So ist es aber auch richtig, denn purer und straighter Death Metal sollte genau so sein und sich nicht mit viel Tamtam aufhalten. Es ist eine Ode an den Death Metal und ganz klar bemerkenswert, was Mister „Swivel-Technique“ ganz alleine auf die Beine gestellt hat. Woher kommt die ganze Kreativität bei diesen Jungs? George Kollias, Krimh oder Hannes Grossmann machen es vor und bilden damit eine neue Sparte von Drummern, die einfach alles können. Wahnsinn!

George Kollias (Copyright: George Kollias)

George Kollias (Copyright: George Kollias)

Wer den straighten Death Metal liebt, muss aber auch mit einer gehörigen Packung Groove auf „Invictus“ klarkommen. „Shall Rise / Shall Be Dead“ zeigt das eindrucksvoll zum Ende des Songs. Genauso „Voices“, der mit seiner brachialen Art ziemlich viel niederbügelt.

„Apocalypse“ bildet zusammen mit „Epitaph“ dann den Weltuntergang. Als Interlude ist es gedacht, das Gitarrenspiel ist virtuos und doch sehr melodiös. Die Atmosphäre ist bedrohlich, ein Gewitter zieht auf und es führt nichts Gutes im Schilde. Ganz klar, hier gibt es noch mal den totalen Abriss. Es kommt eben, wie es kommen musste. Und da treffen wir auf des Pudels Kern: „Invictus“ ähnelt sich einfach zu oft. Rifftypen werden überstrapaziert angewandt und man hat das Gefühl, dass es 1-2 Songs gibt, die leicht abgewandelt und mit anderem Songnamen auf die Platte gepresst wurden, um Zeit zu füllen.

Fazit: George Kollias bringt mit „Invictus“ ein bemerkenswertes Eigenwerk heraus. Die blanke Brutalität kann überzeugen und hält selten eine Überraschung bereit. Death Metal der alten Schule trifft auch brachiale moderne Blastbeats in abgefahrenen Tempi. Hier muss man Kollias auch zugutehalten, dass er das Album für seine Fans gemacht hat und genau die dürfen bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten sich ein oder zwei Songs anhören und dann entscheiden, denn hier gilt: Kennste einen, kennste alle.

Video

Trackliste

01 Echoes of Divinity
02 Invictus
03 The Passage
04 Aeons of Burning Galaxies
05 Shall Rise/Shall Be Dead
06 Voices
07 Treasures of Nemesis
08 Apocalypse
09 Epitaph
10 Through Empty Eyes of Light
11 Buried under the Flames

Details

George Kollias – Homepage
George Kollias – Facebook

Label: Season of Mist
Vö-Termin: 18.05.2015
Spielzeit: 56:21

Copyright Cover: Seasons of Mist



Über den Autor

Marcus
Marcus