Review

Ewian melden sich diesen Monat mit ihrem neuen Album „We Need Monsters“ zurück. Typisch für den Sound ist ein alternativer Rock-Stil, der mit verschiedenen Elementen wie Noise oder Shoegaze vermischt wurde. Anders als beim Vorgänger sammeln sich um dieses Projekt nicht mehrere Künstler, stattdessen beschränken sich Ewian auf ihre Qualitäten und Fähigkeiten als Duo.

Während „Good Old Underground“ bei uns einen moderaten Eindruck hinterließ, merkt man bei „We need Monsters“ eine deutliche Veränderung aufgrund eines viel stärker fokussierten Sounds. Beibehalten wurden allerdings die eingängigen Strukturen, in die man sich als Hörer bereits von der ersten Sekunde an leicht hineinfindet. Dennoch steuern Ewian mit verzweigten Klanggebilden oft der leichteren Zugänglichkeit entgegen.

Hat man sich aber erst einmal daran gewöhnt, strahlen Songs wie „Ticket From Kingdom Come“ eine gewisse Atmosphäre aus. Überhaupt spielt die Band mit gedehnten Melodien, die sich durch die zehn Titel ziehen. Und so bekommt man dadurch beispielsweise mit „Song For The Psychonauts“ das gewisse Radiohead-Flair zu spüren.

Konsequent werden auch hier wieder die stark verzerrten Noise-Gitarren durchgezogen, welche schon auf „Good Old Underground“ dem Hörgenuss im Weg standen. Diese zerquetschen dann im Mittelteil auch mal „Beautiful Lie“, welcher an sich per Minimalprinzip eine Menge rausholt. Zudem überspülen sie den schönen Orgelsound von „Star“. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass diese Elemente nicht allzu stark in die Musik hineingedrückt wurden und auch mal abwechslungsreiche Effekte auffahren wie bei „Sweet Swan“, welcher dadurch von einem geradlinigen Charakter in ein psychedelisches Erlebnis umgewandelt wird.

Ewian (Copyright: Ewian)

Ewian (Copyright: Ewian)

Ab der guten Hälfte entfernt man sich sogar fast komplett von diesen übersteuerten Instrumenten und legt viel mehr Wert auf eine weniger rockige Richtung. Ab hier fallen auch die unterschiedlichen Lagen der Stimme ins Gewicht. Eigentlich ziemlich bemerkenswert, wie ein weiches und ein starkes Verwenden des Gesangorgans die Stimmung derart verändern kann. Und auch wenn hier vielleicht nicht die komplexen Klavier-Passagen geboten werden, überzeugt die Platte mit dezentem Einsatz, welcher oft viel effektiver wirkt.

So manches Mal ist es ganz amüsant, wie Ewian eine komplett verwaschene Pop-Attitüde an den Tag legen, während sie gleichermaßen gegen genau diese Einstellung vorgehen. Vielleicht treffen hier mehrere Stilbrüche aufeinander, dennoch werden sie von einer klar gesteckten Struktur im Zaum gehalten und zusammengefügt.

Schade, dass man auf den Noise-Faktor an so vielen Stellen nicht verzichten konnte, dadurch geht eine Menge Potenzial der Songs verloren, welches zu Beginn eigentlich immer aufkommt. Dennoch muss man sagen, dass eigentlich der größte Teil von „We need Monsters“ seine Intentionen durchweg gut transportiert. Ewian sind ein wenig schwierig, man muss sich schon auf den Sound einlassen, aber ansonsten profitiert er von viel Kreativität sowie etwas exzentrischer Extravaganz.

Anspieltipps:
Ticket From Kingdom Come / Beautiful Lie / Some Day / Monster / Quiet Like In Heaven

Video

Trackliste

01 Ticket From Kingdom Come
02 Beautiful Lie
03 Star
04 Song For The Psychonauts
05 Sweet Swan
06 Monster
07 Quiet Like Heaven
08 Some Day
09 Fragile Ghost
10 Love

Details

Ewian – Homepage
Ewian – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 06.11.2015
Spielzeit: 39:23

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher