Review

Im Doppelpack kommt die Erstauflage des inzwischen dritten Albums von Formalin daher. Gesplittet in das Hauptwerk „Supercluster“ sowie der Bonus-EP „Supervoid“, die mit vier weiteren neuen Stücken das elektronische Geschehen des Konzeptalbums ergänzt, liefert das Berliner Duo eine unberechenbare und damit lange interessant bleibende Mischung aus Industrial-Klängen, Retrosounds, Sci-Fi-Electronica, dezenten Dubstep und 80er Feeling.
Experimentierfreude trifft auf Eingängigkeit und Tanzbarkeit; alles zusammengenommen verspricht pure Abwechslung.

Formalin entwickeln sich scheinbar stetig weiter und sind daher immer für Überraschungen gut. Diesen Eindruck erweckt auch „Supercluster“, dessen spaciges Science-Fiction Konzept musikalisch hervorragend eingefangen und wiedergegeben wurde.
Diverse verschiedene Stilmittel kommen hier zum Einsatz, sodass typische Zerrsounds ebenso für Highlights sorgen wie analoge Synthies, Geräuschsamples und ein für ungeübte Ohren nach Krach klingender Background. Die Verbindung der unterschiedlichen Elemente gelingt derart gut, dass ein harmonisches Klangerlebnis entsteht, dem mit Songs wie beispielsweise „Above The Sun“ oder „Neomania“ sogar der eine oder andere Ohrwurm und Club-Evergreen hinzugefügt wurde.

Gesanglich variiert man ebenfalls ausreichend, um mit der musikalischen Abwechslung auch stimmlich mithalten zu können. Homogen passt man Verzerrungen mal dominanter, mal dezenter an die jeweiligen Tracks an und gibt sich in balladeskeren Titeln wie „If The Stars Were Dead“ darüber hinaus sehr klar und warm. Dies macht es leicht, sich auch auf die sperrigeren Klänge umgehend einlassen und dem Konzept des Albums prompt folgen zu können.

Was auf „Supercluster“ auffällt, sind die teils ausgiebig inszenierten Intros der einzelnen Titel. Formalin nehmen sich hier zunächst Zeit, um schließlich auf den Punkt zu kommen. Dabei trifft man des Öfteren auf repetitive Strukturen, die kaum Entwicklungen aufzeigen, dafür aber stimmungsvoll den eigentlichen Song erwarten lassen; das kann gefallen oder stören. Egal wie der Hörer dies für sich selbst entscheidet, Fakt ist, dass bereits in den Introsequenzen der Mut zum Experimentieren betont wird, welcher immer mal wieder auf „Supercluster“ durchschimmert.

Formalin (Copyright: Andreas Hosch)

Formalin (Copyright: Andreas Hosch)

Formalin dürften in der Szene wohl inzwischen ausreichend namhaft sein, dass Empfehlungen à la „wer xy hört, hört auch“ nicht mehr nötig scheinen. Aufgrund der Vielfalt des Albums „Supercluster“ ist eine konkrete Präferenz zudem nahezu unmöglich. So sei Fans von Projekten wie Aesthetic Perfection angeraten, in die „harscheren“ Titel von „Supercluster“ einmal reinzuhören. Allein darauf beschränken sich Formalin jedoch nicht, sodass auch Hörer von Marilyn Manson einmal ein Ohr in die atmosphärischen Tracks riskieren sollten.

Da dem Berliner Zweiergespann Stillstand ein Fremdwort zu sein scheint, lässt sich „Supercluster“ gleichzeitig nur schwer mit den beiden Vorgängeralben vergleichen. Somit sollten Fans ebenso offen sein für Neues und unkonventionelle musikalische Wege wie Formalin selbst es auch sind. Dann aber erobert „Supercluster“ das Herz eines jeden Electro-Hörers, der sowohl chillig spacige Tracks (wie u.a. „Salvation“) favorisiert, als auch gepflegt das Tanzbein schwingen möchte.

Video

Tracklist

CD 01 – Supercluster
01 Operation Haven Sky
02 We Are The Future
03 Above The Sun
04 Wipe It Out
05 Salvation
06 Fear As A Weapon
07 Neomania
08 If The Stars Were Dead
09 The Ignition
10 Moon
11 Supercluster
12 Virtual Love Supply
13 The Universe Inside

CD 02 – Supervoid
01 Alien Lover
02 Alive
03 Rocket
04 Postcards From Beyond

Details

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Label: Out of Line Music
Vö-Termin: 13.03.2015
Spielzeit: 48:33 + 17:06

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde