Review

Einen Namen machte sich Troels Abrahamsen bislang vor allem in seiner Heimat Dänemark als Sänger der Indie-Electro-Rock-Band VETO. Seine ersten Gehversuche in Richtung Solokarriere führten ihn schließlich 2016 an sein Piano und das Ergebnis präsentiert der Musiker nun auf dem Debütalbum „The Limber Real“, das er unter dem Namen EXEC veröffentlicht.

In den darauf zu findenden 14 Tracks beschränkt sich Abrahamsen bzw. EXEC auf die Essenz der Klaviermusik in facettenreicher Art und Weise und konzentriert sich ferner auf die gesangliche Performance. Beides steht auf „The Limber Real“ im Mittelpunkt, wirkt aber gleichberechtigt und ergänzt sich gegenseitig.

Die musikalische Reduzierung und die Tatsache, dass sich EXEC inhaltlich mit der Idee beschäftigt, dass der Mensch trotz seiner Mitmenschen doch mutterseelenallein in der Welt ist, führen dazu, dass „The Limber Real“ von einer melancholischen Stimmung geprägt ist. Molltöne sowie gefühlvoll intonierte Lyrics transportieren diese Atmosphäre an die Hörer. Es sei denn, der Song endet so frühzeitig, ehe sich die Stimmung entfalten kann. Dies ist leider des Öfteren auf dem Album der Fall; die kurzen Spielzeiten einiger Tracks spiegeln das wider. Einen solchen Titel liefert EXEC bereits zu Beginn mit „Blink“, dem zweiten Song auf „The Limber Real“. Während der Hörer gerade dabei ist, sich von der Musik tragen zu lassen und in die vermittelte Stimmung abzutauchen, verklingt auch schon der letzte Ton. Ein Umstand, der der Wirkweise des Albums im Weg steht. Songs wie „Life is a Liquid“ erscheinen dadurch sogar unvollendet.

Davon abgesehen schöpft EXEC jedoch die gesamte Klangkunst und zahlreichen Möglichkeiten des Klaviers aus. Die unterschiedliche Intensität der Tastenanschläge, das damit verbundene Spiel mit lauten und leisen Tönen und die Variationen im Tempo sorgen für instrumentale Abwechslung.

Jene drückt EXEC zudem im Gesang aus. Teils an die akustischen Stücke von Deine Lakaien erinnernd, teils sich in pathetischen Momenten ergehend, besitzt Troels Abrahamsens Stimme viel Wiedererkennungswert, der jedoch zugleich derart eigen ist, dass hier der individuelle Geschmack des jeweiligen Hörers über Ge- und Missfallen entscheiden wird.
Ähnlich wie auf instrumentaler Ebene erzeugt EXEC auch stimmlich eine Intensität und Emotionalität. Wie ein Spiegel zur Musik spielt der Gesang ebenfalls mit lauten und leisen, sanften und inbrünstiger vorgetragenen Tönen.

EXEC (Copyright: Sofie Amalie Klougart)

EXEC (Copyright: Sofie Amalie Klougart)

Im Zuge der Abwechslung in der Spiel- und Gesangsweise stößt man zudem auch mal auf etwas fröhlichere Titel wie beispielsweise „Full of Knots“ oder das dynamisch gespielte „Hymn“, das durch seine Kürze jedoch abermals nur einen Interlude-Charakter besitzt. An anderer Stelle verzichtet EXEC ganz auf stimmliche Darbietungen, sodass Instrumentalstücke wie „Intermission“ dabei herauskommen.

Wer sich die Zeit für ein klavierbasiertes Album nehmen möchte, der sollte sich „The Limber Real“ von EXEC zuwenden – am besten nutzt man dafür Kopfhörer, um all die feinen Nuancen seiner musikalischen Ergüsse aufnehmen zu können. Schade nur, dass einige Songs ihr Potenzial nicht komplett ausschöpfen, indem sie vorzeitig enden.

Video

Tracklist

01 Controlled Environments
02 Blink
03 The Explanatory Gap
04 Hymn
05 Life is a Liquid
06 Intermission
07 Full of Knots
08 Peers
09 Schmeers
10 Bodies
11 Near Singular Experience
12 Going Under
13 The Limber Real
14 Stripped

Details

EXEC – Homepage
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EXEC – Twitter

Label: Tambourhinoceros / Indigo / Believe Digital
Vö-Termin: 12.02.2016
Spielzeit: 34:05

Copyright Cover: Tambourhinoceros



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde