Review

Bei Eternal Deformity kann man getrost von einer Perle der Metalszene sprechen, und das nicht, weil sie schon lange Musik machen (1994 kam die erste Demoplatte heraus und seit 1997 folgten kontinuierlich weitere Veröffentlichungen), sondern weil ihre neue Scheibe „No Way Out“ so erfrischend extrem und doch anders klingt. Sie spielen Blackened Death Metal mit vielen avantgardistischen Zügen sowie Doom und Gothic-/Symphonic-Elementen – und diesbezüglich haben Eternal Deformity die richtige Mischung gefunden.

Der Introtrack „I“ startet zunächst eher etwas neo-thrashig, könnte auch gut auf einer Machine Head-Scheibe platziert sein und leitet in das Album „No Way Out“ recht mysteriös ein. Das anschließende „Esoteric Manifesto“ erinnert nicht nur namentlich an Gojiras „Esoteric Surgery“, auch soundtechnisch befinden wir uns im langsam walzenden Groove-Gefilde der Franzosen.

Eternal Deformity kombinieren diesen recht brachial-progressiven Ansatz mit vielen kräftigen Melodien und einer geballten Ladung Black Metal. Dies betreffend fühlt man sich stark an Ihsahn erinnert. Die Gitarrenfraktion wartet mit coolen Riffs und viel Akrobatik in den Soli auf. Rein instrumental kann die Saitenfraktion auf ganzer Linie überzeugen.

Auch die Sänger Przemyslaw und Piotr geben zusammen ein absolut grandioses Duo ab. Feiner Männergesang trifft auf berstig keifendes Black Metal-Geschrei.

Durch die Keyboardarbeit könnte man fast meinen, dass die Band etwas in die Gothic Richtung driftet. Dies unterstützt Dream Theater-mäßig jeden Song, der dieses Element nutzt. „Sweet Isolation“ erhält dadurch zum Beispiel erst so richtig Tiefe und Masse, um als Epos durchzugehen.

Wenn man bedenkt, wie lange die Jungs schon Musik machen, ist es nicht verwunderlich, dass das Songwriting wirklich gut gelungen ist und die Stücke nicht langweilig werden. „Reinvented“ wäre der einzige Song, der mit über zehn Minuten vielleicht etwas langgezogen wirkt. Aber auch hier sind es nur ganz kurze Strecken, die diesen Eindruck vermitteln. Ansonsten sorgen Eternal Deformity dafür, dass dem Hörer nicht fade wird, was vor allem daran liegt, dass ein Schema F hier nicht zu erkennen ist.
Stattdessen beweisen Eternal Deformity mit dem akustischen Stück „Mothman“, bestehend aus Gesang und Klavier, wie facettenreich sie sind.

Eternal Deformity (Copyright: Eternal Deformity)

Zum Abschluss bildet „Glacier“ ein gelungenes Ende der Platte. So viel Epik, ob im Gesang oder im Riffing, erlebt man selten.

Eternal Deformity sollten wirklich an Popularität gewinnen, denn sie besitzen ein großartiges Talent, verschiedene Stile gekonnt zu mixen. Dabei wird es nicht langweilig und hier und da gibt es sogar etwas zu entdecken.
Seltene Durststrecken verwehren ihnen noch das Siegertreppchen, aber kurz darunter findet man sie.

Video

Trackliste

01 I
02 Esoteric Manifesto
03 Sweet Isolation
04 Reinvented
05 Mothman
06 Mimes, Ghouls And Kings
07 Glacier

Details

Eternal Deformity – Facebook

Label: Temple of Torturous Records
Vö-Termin: 18.11.2016
Spielzeit: 46:46

Copyright Cover: Temple of Torturous Records



Über den Autor

Marcus
Marcus