Review

Rom – schönes Wetter, tolle Architektur und eine Kultur fernab unseres bürokratischen Deutschlands. Für viele nur ein Urlaubsziel, kommt hier auch eine der aktuellsten und modernsten Symphonic Death Metal Bands her, die man derzeit hören kann. Fleshgod Apocalypse sind seit ihrem Release von „Oracles“ nicht mehr wegzudenken. Damals lange als Geheimtipp geltend, wird es dieses Jahr mit dem Album „King“ richtig heiß für die Jungs.

War ihre extrem sinfonische Death Metal Ausrichtung in den Anfangstagen noch nicht so ausgeprägt, drängte sich das Thema seit „Agony“ (2011) immer weiter in den Vordergrund, bis es 2016 mit „King“ im Endstadium angekommen zu sein scheint. Mehr geht diesbezüglich einfach nicht. Und das liegt nicht nur an dem heroischen Klang, auch der Death Metal Anteil ist so heftig, dass allein beim Hören schon die Hände abfallen.
Doch haben wir es hier mit Reizüberflutung oder mit einem grandiosen Album zu tun?

„King“ ist ein Konzeptalbum. Die Band hat ein Faible für Konzeptalben, was gut ist, denn so können sich die Hörer dem gesamten Album hingeben und eine Art Reise in Audioform erleben. Natürlich ist so etwas nicht einfach zu kreieren, aber Fleshgod Apocalypse machen das nicht zum ersten Mal.
Der Inhalt der Platte „King“ erzählt von einer alten Welt, die sich selbst zerstört. Einzig der König steht noch für Gerechtigkeit und Weisheit, aber auch er kann sich kaum noch halten.

Das Intro „Marche Royale“ geht somit in eine kriegerische Richtung. Wir befinden uns auf dem Schlachtfeld – Doomsday! Die Truppen treffen aufeinander und die Marching Snare bereit die Hörer auf den Sturm vor.
Hier können Fleshgod Apocalypse wieder voll in puncto Stimmung abstauben. Ihre Arrangements sind gut durchdacht und lockern das harte Death Metal Gewand durch Streicher auf. Man ist quasi live dabei und hat Lust, das Album weiter anzuhören.

Wenn dann „In Aeternum“ erklingt, ist man schier geplättet von der Macht, die da über einen niederregnet. Da hätten wir das hämmernde Schlagzeug, die derben Growls und die unfassbare Soundgewalt. Das Schlagzeug klingt zwar nach vielen Eimern, dafür ballert es dermaßen, dass man nach dem ersten Song schon hinüber ist. Die orchestralen Einflüsse sind ebenfalls omnipräsent im Death Metal Wust aus Blastbeat, Doublebass und verzerrten Gitarren. Für den Einstieg bringt der Track alles mit, was man erwartet, nur wirkt er insgesamt ziemlich überladen. Einzig dem Refrain kann etwas abgewonnen werden, da dieser wirklich gut arrangiert daherkommt und der Gesang nach Leid und Emotion klingt.

„Healing Through War“ schlägt in die gleiche Kerbe und eigentlich kann man das über das gesamte Album behaupten. Fette und punshige Riffs liefern sich ein Rennen mit einem ganzen Orchester. In diesem Song wird das Gaspedal zwar nicht so durchgedrückt, dafür passiert einfach zu viel in zu kurzer Zeit.
Die Songs wirken hinzukommend auch etwas uninspiriert, obwohl das Material eigentlich gut geschrieben ist. Gefühlt wird im Death Metal nur Standardkost geliefert, um die Fans zu besänftigen und immer noch anders zu wirken. Das Solo bringt einen wieder etwas auf den Boden der Tatsachen zurück.

Im Allgemeinen wirkt „King“ einfach zu übertrieben. Im Gegensatz dazu wurde „Labyrinth“ beispielsweise noch etwas dezenter und mit mehr Bedacht umgesetzt. Ein Titel wie „Mitra“ hingegen haut den Hörern das Image der Band derart um die Ohren, dass gerne mal einen Song weiter geskippt wird.

Der Song „Paramour“ bildet dazu allerdings einen schönen Kontrast und gliedert sich dennoch gut in das Album ein. Klassischer Operngesang begleitet durch ein Klavier, dazu Gesang in deutscher Sprache – hier bildet sich für einen kurzen Moment Gänsehaut.

Fleshgod Apocalypse (Copyright: Fleshgod Apocalypse)

Fleshgod Apocalypse (Copyright: Fleshgod Apocalypse)

Wirklich respektabel ist die Leistung der Band aber allemal. Sie spielen schnell, denn die Geschwindigkeit bildet das Fundament, und trotzdem kontrolliert. Bei anderen Gruppen kommt bei diesem Vorgehen oft nur Soundmatsch heraus.

In „Gravity“ finden Fleshgod Apocalypse jedoch auch mal die Bremse und klingen somit eher nach langsamen Schweden Death mit einem Hauch Septicflesh. Warum ging es nicht verstärkt in diese Richtung? Das Walzende steht der Band viel besser als diese hyperspeed Parts. Die letzten Songs laufen genau in dieser Schiene und sind fantastisch. „Syphilis“ sprüht vor Kreativität. Hier verschmelzen beide Genres so perfekt miteinander, dass man sich davon ein ganzes Album wünscht.

Fleshgod Apocalypse sind eine Band mit vielen Ambitionen. „King“ bildet das wahrscheinlich heftigste und anstrengendste Werk ihrer Geschichte, für Band und Hörer. Die erste Hälfte ist lediglich Bombast und eher zu vernachlässigen. Seine Stärke spielt das Album in der zweiten Hälfte aus.
Fans können zugreifen, denn sie werden es lieben. Allen anderen empfehle ich erst die Vorgängerwerke zu betrachten und sich in die Musik der Band einzuhören, dann fällt auch „King“ viel leichter.

Video

Trackliste

01 Marche Royale
02 In Aeternum
03 Healing Through War
04 The Fool
05 Cold As Perfection
06 Mitra
07 Paramour (Die Leidenschaft Bringt Leiden)
08 And The Vulture Beholds
09 Gravity
10 A Million Deaths
11 Syphilis
12 King

Details

Fleshgod Apocalypse – Facebook
Fleshgod Apocalypse – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 05.02.2016
Spielzeit: 57:25

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
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