Review

Zurück in die 70er Jahre entführt die Band Eye aus Ohio alle interessierten Hörer mit ihrem Album „Vision And Ageless Light“.

Und schon der Opener „Book of the Dead“ macht deutlich, dass die Konsumenten ein deutliches Faible für psychedelic geschwängerte und komplexe Arrangements mitbringen sollten, um hier glücklich zu werden, denn im Vintage-Stil und mit teils verstörenden Klängen begrüßen Eye potenzielle Progressive-Liebhaber in ihrem instrumentalen Einstieg.

Es ist nicht gerade der bequemste Weg, den die Band um Lisa Bella Donna und Brandon Smith damit geht, und das schienen in der Vergangenheit auch einige Mitstreiter so gesehen zu haben, sodass das Line-up um die beiden Bandgründer des Öfteren wechselte. Nun, als Quartett erneut herangewachsen, versucht man es abermals, auf den Spuren von Größen wie Pink Floyd zu wandern und das progressive Grundgerüst mit einer Portion 70er (Classic) Rock à la Black Sabbath anzureichern.

Deutlicher als noch im experimentierfreudigen „Book of the Dead“ kommt dies im ersten „richtigen“ Song „Kill the Slavemaster“ zum Ausdruck. Vor allem durch das Hinzukommen des Gesangs wird der Sound von Eye ein wenig griffiger. Nichtsdestotrotz machen auch dieser sowie die weiteren drei Songs klar, dass sich „Vision And Ageless Light“ an einen sehr übersichtlichen Hörerkreis richten wird – zu speziell, zu retro und zu extravagant fällt das Album aus, um selbst in der breiten Masse an Prog-Hörern alle gleichsam anzusprechen.

Dabei ist ihnen das Bemühen um Abwechslung nicht abzusprechen, denn insbesondere ein Titel wie „Dweller of the Twilight Void“ sticht mit akustischem Arrangement und der harmonischen Vereinigung aller bisherigen Eye-Zutaten positiv hervor. Auch klanglich fügt sich die ruhigere Nummer hervorragend in das Album, aber besonders in den Stil der Band ein.

Hochgradig authentisch wirkt zunächst auch der noch bedächtigere Rauswurf „As Sure as the Sun“, das längste Stück des Albums. Entsprechend entwickelt sich der Titel auch. Von seinem ruhigen Akustikpart über E-Gitarren getragene Passagen bis hin zu Drumsoli und Soundtrack-artige Zwischenphasen sparen Eye nicht an Klangvielfalt – und liefern letztlich doch nicht wirklich Neues.

Eye (Copyright: Danielle Petrosa, Oktober 2016)

Eye (Copyright: Danielle Petrosa, Oktober 2016)

Von der Anzahl der Songs sollte man sich hingegen nicht beirren lassen, denn obschon nur fünf Stücke ihren Platz auf „Vision And Ageless Light“ gefunden haben, strotzen jene mit einer Gesamtspielzeit von knapp 47 Minuten. Genug Zeit, die Eye dafür nutzen, verspielte Gitarrensoli, klangliche Ausschweifungen und ab und zu sogar die eine oder andere eingängige Melodie in ihre Stücke unterzubringen.

Da jedoch sehr viele Voraussetzungen zum Hörgenuss mitgebracht werden müssen, schaffen es Eye auch durch jene erwähnten Melodien nur bedingt, das Interesse am Album aufrechtzuerhalten. Wer hingegen eine Leidenschaft für old schooligen Prog Rock hegt, dazu noch der Experimentierfreude einer Band etwas abgewinnen kann, sich zudem gerne in Komplexität verliert und sich nach den ehemaligen Klängen der 70er Jahre sehnt, der sollte ein Ohr riskieren und darf unserer Bewertung einen Punkt hinzufügen.

Video

Tracklist

01 Book of the Dead
02 Kill the Slavemaster
03 Searching
04 Dweller of the Twilight Void
05 As Sure as the Sun

Details

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Label: The Laser’s Edge / Al!ve
Vö-Termin: 18.11.2016
Spielzeit: 46:21

Copyright Cover: The Laser’s Edge



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde