Review

Dieser Moment, in dem man sich ein Cover genau ansieht und nach einem online Übersetzer merkt, dass sich dahinter ein makaberer Witz versteckt. Die amerikanische Hardcore/Noise Truppe mit dem mehr oder weniger passenden Bandnamen Fashion Week schmücken ihre Platte mit einem abgebildeten Leichensack. Titel: „Prêt-à-porter“, was französisch übersetzt so viel heißt wie „bereit zum Tragen“. Den Zusammenhang muss ich euch ja wohl nicht erklären. Nicht gerade eine Meisterleistung, aber ein Schmunzeln ist drin.

Aber wir sind ja hier nicht bei einer geschmacklosen Comedypreisverleihung, sondern hier geht es um Musik. Um laute und aggressive Musik. Bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Bässe, Rumgeschreie und geschundene Saiten, die man danach entsorgen kann. „Prêt-à-porter“ klingt dem Genre entsprechend, wie frisch in den Proberaum rein und direkt dort aufgenommen.

So fährt die Einleitung „Fendi Bender“ und „Chorusace“ direkt wie ein Zug über die Trommelfelle und beschallt den Hörer mit unharmonischen, schreienden Riffs.
Auch „Meek Is Miznabble“ folgt diesem Prinzip, wenn auch mit ein paar richtig groovigen Hardcore-Passagen.
Bis zu diesem Zeitpunkt bieten Fashion Week nichts wirklich Neues, es ist halt Krach für die Fans. Drei Sterne, „geht so“, nächste Scheibe. Wenn das Album ab da schon aufhören würde.

Ab „Summer Line“ wird es nämlich unerwartet interessanter. Nach den anfänglichen Tonabfolgen entgegen jedem realistischen Hörvergnügen wird es ruhig um den Titel. Nun fällt auch der nasale Klargesang auf, der auf „Prêt-à-porter“ jetzt immer weiter in den Vordergrund rückt. Sogar das Gebrüll kommt danach direkt viel gefühlvoller rüber.

Fashion Week zeigen dann mit „Fur Free Friday“ und „Klosstrophobia“, dass sie durchaus mehr aus ihrem Sound machen können, als nur stumpfe Brutalität. In erstgenanntem Titel bekommt man eine Menge variationsreicher Riffs, über einem Ohrwurm-Chorus, zu hören. Unweigerlich musste ich an The Dillinger Esacpe Plans Platte „Option Paralysis“ denken, auf der die Jungs aus New Jersey u.a. auch einen schmalen Pfad zwischen unnachgiebigem Metal und Radiosongs beschritten haben. Gerade „Klosstrophobia“ erinnert ein wenig an den Titel „Widower“ von „Option Paralysis“. Pianoklänge über einer Geräuschkulisse aus Schlagzeug und Saiteninstrumenten und klarem Gesang mit Übergang zum Geschrei.

Fashion Week (Copyright: Fashion Week)

Fashion Week (Copyright: Fashion Week)

Nach dieser abwechslungsreichen Erfahrung wird es wieder etwas nervig mit dem wohl uneinprägsamsten Titel der Welt: „“Fashion“=~S/(\$)/Collapse/GSO;“. Darauf zu hören, eine Mischung aus verschiedenen Samples. Eine, ich schätze mal, amerikanische YouTube-Video-Bloggerin brabbelt über materialistisches Zeug, gleichzeitig gibt es Auszüge aus einer Art Doku oder Nachrichtensendung. Leider nicht mehr als eine unnötige Unterbrechung.

Die Bewertung von „Prêt-à-porter“ ist wirklich keine einfache Sache. Besonders wenn der letzte Titel „Haute Topic“ wieder enorm überzeugt. Der Anfang der Platte ist zwar ganz nett anzuhören, aber wird von den folgenden Titeln wieder komplett ausgehebelt. Kann man dafür vier Sterne vergeben? Auf der einen Seite überzeugt das Album dann nicht wirklich als Ganzes. Aber auf der anderen Seite überrascht dieser Umschwung von Standard auf Kreativität doch um einiges.

Und auch wenn die ersten drei Titel nicht so der Knaller sind, steckt doch eine Menge Energie dahinter. Dafür bekommt man dann den Rest der Platte über nur klasse Songs, also ist die Bezeichnung „großartig“ für „Prêt-à-porter“ durchaus berechtigt.

Video

Trackliste

01 Fendi Bender
02 Chorusace
03 Meek Is Miznabble
04 Summer Line
05 Fur Free Friday
06 Klosstrophobia
07 „Fashion“=~S/(\$)/Collapse/GSO;
08 Haute Topic

Details

Fasion Week – Facebook

Label: Solar Flare Records
Vö-Termin: 23.02.2015
Spielzeit: 29:39

Copyright Cover: Solar Flare Records



Über den Autor

Christopher