Review

Mit Erdling in die Unterwelt

Helheim, die Unterwelt, das Totenreich.
Exemplarisch für das Konzept als solches haben sich Erdling mächtig ins Zeug gelegt, ein technisch einwandfreies Album abzuliefern.

Hier wird deutlich, was die Band um Neill Freiwald bewegt: Denen eine Stimme zu geben, die normalerweise vergessen werden und unter dem drückenden Gewicht der Obrigkeit zusammenzubrechen drohen. Vertrauen und das nicht Hinsehenwollen wird ebenso thematisiert, wie die Tatsache, das Offensichtliche oft zu übersehen.
Letztlich ist es ein revolutionäres und zugleich anklagendes Thema, das die inhaltliche Grundlage für das elf Tracks starke Album „Helheim“ bildet.

Die Songs

Das zeigt sich deutlich in dem Opener „Rabenherz“, besonders aber in den Folgesongs „Götterdämmerung“ und „Der Mensch verdient die Erde nicht“, welcher nicht direkter im Titel sein könnte. Natürlich gibt es auch hier Freiraum zur Interpretation. Stellt sich der Mensch über die Dinge und hat die Verbindung längst schon verloren? Oder ist es vielmehr der Anspruch als solches?

Der Song „Leuchtfeuer“ schürt Hoffnung, endet musikalisch und melodisch ruhig und man stellt sich hierbei die Frage, was einen auf Kurs hält und Richtung gibt. Das Leuchtfeuer könnte somit als Sinnsuche verstanden werden.

„Fimbulwinter“ wird unterstützt von der Soundtrack-Sängerin Julie Elven und in weniger als drei Wintern tanzen die Herzen in Ewigkeit. Sehr stimmig.

„Vogelfrei“ drischt aufs Ohr, besingt wieder die bereits genannten Ideale und erinnert fast schon etwas an „Easy Rider“.

„Es zerfällt“ ist ein Zwischenstück und leitet hin zum aggressiven „Weißglut“. Schon der Titel sagt viel. Offenbar geht es hier um den Verlust des zivilisierten Anspruchs und dessen Bedeutungslosigkeit.

Der titelgebende Song „Helheim“ fährt stolz auf und mündet in einem voluminösen Stück, das Emotionen auslebt wie Angst, Trostlosigkeit, Sterben, Vergessen und Sinnlosigkeit. Die Melodie allerdings bäumt sich nochmals auf, transportiert eine gewisse Gelassenheit im „Ende“ und stiftet einen gemeinschaftlichen Gedanken. Im Umkehrschluss also doch wieder eine gewisse Positivität.

„Das Ritual“ hat einen spirituellen Touch. Die Obrigkeit wird offenbar angegriffen, fleht um Gnade. Es handelt sich um das Ende einer Kaste, aber durch diesen „Chant“ und dem schamanischen Feeling wird damit die Unausweichlichkeit dieses Schicksals untermalt. Alles wird verschlungen und gereinigt in heiligen Flammen.

Abschließend geht es mit dem „Baum der Welt“ zuerst balladesk zu, bevor kraftvolle Lyrics verdeutlichen, dass Altes weichen muss, damit Neues entstehen kann. Der Baum ist tot, alles scheint in Schutt und Asche aufgegangen zu sein. Aber alles ist vergänglich und jedem Ende wohnt auch ein Anfang inne.

Resümee

Erdling (Copyright: Michael Raith)

Der Silberling ist auf vielen Ebenen einfach nur stark: Seien es nun die Lyrics und somit die Messages oder auch die musikalische Seite des Albums, die vielfältig und treffend ausfällt.

Offensichtlich ist auch, dass hier Chris Harms als Produzent seinen „Abdruck“ hinterließ und aus Erdling das Beste herausholen konnte. Die Band selbst begründet die erneute Zusammenarbeit mit dem Lord of the Lost-Frontmann wie folgt: „[Wir] haben […] als Produzenten auch wieder Chris Harms (Lord of the Lost) ins Boot geholt, weil er unseren Sound am besten kennt und immer konstruktiv zu unsere Weiterentwicklung beigetragen hat.“ Das hat sich gelohnt – und das hört man auch.

Alles in allem ist „Helheim“ somit ein rundes Album, das im Konzept aufgeht und zum mehrmaligen Durchhören einlädt.


Helheim

Video

Tracklist

01 Rabenherz
02 Götterdämmerung
03 Der Mensch verdient die Erde nicht
04 Leuchtfeuer
05 Fimbulwinter
06 Vogelfrei
07 Es zerfällt
08 Weißglut
09 Helheim
10 Das Ritual
11 Baum der Welt

Details

Erdling – Homepage | Erdling – Facebook

Label: Out of Line
Vö-Termin: 03.12.2021
Spielzeit: 37:04

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Daggy
Es war einmal...vor langer Zeit..., ein Mädel aus Bayern, das den Sprung von einer katholischen Klosterschule schaffte und ans andere Ende Deutschlands reiste. Dort absolvierte sie als eine der ersten Frauen ihren Dienst bei der Marine. Von dort aus führte ihr Weg zu ihrem jetzigen Job, der sie seither rund um die Welt führt. So lebte sie bisher in den USA (Atlanta), Berlin (ohnehin ihre Wahlheimat), Indien (Mumbai) und derzeit China (Peking). Dabei ist das Reisen, als auch das Fotografieren ein wesentlicher Teil von ihr. Das Ganze wird untermalt von ihren "exzessiven" Konzert- und Festivalbesuchen, denn Musik öffnet überall auf der Welt Tür und Tor.