Review

Seit 1989 mischen Escape With Romeo kontinuierlich in der „alternativen“ Musikszene mit. Auch 2015 macht die Band mit ihrem neuen Album „After The Future“ auf sich aufmerksam. Wer jedoch noch den Clubhit „Somebody“ im Ohr hat, der wird beim Hören des aktuellen Werks feststellen, dass sich musikalisch einiges im Hause Escape With Romeo getan hat. Prinzipiell bleibt man seinem Stil noch treu, baut aber stets neue Elemente in den eigenen Sound ein und entwickelt sich so weiter. Es wundert daher nicht, dass man auf „After The Future“ nur selten auf einen potenziellen Hit stoßen wird. Vielmehr beschränken sich Escape With Romeo nicht auf Gefälligkeiten, sondern verpassen dem 2015er Output eine – sowohl inhaltliche als auch musikalische tiefergehende Intention. An Klarheit und Struktur büßen die einzelnen Tracks dennoch nichts ein.

Schaut man sich die Spielzeit der jeweiligen Titel an, stürmen Escape With Romeo nahezu durch die Zeit „After The Future“. Dies untermauert zum einen die kluge Aussage – „Es ist die Gegenwart, die zählt“ – von Mastermind und Sänger Thomas Elbern, zum anderen trägt das flotte Tempo, das sich auch in der Mehrheit der Songstrukturen widerspiegelt, zur Tanzbarkeit des Albums bei. Diesbezüglich kann sich der Hörer dank der insgesamt 13 Tracks zur Genüge austoben.

Bei all der electro-wavigen Ausrichtung des Projekts kommt abermals die Gitarre hin und wieder zum Einsatz, jedoch sehr verhalten. Trotzdem schafft „After The Future“ dadurch immer mal wieder den Spagat zwischen Electro-Rock und -Pop. Und dies ziemlich lässig, denn trotz nihilistischem Subtext innerhalb der Lyrics wirkt die Musik auf dem aktuellen Album von Escape With Romeo phasenweise durchaus positiv und – wie zum Beispiel „All Is Lost (Now You Can Only Win)“ zeigt – sogar teils „beschwingt“.

Insgesamt – und das machen u.a. das sich anschließende „On The Other Side“ oder der konträr dazu wirkende Rauswurf und gleichzeitige Titeltrack deutlich – changieren Escape With Romeo gelungen zwischen den unterschiedlichen Stimmungen, was zu einem abwechslungsreichen Hörerlebnis führt.

Apropos Abwechslung: Hierzu trägt ebenfalls bei, dass sich Escape With Romeo für „After The Future“ gesanglich Verstärkung geholt haben. Stimmlich konzentriert sich die Band also nicht ausschließlich auf Thomas Elbern, sondern lässt die Hörer beispielsweise zudem an weiblichem Gesang partizipieren. Ebenfalls wieder mit von der Partie ist der partielle Einsatz von Zerrsounds und Vocoder.

Escape With Romeo (Copyright: Guido Krebs)

Escape With Romeo (Copyright: Guido Krebs)

Neben einer selten durchschimmernden unterschwelligen Eingängigkeit, die auch Depeche Mode in den 80ern oder ex-Silke Bischoff, jetzt 18 Summers schon an den Tag legten, ist es vor allem die Ruhe, die „After The Future“ beherrscht. Damit avanciert der Silberling vielleicht nicht gerade zum Dauerbrenner im Player oder sorgt für hitverdächtige Ohrwürmer, hält aber durch sein Konzept durchaus viele spannende Momente parat, die den Hörern – sofern sie sich darauf einlassen – zahlreiche Bilder vor das innere Auge projizieren. Somit bestätigt sich auch die Aussage des Infoschreibens, dass Escape With Romeo hier „die Essenz für eine Graphic Novel“ liefern, denn von einer „akustischen Graphic Novel“ kann dank der stimmungsvollen Augenblicke und inhaltlichen Aussagekraft der Texte durchaus die Rede sein.

Anspieltipps: 
You’ll Always Be A Stranger / Heart Of Darkness / All Is Lost (Now You Can Only Win) / Empty Skies

Video

Tracklist

01 You’ll Always Be A Stranger
02 Cold Future
03 After The Party
04 Drugz
05 Someone, Somewhere, Someday
06 Heart Of Darkness
07 All Is Lost (Now You Can Only Win)
08 On The Other Side
09 Fake Lover
10 Wrong Side Of Town
11 Hospital Song
12 Empty Skies
13 After The Future

Details

Escape With Romeo – Homepage
Escape With Romeo – Facebook

Label: Zeitklang Records / Nova Media
Vö-Termin: 11.09.2015
Spielzeit: 49:21

Copyright Cover: Zeitklang Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde