Review

Seit ihrem vorletzten Release „The Flesh Prevails“ sind Fallujah in der Technical Death Metal Szene angekommen und verpassten ihr mit sphärischen Entgleisungen in den Weltraum frischen Wind. Das Brachiale des Technical Death Metal und die derben Grooves machten den Mix komplett. Nun geht die Reise auf „Dreamless“ weiter und mit Nuclear Blast hat die Band einen kompetenten Partner an ihrer Seite.

„Face Of Death“ ist als Anfangstrack sogleich eine harte Nummer, nicht nur namentlich. Der Song an sich schießt die Hörer direkt auf den Mond oder in die Milchstraße. Effektmäßig passiert hier so viel, wie in einem Dream Theater Song, wenn Jordan Rudess mal wieder richtig Lust hat. Nach dem introartigen Einstieg legen die Jungs ihre Death Metal Walze nach. Die Nummer ist kein Highlight, sie geht aber gut ins Ohr. Einziges Manko – und das könnte man schon fast als Spoiler ahnden: Die sphärischen Gitarrenläufe, für die die Band bekannt ist, werden wie eine Doublebass verwendet; soll heißen: in Massen. War es damals noch das Aushängeschild, geht es heute nicht mehr ohne und das macht des Öfteren die Songs kaputt, da der Hörer sie nicht mehr nachvollziehen kann.

Vergleicht man dazu den Track „Adrenaline“, so hört man, wie es funktionieren kann. Anfangs bricht das volle Tech-Death Gewitter herein, um dann wieder vollkommen auszudriften. Das klingt gut, dadurch zwingt die Platte die Hörer aber gleichzeitig zum mehrmaligen Durchhören. Auf dem Vorgänger war dies noch nicht so extrem ausgeprägt.

Die Band liebt es einfach, Effekte zu nutzen; so versteift man sich nicht nur auf Distortion und vielleicht mal einen Cleanpart. Ein dezenterer Einsatz würde allerdings etwas mehr Durchblick verschaffen. In „The Void Alone“ klappt das gerade deshalb gut, da das Hauptriff perfekt geschrieben ist und daher wunderbar rollt. In diesem Song kommen zudem weibliche Stimmen zum Einsatz, die dem Spacesound das gewisse Etwas verleihen. Das Ganze erinnert beim ersten Hören an Deadlock.

Mit Titeltrack „Dreamless“ hätte man theoretisch einen richtigen Brecher erwartet. Stattdessen handelt es sich dabei „nur“ um ein Instrumentalstück, das leider nicht richtig aus sich herausgeht, dafür aber zeigt, welche Ambitionen die Band hat. Hier wird mit Pop, Rock, Metal, Indie und Jazz jongliert. Ein netter Track, aber wo bleibt der Death Metal?

Genug Technik hatten wir jetzt, mit „Amber Gaze“ kommt endlich der erwartete Death Metal Hammer, allerdings etwas altersschwach, denn gerade zu Beginn fehlt die Durchschlagskraft. Nach kurzer Zeit folgen aber gute Grooves und viel Spielerei, die gekonnt eingesetzt werden. Die Growls sitzen und die Drums blasten sich lässig durch den Track. Auch die Solo-Einlage passt perfekt zum Song und leitet den Übergroove ein. In diesem Zusammenhang findet sich der Hörer zudem im Lager der Sägeblätter wieder. Wirklich einer der besten Tracks, den man auf „Dreamless“ hören kann. Danach flaut das Album jedoch massiv ab und erinnert eher an eine Remix-Platte mit vielen Electro-Einflüssen.

Fallujah (Copyright: Tamlyn Koga)

Fallujah (Copyright: Tamlyn Koga)

In puncto Sound finden wir modernen Death Metal Klang mit teilweise brachialen Soundwänden vor. Es muss krachen und heftig klingen – und das tut es.

Allen voran steht aber das Können der Bandmitglieder: technisch perfekt bilden sie eine gut eingespielte Einheit.
Drummer Andrew beweist seinen Flow im Death Metal und in den Zwischenspielen mit Toms- und Beckenarbeit, einfach grandios. Einzig die teilweise statischen Wechsel fallen negativ auf, denn jene wirken sehr konstruiert.
Leider geht Bassist Robert etwas unter, dabei ist auch er ein famoser Saitenzupfer.
Frontmann Alex lässt hingegen immer wieder an Whitechapel bzw. an ihren Sänger Phil Bozeman denken. Ähnlich kraftvoll und ausdrucksstark dominiert er die Songs.

Ambitioniert sind die Jungs, das muss man ihnen lassen. „Dreamless“ ist einfach ein Werk, das seinesgleichen sucht. Extrem schwer zugänglich und gewiss kein Spaß beim ersten Hören, doch hat man die Scheibe einige Male durchlaufen lassen, öffnet und entfaltet sie sich so langsam. Dennoch wirken manche Tracks zu sehr in eine stilistische Ecke gedrückt und hätten dem Album auch gerne fernbleiben können. Der Vorgänger hat das Konzept sinnvoller vereint und es hat mehr Freude bereitet, dieses zu hören. Nichtsdestotrotz muss man das Können der Band noch einmal erwähnen. Hier ist so viel Raum für vieles, dass wir bestimmt noch eine Menge von Fallujah erwarten können.

Video

Trackliste

01 Face Of Death
02 Adrenaline
03 The Void Alone
04 Abandon
05 Scar Queen
06 Dreamless
07 The Prodigal Son
08 Amber Gaze
09 Fidelio
10 Wind For Wings
11 Les Silences
12 Lacuna

Details

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Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 29.04.2016
Spielzeit: 55:38

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus