Review

Das Wort „post“ in Post-Rock, dem sich die englische Band Esben And The Witch verschrieben hat, bedeutet auf Deutsch so viel wie „nach (etwas)“. Bei dieser Band ist das ein wenig anders zu definieren. Bildlich gesprochen spielt sich „A New Nature“ nicht nach der Endzeit ab, nicht während der Apokalypse und auch nicht post apokalyptisch. Esben And The Witch’s atmosphärischer Sound kommt, nachdem alles verschwunden und nichts mehr übrig geblieben ist. Nur um etwas Neues und Bleibendes entstehen zu lassen.

„A new nature“ ist kein Album, das man einfach so in die Anlage schiebt und nebenbei laufen lässt. Es muss schon eine gewisse Stimmung da sein, um die acht Songs richtig genießen zu können. Besonders da diese an der 10-Minuten-Grenze kratzen und teilweise auch gerne darüber hinaus gehen. Man sollte also viel Zeit mitbringen. Esben And The Witch nehmen sich nämlich eine Menge davon, ihre Tracks authentisch rüber zu bringen.

Auf dem Album erlebt man zwei verschiedene Seiten der Band. Auf der einen zertrampelt sie einen mit pumpenden Rhythmen, verzerrtem Bass und starken Riffs. Nur um von einer Sekunde auf die andere in die ruhigere Seite über zu gehen. Diese ist wohl die markanteste.
Sparsam gesetzte Noten machen diese Passagen sehr effektiv und erzeugen eine drückende Atmosphäre. Danach geht es wie beispielsweise in „No Dog“ wieder mit marschierendem Schlagzeug über in den schnellen, rockigen Teil.

Aushängeschild der Platte ist „Dig Your Fingers In“. Dieser Song verfährt gegen Ende nach diesem Prinzip. Davor beglücken Esben And The Witch mit sanft gespielten und melodischen Akkorden. Gepaart mit dem weiblichen Gesang arbeitet der Titel nur so auf den Höhepunkt hin.

Esben And The Witch (Copyright:  Jonathan Hyde)

Esben And The Witch (Copyright: Jonathan Hyde)

Es ist außerdem der Gesang, der den Zuhörer innerlich in alle seine sterblichen Überreste aufteilt. Gänsehaut macht sich breit, genauso wie der Schauer durch das Rückenmark. Die Stimme der Sängerin lässt alles noch etwas düsterer und doch unschuldig wirken. Bewusst werden die Tonlagen stellenweise geleiert, aber in einem gesunden Maß, sodass es sehr angenehm für die Ohren ist. Auch wird oft bewusst auf eine zweite Gesangsspur verzichtet, um alles noch etwas natürlicher wirken zu lassen.

Am Ende von „A New Nature“ hat man einen trockenen Mund. Das Album krempelt einfach alles um, spielt mit dem Hörempfinden der Ohren und treibt es mit dieser drückenden und sich endlos ziehenden Stimmung auf die Spitze. Definitiv kein Album für jedermann. Wer aber gute Musik zu schätzen weiß und sich dafür auch gerne mal eine gute Stunde Zeit nimmt, wird dies nicht bereuen. Auch wenn es am Schluss dann doch nur für ein oder zwei Songs des Albums gereicht hat, denn genauso, wie man selbst, ist „A New Nature“ auch nur menschlich.

Video

Trackliste

01 Press Heavenwards!
02 Dig Your Fingers In
03 No Dog
04 The Jungle
05 Those Dreadful Hammers
06 Wooden Stars
07 Blood Teachings
08 Bathed In Light

Details

Esben and the Witch – Homepage
Esben and the Witch – Facebook
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Label: Nostromo Records / Rough Trade
Vö-Termin: 19.09.2014
Spielzeit: 55:58

Copyright Cover: Nostromo Records



Über den Autor

Christopher