Review

Seien wir mal ehrlich: Nach 30 Jahren Bandgeschichte hat es eine Combo doch wirklich nicht einfach. Lässt sie alles so, wie es ist, wirft man ihr vor, sie sei nicht mehr innovativ und wild genug. Verändert sie zu viel, hat sie sich selbst verraten und früher war ja eh alles besser. Eine Balance zwischen diesen beiden Polen zu finden, ist definitiv keine einfache Aufgabe. Aber Fiddler’s Green haben dieses Wagnis dennoch gewagt und einen neuen Silberling mit Namen „HEYDAY“ herausgebracht.

Ein kleiner Überblick

Zunächst ein kleiner Überblick: Das Album zählt 15 Songs, davon alle in radiotauglichem Format von um die 3 Minuten. Hier wagt die Band also keine großen Experimente.

Auch das Line-up ist das bewährte – keine spannenden Gäste, keine neuen Mitglieder. Es bleibt bei der traditionellen Instrumenten-Kombi aus Gitarre, Flöte, Bass, Schlagzeug, Geige und Akkordeon.

Klingt bis hierher also noch nicht sonderlich innovativ. Doch abwarten. Denn Fiddler’s Green konnten bisher auf jeden Fall immer eins: Stimmung machen!

Die Songs

Und siehe da: Bereits der erste Song „The Freak of Enniskillen“ holt sowohl den geübten Hörer als auch den Novizen ab. Er ist typisch folkig mit Akkordeon, Fidel und Gitarre. Auffallend dabei: Der stampfende Rhythmus, der direkt mitreißt. Zusammen mit Albis leidenschaftlichem, angenehm kratzigem Gesang verbreitet der Song direkt gute Laune und macht Bock auf mehr.

Habe ich da „mehr“ gesagt? Kein Problem, denn Track 3 „No Anthem“ legt noch eine deutliche Schippe drauf. Hier leitet wieder der kehlige Gesang ein, gefolgt von einem sehr dominanten Schlagzeug. Mit seinem epischen Refrain sowie dem speziellen Geigen-Thema geht der Song direkt in Gehörgang, Nackenmuskulatur und Herz. Kein Wunder, dass dieses Protestlied (denn das ist es in der Tat) auch die erste Single-Auskopplung ist.

Doch damit noch immer nicht genug. Denn im Anschluss folgt „Limerick Style“, der das Tempo nochmals anzieht. Mit einem kernig-elektrischen Gitarrenintro startet der Song, unterstützt von einem abermals antreibenden Schlagzeug sowie den fast schon in Sprechgesang umkippenden Vocals. Hier spürt man starke Rock- und Punk-Vibes. Der Sound ist herrlich rotzig und wuchtig, doch immer wieder gelingt es auch dem Irish Folk an geeigneter Stelle durchzublitzen. So entsteht ein wirklich cooles Musik-Gewebe, das aus zwei Welten mit vollen Händen schöpft und den Hörer damit übergießt.

Aber das Album kann auch anders. So ist zum Beispiel „Born To Be A Rover“ zwar ebenfalls mit Schnelligkeit am Start, hat aber mit viel Akkordeon-Einsatz einen gewissen maritimen Shanty-Song-Charme.

Auch ein Instrumentalstück darf nicht fehlen. „The Congress Reel“ bedient alle Sehnsüchte und Vorstellungen, die man mit Folk-Musik verknüpfen könnte.

Einige ruhigere Momente finden sich zwischendurch ebenfalls. So kommt beispielsweise „Better You Say No“ sehr getragen und balladesk daher. Der Song handelt natürlich vom obligatorischen Thema: Frauen.

Und was fehlt noch nach Weib und Gesang? Genau! Wein! Mit „John Kanaka“ ist auch der klassische Trinksong am Start und macht mit abgespecktem Setting immer noch einfach nur Spaß.

Was bleibt also am Ende zu sagen?

Fiddler's Green (© Holger Fichtner)

Fiddler’s Green (© Holger Fichtner)

Fiddler’s Green haben ihr Genre ja schon immer als „Speedfolk“ bezeichnet. Auf „HEYDAY“ gehen sie den bereits mit den beiden zuvor erschienenen Erfolgsalben eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Die Songs sind noch eine Spur rockiger, punkiger und insgesamt wuchtiger geworden. Doch auch inhaltlich trauen sich die sechs Franken anzuecken bzw. klare Kante zu zeigen: Die Texte sind eindeutig gegen den momentan erkennbaren Rechtsruck im Land gerichtet, aber ohne einen tadelnden Zeigefinger zu heben. Ihrer Meinung nach ist es die ureigene Eigenschaft des Irish Folks Protest zu sein. Und dieser Tradition folgen die Jungs.

Fazit

Somit kann also festgestellt werden: Auch nach 30 Jahren Bandgeschichte wissen die Speedfolker aus Erlangen noch neue Kniffe in ihre Musik zu bringen, aber auch Altbewährtes weiter auszufeilen. „HEYDAY“ ist ein gelungener Balanceakt, der übrigens sicher auch im Sommer zur Festival-Saison garantiert beim Publikum abräumen kann.

Anspieltipps
No Anthem | Limerick Style | John Kanaka | Steady Flow

Video

Tracklist

01 Prelude
02 The Freak Of Enniskillen
03 No Anthem
04 Limerick Style
05 Farewell
06 Born To Be A Rover
07 The Congress Reel
08 Sláinte
09 Better You Say No
10 Cheer Up
11 One Fine Day
12 John Kanaka
13 Heyday
14 Steady Flow
15 Together As One

Details

Fiddler’s Green – Homepage | Fiddler’s Green – Facebook | Fiddler’s Green – Twitter

Label: Deaf Shepherd / Indigo
VÖ-Termin: 08.03.2019
Spielzeit: 46:36

Copyright Cover: Deaf Shepherd



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.