Review

Das Label Kscope war bzw. ist das Zuhause von Art-, Post- und Progressive-Rock-Größen wie Katatonia, Anathema, Porcupine Tree, Nordic Giants und vielen mehr, darunter auch Gazpacho. Das Sextett um Sänger Jan-Henrik Ohme ist dabei eine der „unbequemeren“ Genrebands, denn ihre komplexen, kunstvollen, experimentell-progressiven Songs mit Spielzeiten teils um die zwölf Minuten herum sind selbst für die Mehrheit der stilistisch versierten Hörer oftmals nur schwer zugänglich.

Gazpachos dritte Live-Veröffentlichung, die den Namen „Night of the Demon“ trägt und während ihrer Tournee zum letzten Studioalbum „Demon“ im April 2014 bei einer Show in Zoetermeer in Holland aufgenommen wurde, tritt den Beweis an, dass die Liveperformance der Band die häufig wahrgenommene Sperrigkeit der Songs durchaus kompensieren und in Bahnen des Wohlgefallens lenken kann. Zu verdanken ist dies allen voran der gesanglichen Leistung, aber auch den rifflastigen Gitarren, die in der meist ruhigen Klanglandschaft live besonders gut zur Geltung kommen. Zudem trägt – was die DVD angeht – die Visualisierung des Vorgetragenen entscheidend zur Wirkung des Gehörten bei.

Schwerpunkt unserer Rezension ist somit auch die beiliegende DVD, die sich von der Tracklist der ebenfalls enthaltenen CD insofern unterscheidet, als dass sie neben den identischen neun Songs weitere fünf Titel umfasst.
Basis der Setlist bilden Titel des letzten Albums „Demon“, die um weitere Songs aus der Diskografie von Gazpacho ergänzt werden.

Den Livemitschnitt kann der Zuschauer sowohl am Stück als auch trackweise genießen. Wie man sich auch entscheidet, vorbildlich werden stets zu Beginn eines Liedes die Songtitel eingeblendet. Das macht es auch für Gazpacho-Gelegenheitshörer leicht, sich schnell zurechtzufinden und „auf dem Laufenden“ zu bleiben.

An der Bildqualität der DVD ist nichts zu kritisieren. Schwarz-weiß leitet man das Konzert ein, und beendet es schließlich nach knapp 112 Minuten auch in dieser Farbgebung. Eine runde, stimmungsvolle Sache.
Zwischen Intro und Abspann zeigt sich das Konzert selbst natürlich in Farbe. Selbst die für Kameras oftmals schwer zu händelnden Blau- und Rottöne und eine insgesamt recht dunkle Beleuchtung des Bühnenbilds, welches zeitweise Projektionen im Hintergrund zeigt und Konzertfotografen vor wahre ISO-Herausforderungen stellt, wurde auf „Night of the Demon“ sehr gut eingefangen. Klar und deutlich kann man daher den Liveauftritt von Gazpacho auch von der Couch aus verfolgen.

Die Kameraperspektiven sind sehr abwechslungsreich. Sie reichen von Nahaufnahmen der Instrumente, über Profilaufnahmen der Bandmitglieder, bis hin zu Fahrten über das gesamte Bühnenbild und den Publikumsraum. Die jeweiligen Umschnitte und Übergänge sind – passend zur Musik – sanft und unaufdringlich, wirken aber trotzdem dynamisch genug, um den Zuschauer daheim in das Liveerleben hineinzuziehen.

Wie schon an der Bildqualität gibt es auch am Ton nichts zu beanstanden. Sowohl die fragilen als auch die kräftiger angeschlagenen Töne sind perfekt ausbalanciert und kommen nahezu in Studioqualität daher. Dabei verliert weder die CD-Fassung noch die DVD-Version nichts an Liveatmosphäre.

Dies liegt jedoch nicht an den hörbaren Zuschauerreaktionen, denn die fallen vor allem während der Songperformances äußerst verhalten aus, während auch die Interaktionen zwischen Band und Publikum eher bedächtig wirken; die atmosphärische, ruhige Setlist sieht aber auch nichts anderes vor und ein Schwenk über die Zuschauer vor Ort zeigt, dass sie durchaus zufrieden mit der Situation sind. Pärchen liegen sich wiegend in den Armen, der Rest verliert sich in der Musik oder beobachtet stillschweigend und fasziniert das bewegungslose „Treiben“ auf der Bühne.

Gazpacho (Copyright: Gazpacho)

Gazpacho (Copyright: Gazpacho)

Gazpacho geben sich bedächtig und intim; „Night of the Demon“ ist kein Programm für große Stadien, vielmehr etwas für die lauschige Wohnzimmer-Atmosphäre. Entsprechend auffällig kommen dann die deutlich bespielten Gitarrensaiten zur Geltung, die hin und wieder für Ausbrüche sorgen und die Stille durchbrechen.
Der ruhigen Atmosphäre zuträglich sind zudem die immer wieder integrierten klassischen Phasen, bestehend aus Geige und Piano („I’ve Been Walking – Part II“) und die langen Instrumentalparts, die durch das hintergründige Bühnenbild (Projektionen) interessant gehalten werden. Das Können der Musiker überzeugt immer; trotzdem schüren gerade die ausgedehnten instrumentalen Sequenzen (sofern sie nicht so flott und lebendig ausfallen wie in „The Wizard of Altai Mountains“) die Sehnsucht, der gefühlvolle Gesang möge bald wieder einsetzen, welcher den Zuhörer und Zuschauer abholt und die instrumental erzeugte Stimmung aufnimmt und weiterentwickelt.

Wer daran teilhaben will, sollte sich die CD/DVD-Veröffentlichung „Night of the Demon“ ins Haus holen. Fans von Gazpacho tun dies sowieso, alle anderen sollten jedoch zumindest viel Geduld und Offenheit mitbringen, um langfristig Gefallen an der außergewöhnlichen Klanglandschaft der Norweger zu finden.

Trailer

Tracklist

CD:
01 Tick Tock (Part I)
02 Tick Tock (Part II)
03 Vulture
04 I’ve Been Walking (Part I)
05 The Wizard of Altai Mountains
06 I’Ve Been Walking (Part II)
07 Splendid Isolation
08 Upside Down
09 Massive Illusion

DVD:
01 Tick Tock (Part I)
02 Tick Tock (Part II)
03 Vulture
04 Golem
05 I’ve Been Walking (Part I)
06 The Wizard of Altai Mountains
07 I’ve Been Walking (Part II)
08 Winter Is Never
09 Dingler’s Horses
10 Splendid Isolation
11 Black Lily
12 Vera
13 Upside Down
14 Massive Illusion

Details

Gazpacho – Homepage
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Label: Kscope Music (Edel)
Vö-Termin: 15.05.2015
Spielzeit: 79:27 min (CD) + 111:49 min. (DVD)

Copyright Cover: Kscope



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde