Review

Von Pionieren des Synth Metal erwartet man schon mehr als nur durchschnittliche Kost. Fern des Mainstreams sollte es auf dem Debütalbum einer solchen Band – wie =fudge= eine ist – nur so sprudeln vor Kreativität und Innovation, alles verpackt in einem kühlen, differenzierten Sound, der zum Aufdrehen der Boxen unweigerlich einlädt.

Wenn nur das Ohr und nicht auch das Auge entscheidet

Schwer hat es jedoch eine solche Band (und das nicht nur in Zeiten von Corona), wenn diese vor allem durch ihre ausgefallenen Liveshows punktet. So heißt es in der Presseinformation ihres Labels Fastball Music, dass die Musik von =fudge= „von einer progressiven Bühnenshow abgerundet [wird]. Licht und Sound sollen als komplettes Kunstwerk genossen werden […]“. Da bedarf es schon einiges an musikalischer Überzeugungsarbeit in Form von Top-Songs, um den Hörern auch ganz ohne visuelle Reize zu gefallen.

Vermutlich könnte dies ein Grund sein, weshalb das Debütalbum „Dust To Come“ u.a. als „Special Bonus Paket“ inklusive eines limitierten und auf 1000 Exemplare durchnummerierten Comic-Hefts zu erwerben ist. Damit wurde sich immerhin nicht nur viel Mühe gegeben, sondern auch für optische Hingucker gesorgt. Wichtiger ist es allerdings bei einem Erstlingswerk, wie eine Band darauf akustisch abschneidet. Und diesbezüglich steht hier Quantität vor Qualität.

Zum Album

Ganze 14 Tracks befinden sich auf dem Album „Dust To Come“. Viel Material, das aber wenig überzeugt.

Die größte Schwäche des Albums ist seine Monotonie und der damit einhergehende Gleichklang. Obschon instrumental und soundtechnisch zwar einiges geboten wird, ist es vor allem der Gesang, der zu wenig Variationen zeigt. Immer ähnlich intoniert man sich durch die Songs, bei denen man im Laufe des Albums schließlich kaum mehr merkt, wann ein Lied aufhört und ein neues anfängt. Inmitten der dezent aggressiven gesanglichen Performance mit Core-Charme wäre auch Klargesang mal ganz nett gewesen und hätte einigen Titeln wie etwa dem Bonustrack „Bittersweet Revenge“ gutgestanden. Darüber hinaus will sich der Gesang häufig einfach nicht harmonisch in die instrumentale Ebene eines Titels einfügen und wirkt dadurch teils wie ein Fremdkörper.

Als Fremdkörper im Albumkontext werden schließlich auch das leicht stilbrüchige „Reprise“ und „Dust To Come Part 2“ wahrgenommen. Während ersteres noch als Instrumental das Können an der Gitarre verdeutlicht, wird in letzterem von der Band ihre Vorliebe für Horror-Story-Umsetzungen ausgelebt.

=fudge= (Copyright: =fudge=)

Als reiner „Hörbuchtrack“ mit Erzählstimme und entsprechendem Sounddesign erstreckt er sich auf knapp 11 Minuten. Doch gerade in den letzten nicht enden wollenden Minuten gilt es, einer inszenierten akustischen Danksagung statt einer Geschichte zu lauschen, denn das ist es, was im Track als Abschluss präsentiert wird. Eine nette Idee, aber relevant und interessant sicherlich hauptsächlich nur für jene, die es betrifft.

Dass =fudge= eigentlich mehr können, als die Kritik vermuten lässt, wird beispielsweise im Song „Mechanical Human“ erahnbar. Hier zeigen sich erstmals gute Melodien und Ansätze für einen potenziellen Hit. Mehr dieser Art und das Debütalbum hätte sich nachhaltiger im Ohr der Hörer festgesetzt.

Fazit

So aber bleibt es bei einigen wenigen gefälligen Titeln, die man wiederholt hören möchte, während die Mehrheit der Songs auf „Dust To Come“ eher nur am Hörer vorbeiplätschert. Fehlende Highlights und eine minder ausgeprägte Melodiestärke lassen das Erstlingswerk zu schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Video

Tracklist

01 Silently
02 Into The Whispers
03 The Summoning
04 GODS
05 Mechanical Human
06 I’m A Wolf
07 Death To Man
08 Dust To Come
09 Thousand
10 Reprise
11 Confession
12 For Those Who Live In Fear
13 Dust To Come Part II
14 Bittersweet Revenge (Bonustrack)

Details

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Label: Fastball Music / Bob-Media
Vö-Termin: 16.10.2020
Spielzeit: 58:08

Copyright Cover: Fastball Music



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde