Review

Wird das jetzt so ein Running Gag von Frittenbude wie bei „Delfinarium“, jedes Tier, außer das im Titel, auf dem Cover abzubilden? Drei Jahre nach erwähnter Platte hauen die Jungs nun ihr viertes Machwerk raus. „Küken des Orion“ beinhaltet abermals Frittenbudes Rave-Attitüde verziert mit einem Sound aus Elektro und gelegentlichen rockigen Einschlägen.

Und direkt bei Opener „Army Of Küken“ fällt es schwer, still sitzen zu bleiben. Frittenbude – nunmehr in düsterem Gewand – lassen ihren knarzigen Sound über die harten Bässe rollen. Hatte man angesichts des niedlichen Lamas noch auf ein Party-Intro gehofft, vermittelt dieser Song einfach nur eine drückende Stimmung.

Gleich beweisen Frittenbude wie erwartet ihr Talent, Songs zu kreieren, die sich durchaus auch im Mainstream wiederfinden könnten. Die melodischen und verwaschenen Klänge von „Die Möglichkeit eines Lamas“ heben sich deutlich von den zuvor härteren Klängen ab. Überraschenderweise bricht man auf „Küken des Orion“ auch manchmal den eigenen Stil wie bei „Alles wird Staub“. Keine Ahnung, was da passiert ist, aber akustische Gitarren über rockige Drums mit ein wenig Synthis im Hintergrund grenzen sich doch stark von dem vorherigen Geschehen ab. Aber man muss sagen, der Song ist klasse; einfach weil es was anderes ist.

Aber spulen wir kurz zurück zu Titel Nummer drei, denn ab da bekommt man als Hörer wieder, was man von Frittenbude erwartet. „Stürzende Helden“ bringen die vibrierenden Bässe, die die Trommelfelle so sehr notwendig haben. Besonders die Vocal-Samples im Beat fallen hier auf, die Frittenbude im Rahmen der Platte immer wieder aufkommen lassen.

Worauf man ebenfalls nicht verzichten muss, sind die dezenten elektrischen Gitarren über den elektronischen Sounds. Zum großen Teil wurde dabei auf Loops verzichtet und der Fokus liegt in diesen Passagen auf catchigen Riffs. Dazu muss man sagen, dass der Kontrast zwischen den dreizehn Songs doch sehr stark ist. So stolpert man beispielsweise vom aggressiven „Schlachtfeld der Schande“ in das stark entschleunigte „Padmé“. Dadurch findet der Hörer in so manchen Titel nicht sofort rein. Meistens aber legt sich dieses Gefühl, sobald man ihnen eine zweite Chance gibt.

Frittenbude (Copyright: Frittenbude)

Frittenbude (Copyright: Frittenbude)

Daher muss man sich auch für „The Striz“ etwas mehr Zeit nehmen. An Spoken Word erinnernde Vocals spielen mit den eingängigen Melodien. Im Refrain findet sich eine nette Referenz zum Ärzte Song „Manchmal haben Frauen“ wieder. Außerdem könnte man vermuten, dass sich hinter „Rave ist kein Hobby“ ein Party-Track versteckt, aber bis auf die Stadionhupe spiegelt dieser Track alles andere als das wider. Überhaupt weicht man auf „Küken des Orion“ stark von dem üblichen Thema Party ab. Dafür ist aber wieder eine Menge Zucker dabei.

Und so endet die Platte mit „Michael Jackson hatte Recht“, der niemals ernst gemeint sein kann. Klingt mehr nach abgedroschenem Pop-Song mit lyrischem Humor. Das kam jedenfalls unerwartet. Doch dieses Album sorgt nun mal für Überraschungen.

Frittenbude bewegen sich zwischen energetischer Elektronik, die den Adrenalinspiegel steigen lässt, und zugänglichen Melodien für den Ohrwurm to go. Frittenbude sind in üblicher Manier zurück. Vorsicht, heiß und fettig.

Anspieltipps:
Army Of Küken / Stürzende Helden / Endlich unendlich / Alles wird Staub / The Striz / Die Möglichkeit eines Lamas

Videos

Trackliste

01 Army Of Küken
02 Die Möglichkeit eines Lamas
03 Stürzende Helden
04 Endlich unendlich
05 Was am Ende bleibt (feat. Dirk von Lowtzow)
06 So da wie noch nie
07 Schlachtfeld der Schande
08 Padmé
09 Alles wird Staub
10 Ostsee, California
11 The Stritz
12 Rave ist kein Hobby
13 Michael Jackson hatte Recht

Details

Frittenbude – Homepage
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Label: Audiolith
Vö-Termin: 21.08.2015
Spielzeit: 55:34

Copyright Cover: Audiolith



Über den Autor

Christopher