Review

Eine weitere Band hat es geschafft, ihr Debüt an den Start zu bringen. Gelungen ist dies Feral Kizzy aus dem sonnigen Kalifornien. Mit „Slick Little Girls“ trifft hartnäckiger Rock auf düstere Pop-Allüren sowie ein bisschen Selbst-Euphorie. Weiterhin zeigt sich die Band nach ihrer EP nun von einer weitaus erwachseneren Seite, was sich auch deutlich im Sound wiederfindet.

Ganz auf ihre Musik fixiert, sorgen Feral Kizzy für mehr Eingängigkeit. Der Aufbau der Titel ist immer logisch und spielt sich ganz locker runter. Recht unspektakulär beginnt es mit den ersten beiden Songs „Lapdog Apparition“ und „Community Service“. Harte Akkordarbeit mit poppigen Refrains. Die Riffs gestalten sich sehr einseitig, aber zugänglich. Geradlinige Basslinien und gedämpfte Saiten lassen die Titel nicht zu aufbrausend wirken.

Doch dann, mit einem kaum hörbaren „Klick“, legt sich der Schalter auf „Slick Little Girl“ urplötzlich um. Die Energie sprüht nur so am Ende von „The Way We Are“ über und soll ab diesem Zeitpunkt auch erst mal nicht mehr vergehen. Feral Kizzy wandeln ihren grungigen Rocksound in emotionale Klänge um. Die Instrumente spielen sich deutlich weicher, während stetig auf einen Höhepunkt hingearbeitet wird.

Das beste Beispiel, um Feral Kizzys Stil zu verdeutlichen, ist „Lament“. Dieser Titel gliedert sich in drei Teile auf. Zunächst langsamer und deutlich atmosphärischer. Überleitend in einen rhythmischen Dancefloorbeat mit anschließender schneller Rockpassage, die alles zum Abschluss bringt. Dabei passiert in den jeweiligen Parts eigentlich nicht viel. Die Drums geben groovig den Takt an, während die Riffs aus Bending oder Powerchords bestehen und den Hörer zu jeder Zeit ansprechen. Über allem liegt der klassische Keyboard-Sound für das kitschige Old-School-Gefühl. „Lament“ geht über fünf Minuten, aber fühlt sich nicht annähernd so lang an.

Feral Kizzy (Copyright: Feral Kizzy)

Feral Kizzy (Copyright: Feral Kizzy)

Apropos Keyboard-Sound. Natürlich ist auch das obligatorische Piano vertreten, wie zu hören auf „Not My Mind“ oder „What Are You Doing?“. Wirklich spannend wird es allerdings erst, wenn auf die Orgel umgeschaltet wird. Diese sorgt unter anderem in „The Dinosaur“ wieder einmal für den Vintage-Stil. Erinnert irgendwie an einen durchgedrehten Song à la Arthur Brown.

Für „Sally And The Emcee“ haben sich Feral Kizzy von ihrer Verspieltheit abgewandt und sich wirklich stark zusammengerissen. Der Track bietet von den zehn Songs am meisten Gefühl mit Streichinstrumenten und einem durchgehend gemuteten Riff, das sich bis zum Schluss weiter steigert. Und auch der Gesang der Frontfrau klingt deutlich gefasster, wodurch eine gewisse Seriosität gewahrt wird. Dabei tritt die weibliche Stimme doch überwiegend selbstbewusst in den Vordergrund. Ein wirklich starkes Organ, das sich stellenweise gar nicht bändigen will, sorgt an den passenden Stellen für das Feeling, das im Rock- oder Punkbereich benötigt wird.

„Slick Little Girl“ braucht seine Zeit, bevor die Band wirklich aus sich rauskommen kann. Während man mit den ersten Songs noch im Standardbereich rumdümpelt, wird man als Hörer von den restlichen Geschehnissen vollkommen überrascht. Feral Kizzys Sound ist gleichermaßen rockig wie er einen düsteren, catchigen Pop rüberbringen kann. Bis zum Ende hin konzentriert sich die Band ausschließlich auf das Arrangement ihrer einzelnen Titel. Dabei rumgekommen ist eine bunte Überraschungstüte, die immer noch den eigenen Charakter Feral Kizzys hervorstechen lässt.

Video

Trackliste

01 Lapdog Apparition
02 Community Service
03 The Way We Are
04 Sally And The Emcee
05 Lament
06 Life Associates
07 Not My Mind
08 The Dinosaur
09 The Skin Is Thick
10 What Are Your Doing?

Details

Feral Kizzy – Homepage
Feral Kizzy – Facebook

Label: eliterecords
Vö-Termin: 26.06.2015
Spielzeit: 42:24

Copyright Cover: eliterecords



Über den Autor

Christopher