Review

Geballte fünfköpfige Frauenpower und ein Mann als Hahn im Korb, der für die Synths der Band Fairy zuständig ist, so setzt sich das Line-up der NorwegerInnen zusammen, die auf der Veröffentlichung „Vinterverv“ ihre Spielweise des Melodic Metal zum Besten geben.

Dabei werden die elf Songs vor allem jenen Hörern gefallen, welche die älteren The Gathering-Scheiben (u.a. „Nighttime Birds“) und Theatre of Tragedy-Platten (hier allen voran „Aégis“) mögen, denn ähnlich dicht und atmosphärisch geben sich auch Fairy auf ihrem zweiten Album.

Die Stimmung versucht man sowohl in englischer als auch norwegischer Sprache auszudrücken; beide Sprachvarianten überzeugen, während insbesondere das Norwegische den oftmals melancholischen, aber mehr als melodischen Tracks gutsteht.

Obwohl Fairy hin und wieder progressive Strukturen in ihren Songs erkennen lassen (beispielsweise im instrumentalen Zwischenspiel von „Jeg Kaller Henne Høst“), bleiben die Titel stets sehr zugänglich und oftmals sogar im Ohr des Hörers für lange Zeit hängen. Diesbezüglich ist der Track „Renaissance“ ein absolutes Highlight und Anspieltipp zugleich. Steht hier zunächst der Gesang von Therese Tofting im Vordergrund und wird nur von einer sehr dezenten Instrumentierung, bestehend aus leichtem Drumming, dumpfem Bass und unaufdringlichen Gitarren, begleitet, setzen im Refrain die härteren Riffs ein. Generell wird die gesamte musikalische Aktivität schließlich eindringlicher und bildet damit einen schönen Kontrast zur hohen, feinen und doch intensiven Stimme im Chorus.

Fairy (Copyright: Fairy / Roy Bjørge)

Fairy (Copyright: Fairy / Roy Bjørge)

Eine gewisse Epik bringt der Song „Eufori“ mit sich. Gesanglich durch Background Vocals von Doro Korsvold unterstützt, geben sich Fairy sowohl sehr melodisch als auch ziemlich balladesk. Harte Instrumentierung und gefühlvolle Stimmen verbinden sich in „Eufori“ zu einem netten Gesamtkonstrukt, das auch in produktionstechnischer Hinsicht nicht erahnen lässt, es bei „Vinterverv“ mit einem Self-Release zu tun zu haben.

Insgesamt ist der Klang des Albums sehr kraftvoll und klar. Hin und wieder rückt der Gesang ein wenig in den Hintergrund, wie in „Jeg Kaller Henne Høst“, dies wirkt aber durchaus passend und wird nicht als störend wahrgenommen. In „Rekviem“ geht es zudem sehr rau und roh zu, was zusätzlich durch den Einsatz von Growls unterstrichen wird.

Mit „Vinterverv“ lassen Fairy die Erinnerungen an oben genannte Bands und Alben wieder aufleben, während das Sextett eindrucksvoll beweist, dort auch solide anknüpfen zu können, ohne jene Künstler und Werke zu kopieren. Für ihre Melodic Metal Ausrichtung hätte es für meinen Geschmack noch ein wenig melodischer zugehen können. Zudem stünde der Band mehr Epik gut, die ansatzweise immer mal wieder durchblitzt. Davon abgesehen haben Fairy einen guten Job gemacht, bei dem man ihnen sogar die eigentlich nicht notwendigen Growls verzeiht; immerhin sprechen diese für die Vielseitigkeit der sechs Musiker. Großartig!

Tracklist

01 Ragnarok
02 Frostlagt Sti
03 Renaissance
04 Eufori
05 Jeg Kaller Henne Høst
06 Nykter
07 Obsessed
08 Seid
09 Fragment
10 Rekviem
11 Dualitet og Ulver

Details

Fairy – Homepage
Fairy – Facebook

Label: Fairy Recording (self-release)
Vö-Termin: 19.05.2015
Spielzeit: 50:03

Copyright Cover: Fairy



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde