Review

Vorzeige-Punks Fatzke knüpfen dieses Jahr mit „Auf ein Wort“ an ihr vorheriges Album „Einmal Leben und Zurück“ an. Der Sound wird vollmundiger, die Saiten konzentrierter und die Drums verspielter, während sich das Quartett an die Elemente des Punkrocks hält.

Erstaunlicherweise gestaltet sich das Songwriting nicht allzu einseitig und die Jungs präsentieren sowohl energetische als auch entschleunigte Parts. Schiebt man dann noch ein paar „Oooh“s oder „Dada Da Da“s passend zur Melodie hinzu, ist ein Mitsingen leider unvermeidlich.

Dennoch wird Fans der Band direkt auffallen, dass sich Fatzke weniger abwechslungsreich geben als noch auf der Vorgängerplatte. Dort schreckte die Band nicht einmal vor Trompeten-Sounds zurück. Die erste Hälfte von „Auf ein Wort“ gestaltet sich daher eingängig, aber wenig überraschend. Erst „Stillstand“ bringt dynamisches Riffing mit sich, um der Platte diesbezüglich eine neue Richtung zu geben. Im Anschluss daran spaltet „Im nächsten Leben“ angenehm das punkige Konzept, während es von „Nicht alles Gold was glänzt“ wieder zurückgeholt wird.

Apropos Punk: Es ist ja nicht so, dass man in diesem Genre eine gesangliche Glanzleistung hinlegen muss, aber man kann wohl etwas mehr als ein dünnes Organ erwarten, welches so gar nicht seine Texte in die Musik pumpt. Dies betreffend ist noch eine Menge ungenutztes Potenzial vorhanden, denn der Klang der Stimme wirkt an sich sehr markant und auch auf „Einmal Leben und Zurück“ klappte das noch einwandfrei. Dort kamen die Energie und die rotzige Art auf, die „Auf ein Wort“ generell fehlen.

Fatzke (Copyright: Fatzke)

Fatzke (Copyright: Fatzke)

Bezüglich der lyrischen Seite des Albums werden sich die Gemüter wohl scheiden. Es ist keinesfalls so, dass Fatzke hier etwas Bahnbrechendes veröffentlichen, vor allem was die gesellschaftskritischen Texte angeht. Dazu gehört der oberflächliche Song „Funktionieren“, von dessen Art es schon genügend gab (wobei aber der Einsatz der Mundharmonika hier passend erscheint). Keiner muss mehr daran erinnern, dass wir in der heutigen Gesellschaft mehr oder weniger nur noch eine Zahl sind. Fatzke gefallen daher mehr, wenn sie sich viel persönlicher geben (wie in „13 Quadratmeter Glück“), denn dann wirken sie wirklich authentisch.

Nichtsdestotrotz kann man „Auf ein Wort“ genießen, zumal die Jungs ein hörbar eingespieltes Team bilden. Dazu kommt die Eigenart des Sounds, den Hörer locker lässig mitzunehmen. Auch musikalisch öffnet man sich viel mehr, als es zunächst den Anschein macht. „Auf ein Wort“ ist somit ein roher Diamant, den man insbesondere wegen seiner Unvollkommenheit schätzen kann.

Video

Trackliste

01 13 Quadratmeter Glück
02 42″
03 Bis ans Ende deiner Tage
04 Funktionieren
05 Wie ich bin
06 Stillstand
07 Im nächsten Leben
08 Nicht alles Gold was glänzt
09 Hauptsache Euch geht’s gut
10 Doch gesehen

Details

Fatzke – Homepage
Fatzke – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 17.06.2016
Spielzeit: 40:33

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher