Review

Wenn Musik nicht nur im Ohr bleibt, sondern sich im Kopf des Hörers entfaltet und ihn mit auf die Reise nimmt, geht wohl der Traum eines jeden Musikers in Erfüllung. Mit genau diesem Anspruch treten Frequency Drift aus Bayreuth auf ihrem neuen Album „Last“ an. Angekündigt als „großes Kopfkino“ präsentieren die Damen und Herren acht Songs, die sich allesamt nicht nur als auskomponierte Musikstücke sehen, sondern eben Platz lassen für atmosphärische Parts, Geräuschkulissen und eine Vielzahl an Gimmicks.

In welchem Film-Genre wir uns hier befinden, wird ziemlich schnell klar: Weder bieten Frequency Drift große Action noch partytauglichen Rock. Nein, hier ist eindeutig Drama angesagt!
Die musikalischen Claims werden irgendwo zwischen The Gathering, Madder Mortem und Blackmore’s Night abgesteckt.

Als Hauptdarstellerin schickt das Sextett ihre Sängerin Melanie Mau ins Rennen, deren engelsgleiche Stimme perfekt für diesen Akustik-Blockbuster passt. Melanie wechselt die Rollen geschickt zwischen verträumter Prinzessin und trauriger Drama-Queen, an einigen Stellen wurde ich auch an Cristina Scabbia von Lacuna Coil erinnert. Insgesamt eine gelungene Besetzung, auch wenn die Songs an der einen oder anderen Stelle gesanglich noch etwas mehr Action vertragen könnten.

Komplettiert wird das Set neben der klassischen Rock-Band-Besetzung von diversen Instrumenten wie Theremin, E-Harfe und Mellotron, die ein skurriles, einzigartiges Klangbild erzeugen, welches sich musikalisch irgendwo zwischen Akustik-Pop und Softrock bewegt.

Die durchweg im Midtempo gehaltenen Songs bieten sowohl den Instrumenten als auch dem Gesang viel Platz zur Entfaltung und wirken trotz der üppigen Instrumentierung nie überfrachtet.

Textlich passen sich Frequency Drift dem Drama-Thema an und präsentieren uns einen Spannungsbogen aus Gefühlen, die sich mit zunehmender Spieldauer immer mehr verdichten und mit „Asleep“, dem längsten Song des Albums, einen würdigen Abschluss finden.

Frequency Drift (Copyright: Marco Kies)

Frequency Drift (Copyright: Marco Kies)

Eine detailliertere Beschreibung der Musik fällt schwer, denn während ich diese Review schreibe, frage ich mich immer wieder, was ich hier gerade überhaupt bewerte: Ist es die Musik? Oder das, was sie in mir auslöst? Oder beides?
Fakt ist, dass Frequency Drift ihren Hörern eine ganze Menge an Aufmerksamkeit abverlangen und die Stärke dieser CD nicht in actionreicher Effekthascherei liegt, sondern in den feinen Nuancen, bei denen man oftmals zwischen den Zeilen hören muss.

Wer Musik also nur konsumieren will, für den kommt diese CD vielleicht rüber wie ein 3D-Film ohne 3D-Brille. Wer aber bereit ist, sich die Zeit für dieses Album zu nehmen, der darf sich auf oscarreife Musik freuen, sollte dieser Scheibe aber ruhig mehrere Durchläufe geben.

Video

Tracklist

01 Traces
02 Diary
03 Merry
04 Shade
05 Treasured
06 Last Photo
07 Hidden
08 Asleep

Details

Frequency Drift – Homepage
Frequency Drift – Facebook

Label: Gentle Art Of Music / Soulfood
Vö-Termin: 19.02.2016
Spielzeit: 54:07

Copyright Cover: Gentle Art Of Music



Über den Autor

Tim
Tim
Je länger man kaut, desto süßer das Brot!