Review

Die Klänge aus dem letzten Jahr sind noch nicht verhallt und so greifen wir heute mal etwas verspätet auf das Album „I Am An Island“ zurück. Aber besser spät als nie, zudem hat es sich auch noch, wie an der Bewertung zu sehen, gelohnt. Die Schotten Fatherson erzeugen einen Alternative Sound, der mit einem von der Heimat beeinflussten Indie abgerundet wurde.

Eins vorweg. „I Am An Island“ erfordert ein wenig Geduld vom Hörer, daher ist es keine Platte, die man mal eben so in die Anlage wirft. Nimmt man sich allerdings die Zeit dazu, wird man bemerken, dass es von Durchgang zu Durchgang immer besser wird. Auch bei uns hat das Album im Verlauf immer wieder einen weiteren Stern gewonnen.

Um sich von der Qualität der vier Buben zu überzeugen, bietet sich als Einstieg das unten eingefügte Musikvideo zu „I Like Not Knowing“ an. Explodierende Distortion wird von cleanen Gitarren abgelöst, während die Trommelfelle von einer soliden schottischen Stimme massiert werden. Etwas, das diesen Song so besonders macht, ist die steigernde Bridge zu einem Refrain, der nicht wiederholt wird. Dadurch weiß man Fathersons Sound noch um ein weiteres mehr zu schätzen. Besonders die „Oh no!“-Passage in verschiedenen Gesangslagen über pulsierendem Schlagzeug ist hierbei äußerst hörenswert.

Fatherson (Copyright: Fatherson)

Fatherson (Copyright: Fatherson)

Bevor wir uns aber in einem Song verlieren, werfen wir einen Blick bzw. ein Ohr auf den Rest von „I Am An Island“. Und auch hier gilt es, den Songs genug Zeit zu geben, ihr ganzes Potenzial zu entfalten.

Der Wechsel zwischen Verzerrung und sauberem Gitarrenspiel wird hier oft eingesetzt, genauso wie das Setzen und Fallenlassen von Höhepunkten. So krachen Schlagzeug, Bass und Gitarren in „Half The Things“ für einen kurzen Moment aufeinander, um sich dann wieder in langsamen Rhythmen zu verlieren. Danach gibt es abermals einen typischen Indie-Akkord-Chorus.

Lyrisch lassen Fatherson viel Spielraum für Interpretationen. Die Texte werden einem in Fetzen hingeworfen und es liegt am Hörer selbst, diese richtig zusammenzusetzen. Hat man für sich selbst aber die Bedeutung gefunden, können die elf Titel auch durchaus tröstend wirken.

„I Am An Island“ fährt verschiedenste Riffs und Rhythmen auf, folgt aber gleichzeitig einem Prinzip. Die Jungs leben einfach auf ihrer eigenen kleinen Insel und setzen sich dadurch selbst die Grenzen, die nicht überschritten werden. Es ist zeitweise wirklich anspruchsvoll, all die kleinen versteckten Dinge in Songs wie „Hometown“ oder „Mine For Me“ zu finden, daher gilt es, die Lauscher aufzusperren, um ja nichts zu verpassen.

Die Intention dieses Albums ist definitiv der komplexe Ausdruck von Emotionen und nicht etwa ein rockiges Kopf-aus-und-ab-durch-die-Wand-Prinzip. Es hat durchaus seine Highlights, leider fällt es einem als Hörer schwer, diese einzuordnen. „I Am An Island“ ist wie ein Hobby, an das man sich erst rantasten und die Basics begreifen muss, um es danach lieben zu können.

Auch wenn es mehrere Anläufe benötigt, steht dies niemals dem Hörgenuss im Weg. Saubere Produktion und gute Musiker sorgen dafür. Schottischer Indie hebt sich definitiv von dem ab, was deutsche Indie-Ohren gewöhnt sind. Was auf keinen Fall schlecht sein soll, denn Fatherson bringen mit „I Am An Island“ ihre Kreationen super rüber.

Video

Trackliste

01 An Island

02 Hometown
03 I Like Not Knowing
04 Cat Stevens
05 Lights
06 Mine For Me
07 Half The Things
08 Dust
09 James
10 Kiteers
11 Foreign Waters

Details

Fatherson – Homepage
Fatherson – Facebook

Label: A Modern Way
Vö-Termin: 07.04.2014
Spielzeit: 44:28

Copyright Cover: A Modern Way



Über den Autor

Christopher