Review

Faun entführen die Hörer mit ihrem aktuellen Album „Märchen & Mythen“ in eine Welt voller heimischer Geschichten und magischer Momente. Dabei spannt das Konzeptalbum den Bogen zwischen Traum und Wirklichkeit, wie auch folgende Presseinfo verrät:

Faun weben uns ein musikalisches Kunstwerk in dem – wie meist in Märchen – die Traumwelt und Realität immer wieder spielend miteinander verbunden sind. Die Natur ist dabei lebendig und beseelt. Wer sich mit dem Pagan-Folk – der von Faun erfunden wurde – auseinandersetzt, erkennt sofort das Leitmotiv der mythischen Naturverbundenheit, das sich zu jeder Zeit in der Musik und den Texten der Gruppe wiederfindet. Dass dies gerade in Zeiten der exzessiven und ökonomisch motivierten Ausbeutung und Zerstörung der Natur und der resultierenden Klimakrise eine durchaus politische Dimension besitzt, sei hier nur am Rande erwähnt.

Neben Märchen, Mythen und aktuellen Bezügen finden zudem Gastmusiker – in Form von Versengold-Mitgliedern – ihren Platz auf dem Werk, das insgesamt zwölf Songs umfasst.

Die Songs

Märchentypisch und damit in sich stimmig beginnt das Album mit dem Track „Es war einmal…“. Ein Erzähler führt die Hörer mit tiefer und beruhigender Stimme in die Welt der „Märchen & Mythen“ ein. Untermalt wird dies von Vogelgezwitscher und tiefen, kaum hörbaren Streicher-Tönen. Die Instrumentierung baut sich im Laufe des Tracks  zwar weiter auf, hält sich jedoch insgesamt bis zum Schluss dezent zurück, um dem Erzähler mehr Raum zu geben.

Mittelalterliche Klänge und mehrstimmiger Gesang leiten den anschließenden Track „Rosenrot“ ein. Die Geschichte wird spielerisch und leichtfüßig erzählt. Sowohl Tempo als auch Instrumentierung laden entsprechend zum Tanzen ein. Zusätzlich bekommen die einzelnen Instrumente immer wieder ihre eigenen kleinen Soloparts.

Im Refrain zu „Seemann“ stehen die Trommeln und Flöten stark im Vordergrund. Durch die loopartige Melodie wird diese schnell eingängig; durch den Einsatz von einstimmigem und mehrstimmigem Gesang wird der Song abwechslungsreich.

Nach dem mystisch inszenierten Lied „Hagazussa“ folgt die Geschichte der „Sieben Raben“. Das anfangs zu hörende Rabengeschrei und eine zarte Frauenstimme bauen Atmosphäre auf. Der Song bleibt anschließend relativ langsam, während sich gesanglich Männer- und Frauenstimme dialogartig und harmonisch abwechseln.

Die Single „Aschenbrödel“ mag vielen melodisch bekannt sein, stammt diese doch vom berühmten tschechischen Filmkomponisten Karel Svoboda, der sie für den weihnachtlichen Kultfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geschrieben hat. Faun verwandeln sie hier gelungen in ihre eigene Folk-Version.

Sehr ruhig und mit mehrstimmigem Gesang vertont wird dann die Geschichte „Die weisse Dame“ erzählt. Die Instrumentierung wirkt sehr minimalistisch und schwebend.

Faun (Copyright: Rekii Fotografie)

In „Jorinde“ empfinden die Instrumente die Traurigkeit und den Schmerz der Erzählung nach. So hat man den Eindruck, dass die Streicher sehr wehmütig ihre Klänge präsentieren.

Auch der Text von „Spieglein, Spieglein“ wird liebevoll mit Folk-Instrumenten vertont. Die Instrumentierung changiert zwischen forschen (Männer-Parts) und sanften (Frauen-Parts) Phasen.

In „Drei Wanderer“ haben dann Malte und Florian von Versengold ihren Auftritt und sogleich sticht auch die Stimme von Malte Hoyer in diesem Song deutlich heraus. Während inhaltlich der Tod naht, spielen die Instrumente fröhlich und fast schon hämisch ihre Melodie.

Mit „Holla“ schließt sich der mit über sechs Minuten Laufzeit längste Titel des Albums an. Sowohl der Gesang als auch die Instrumentierung fallen sehr lieblich aus und leiten gelungen zum Abschlusssong „The Lily“ über. Jener wird mit Flöten und Vogelgezwitscher eingeleitet und stellt den einzigen Songs auf dem Werk dar, der in englischer Sprache vorgetragen wird.

Fazit

Faun ist es gelungen, altbekannte Märchen und Geschichten in ein neues Gewand zu packen. Vor allem die teilweise ungewöhnliche und Faun-typische Instrumentierung macht das Werk abwechslungsreich.
Eignet sich ein Titel wie „Rosenrot“ noch hervorragend zum Tanzen, fehlt es dem Werk jedoch insgesamt an einer Art Hit, der die Hörer sofort mitreißt. Mitreißend ist dafür jedoch die Atmosphäre, die die Songs aufweisen.

 

Video

Tracklist

01 Es war einmal…
02 Rosenrot
03 Seemann
04 Hagazussa
05 Sieben Raben
06 Aschenbrödel
07 Die weisse Dame
08 Jorinde
09 Spieglein, Spieglein
10 Drei Wanderer (feat. Versengold)
11 Holla
12 The Lily

Details

Faun – Homepage | Faun – Facebook | Faun – Twitter

Label: Universal Music
VÖ-Termin: 15.11.2019
Spielzeit: 51:25

Cover: Universal Music



Über den Autor

Selina
Selina
Carpe Noctem