Review

Während andere Bands und Künstler bereits ihre Auflösung oder das zweite Comeback versuchen, stehen Fiddler’s Green seit Gründung im Jahre 1990 nach wie vor hoch motiviert und gut gelaunt auf der Bühne. Es scheint fast, als wären die sechs Erlanger unverwüstlich wie erfolgreich – und das nun seit 25 Jahren. Ein guter Grund einmal einen Blick zurückzuwerfen, was die Folk-Rock-Band mit „25 Blarney Roses“ erstmalig tut.

Aus insgesamt 17 Alben galt es, die musikalischen Schmankerl herauszusuchen. Gar nicht so einfach, denn mit ihrer Mischung aus Irish Folk, Rock, Ska und Reggae – liebevoll auch Speedfolk genannt – feierten Fiddler’s Green sowohl innerhalb von Deutschland als auch im Ausland große Erfolge. Insbesondere live stellen die Herren eine unhaltbare Energie dar, die auch den muffeligsten Zuhörer in Ekstase zu versetzen weiß.

Dies beginnt schon beim ersten Track des Albums „Take Me Back“ – einer der beiden exklusiven neuen Songs. Der Name ist Programm und bringt bereits konzentriert die fetzige Stimmung und die typischen Fiddler’s Elemente aufs Tableau: guter, ehrlicher Irish Folk Rock, der Laune macht!
Das Best of heißt also garantiert nicht, dass die Sechs nicht mehr können, sondern wirklich nur kurz innehalten und ihren Fans danken möchten. Darum schließt sich auch der etwas ruhigere Song „Rocky Road To Dublin“ direkt an und stellt schon das nächste Geschenk dar, gab es diesen traditioneller anmutenden Song mit Flöte, Geige und klassischem Trommelrhythmus bisher doch nur auf dem ersten Album „Fiddler’s Green“ (1992) als Live-Aufnahme zu hören.

Musikalisch einen perfekten Übergang stellt das sich anschließende „Victor And His Demons“ dar, welches jedoch aus dem Jahre 2011 stammt. Hier zeigt sich, wie sehr die Musik noch immer wie aus einem Guss daherkommt – und sofort zum Tanzen und Mitsingen animiert.

Vom gleichen Album („Walk Of Folk“) stammt der nächste Song „Yindy“, welcher jedoch nur auf der Deluxe-Edition zu finden ist und somit für die Fans einen weiteren Leckerbissen darstellt. Mit seinen fast schon orientalischen Zügen lohnt er sich definitiv und zeigt wieder eine andere musikalische Seite der Band – die aber genauso gute Stimmung verbreitet.

Zwischen den schnellen Gute-Laune-Stücken finden sich aber auch immer wieder kleine Ruhepole: So bietet „Long Gone“ (2007, „Drive Me Mad“) eine wohl angebrachte Pause auf dem Compilation-Album, in der geschwelgt und geträumt werden darf. Danach drehen die Speedfolker aber wieder kraftvoll auf: Mit „We Don’t Care“ entführen sie den Hörer ins Reggae-Metier, machen dann eine Nacht Halt in Dublin („A Night In Dublin“, 2013, „Winners And Boozers“) für eine ordentliche Party, um danach mit „Never Hide“ fast schon militärische Klänge mit Trommelwirbel und anfeuernden Gesang anzustimmen.

Das ursprünglich 2007 erschienene Lied „Another Spring Song“ durfte auf diesem Best of auch nicht fehlen. Fast melancholisch und weich zeigen die sonst so fröhlichen Musiker hier auch eine etwas ernsthaftere und nachdenkliche Seite.

Fiddler's Green (Copyright: Carsten Bunnemann)

Fiddler’s Green (Copyright: Carsten Bunnemann)

Dass sich direkt daran „The Night Pat Murphy Died“ anschließt, ist schon fast ein brutales Aufschrecken aus der Trance von kurz zuvor – doch Fiddler’s Green sind und bleiben eben doch meistens fröhlich und beschwingt. Und das zeigen die Jungs im Finale der Platte eindrucksvoll: Denn wir wissen ja, „A Bottle A Day“ keeps the doctor away, damit wir alle bei „Bugger Off“ inbrünstig das „Fuck You!“ mitbrüllen können.

Schließlich verabschieden sie sich von ihren Fans, wie sie die Rückschau auch begonnen haben: Mit zwei neuen Tracks, auf die sich das Warten gelohnt hat. Denn sowohl der nagelneue Track „Burning The Night“ als auch das neu aufgenommene „Blarney Roses“ kommen episch mit Melodie und Chorgesang daher und bilden auch musikalisch mit Fidel und Flöte einen runden Ausklang aus dem Album.

„25 Blarney Roses“ ist ein fröhlicher Spaziergang durch die Diskografie der Band. Und auch wenn es nur Songs nach 2007 auf diese Platte geschafft haben, so ist dennoch für alle Fans etwas dabei. Die der ersten Stunde können sich nostalgisch an so manch durchfeierte Nacht erinnern, während die jüngst Dazugestoßenen eindrucksvoll vor Ohren geführt bekommen, was Fiddler’s Green ausmacht: Gute Laune, fernab von musikalischen Grenzen und Regeln, dafür aber immer mit ganz viel Herzblut. Also hebt die Krüge und stoßt zusammen an – damit es irgendwann ein Album mit 50 Blarney Roses geben wird!

Video

Tracklist

01 Take Me Back
02 Rocky Road To Dublin
03 Victor And His Demons
04 Yindy
05 Old Dun Cow
06 Folk’s Not Dead
07 Long Gone
08 We Don’t Care
09 Greens And Fellows
10 A Night In Dublin
11 Never Hide
12 Another Spring Song
13 The Night Pat Murphy Died
14 A Bottle A Day
15 Bugger Off
16 Burning The Night
17 Blarney Roses

Details

Fiddler’s Green – Homepage
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Fiddler’s Green – Twitter

Label: Deaf Shepherd Recordings
Vö-Termin: 13.02.2015
Spielzeit: 59:46

Copyright Cover: Deaf Shepherd Recordings



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.