Review

„Stimmung“ ist wohl das Wort, das das Album „Atlas“ der Hamburger Band am besten beschreibt. Passend dazu die nackte Dame, die über die Berge kletternd das Cover ziert. Der Sound der Band ist alles andere als abgehoben. Der Hörer wird hier mit ernüchternder Musik konfrontiert, die einfach auf dem Boden der Tatsachen bleibt und realistisch ist. Hinzu kommt eine gewisse „mir-egal“-Einstellung auf Indie-Basis.

Fuck Art, Let´s Dance! (oder kurz FALD) kombinieren auch auf „Atlas“ wieder Saitenklänge mit elektronischer Musik. Allerdings wurde dieses Mal alles etwas zugänglicher arrangiert. Dennoch hören sich die Songs, von der Spielart her, etwas abgehackt und streng geordnet an. Was gar kein Kritikpunkt sein soll, denn obwohl auf Experimente komplett verzichtet wird, erzeugt die Band einen treibenden und drückenden Rhythmus, der sich gut in das Gesamtbild einfügt.

Dazu kommen die Effekte des Schlagzeugs, die den elektronischen Faktor auch noch unterstreichen. Dezent und doch groovig. Zwischen leicht verzerrten, manchmal sogar funkigen Akkorden rücken simple Riffs in den Vordergrund und der Bass sorgt für ein stabiles Fundament.

Was die Elektronik angeht, so fahren FALD hier keine innovativen oder komplexen Geschütze auf. Zum Glück, denn diese hätten den Sound deutlich verfälscht. Hauptsächlich ertönt ein knirschender Synthi, der an Videospiele der 80er oder 90er Jahre erinnert, sowie einen Hauch Rave in sich hat. Und obwohl dieser an manchen Stellen gerne hochgehalten wird, bleibt er größtenteils im Hintergrund und sorgt für Atmosphäre.

Aber nun zu dem, was FALD so einzigartig und hörenswert macht. Einmal ist da dieser total desinteressierte, stellenweise gelangweilt klingende Gesang, welcher oftmals, wie z.B. im Song „Sense“, der Energie vom Rest der Band entgegen wirkt. Aber auch hier wieder, es ist kein negativer Punkt, da die Stimme durch dieses charakteristische Merkmal klasse klingt. Ebenfalls interessant zu erwähnen, wie sie oft im Refrain durch eine zweite Audiospur in höherer Lage verstärkt wurde.

Fuck Art, Let´s Dance! (Copyright: Fuck Art, Let´s Dance!)

Fuck Art, Let´s Dance! (Copyright: Fuck Art, Let´s Dance!)

Zum anderen ist es die Fähigkeit der Band, die Songs auf „Atlas“ klar voneinander zu differenzieren, ohne den nüchternen Unterton zu verlieren. Seien es balladenartige Songs wie „Home“ oder „Divided“, typischer Indie wie bei „Fake Love“ oder die Massentauglichkeit wie beispielsweise in „Those Dancing Days“. Akzente werden gesetzt mit „We´re Manicals!“ und „Talisman“. Aber am allerbesten fasst der versteckte Track „Double Up“ das komplette Album zusammen; hier kommen noch mal alle Elemente gut zusammen.

FALD wollen mit „Atlas“ nichts Neues erschaffen oder mit aufbauen. Sie kamen, um Musik zu machen, ihre Musik. Und das ist ihnen mit dieser Platte deutlich gelungen.
Die Jungs betreiben keine Raketenwissenschaft, aber das ist auch gar nicht nötig, da sich grundsätzlich jeder der Titel gut anhört. Zu Beginn hat man auf „Atlas“ zwar noch so seine Favoriten, aber mit mehreren Durchgängen lernt man auch wieder Songs kennen, die man davor noch übersprungen hat.

Wie schon zu Beginn gesagt, lebt die Band nicht in irgendwelchen Märchenwelten oder hat lyrische Grundsätze, auf die jeder Dichter neidisch werden würde. FALD bringen es einfach ungefiltert und ehrlich auf den Punkt. Und auch wenn in diesem schwarz-weißen Sound kein Platz für Buntes ist, kommt doch manchmal etwas Farbe durch. Also raus aus der Kunstausstellung und schwingt das Tanzbein in eurem persönlichen, wenn auch eigenwilligen Stil.

Video

Trackliste

01 Atlas
02 We´re Manicals!
03 Home
04 Hemisphere
05 Fake Love
06 Deja-Vu
07 Those Dancing Days
08 Divided
09 Juvenile Ghost
10 Interstate 15
11 Sense
12 Talisman
13 Double Up (Hidden Track)

Details

Fuck Art, Let`s Dance – Homepage
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Fuck Art, Let`s Dance – Twitter

Label: Audiolith
Vö-Termin: 07.03.2014
Spielzeit: 53:30

Copyright: Fuck Art, Let´s Dance!



Über den Autor

Christopher