Review

Ihr letztes Album „Erdentempel“ erreichte 2014 Platz 16 der deutschen Albumcharts, nun wollen Equilibrium mit ihrem fünften Streich „Armageddon“ zum Wiederholungstäter werden. Für einen Eyecatcher ist durch das Coverartwork von Skadi Rosehurst bereits gesorgt, und auch an Earcatchern mangelt es „Armageddon“ mit seinen elf Tracks nicht.

Während die Band aus Süddeutschland ihr Pagan-Korsett bereits während ihrer Laufbahn nie allzu fest geschnürt hat und lieber unter der allgemeineren Bezeichnung Epic Metal in Erscheinung trat, lockert das Quartett jenes mit „Armageddon“ ein weiteres Mal und schafft sich dadurch Platz für kleine musikalische Experimente. So kommen sowohl leichte Industrial-Einflüsse wie im Song „Born To Be Epic“ als auch poppigere Ethno-Rock-Anklänge wie in „Koyaaniskatsi“ ins Spiel. Insgesamt bieten Equilibrium mit „Armageddon“ weit mehr als nur ein herkömmliches Pagan Metal Album, indem viele Elemente diverser Metal-Genres aufgegriffen und verarbeitet werden. Dies ist einerseits abwechslungsreich, andererseits könnte es insbesondere auf eingefleischte Fans der Band polarisierend wirken.

Auch die ernste Seite, die Equilibrium mit „Armageddon“ nach außen tragen, ist neu und überrascht. Statt sich nur auf heroische Fantasy-Texte, Party- und Trinklieder oder traditionell-historische Legendenbildungen zu konzentrieren, regen die Lyrics auf „Armageddon“ nunmehr zum Nachdenken über aktuelle Themen an. Die überwiegend auf Deutsch gehaltenen Texte sind diesbezüglich nur förderlich.
Einen entsprechenden Einstieg liefert bereits das gesprochene und rein instrumental ausklingende Intro „Sehnsucht“, über dessen Frage „Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzen?“ sich weitere Gedanken durchaus lohnen. Damit gibt die Band bereits die thematische Richtung des Albums vor und untermalt das Ganze mit opulenten orchestralen Passagen, die Gänsehaut verursachen können.

Nahtlos wird ein Übergang zum melodiestarken und erhabenen Folgesong „Erwachen“ geschaffen. Schon hier wird deutlich, dass Equilibrium ihren Fokus auf Melodien und Intensität statt auf mutwillige Geschwindigkeit gelegt haben. Über die gesamte Albumlänge fällt zudem der intensive Einsatz des Keyboards auf, das den Songs durch seine sinfonische Ausrichtung eine klangliche und epische Wucht verleiht.

Vor allem die neuen Elemente, derer sich Equilibrium bedienen, sind es, die bei vielen Konsumenten jedoch ein mehrmaliges Hören notwendig machen werden. „Born To Be Epic“, ein Song, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt und noch dazu mit einem gewöhnungsbedürftigen Lyric Video auf die Hörer vor Album-Release losgelassen wurde, ist im Vergleich zu den sonstigen tiefgründigen Texten umso simpler. Zunächst als Lückenfüller abgestempelt, macht jener Track allerdings nach weiteren Durchläufen eine Menge Spaß – man sollte vielleicht nur das Video nicht vorab gesehen haben, andernfalls wird man die – eher albern wirkenden – tanzenden Flöten und Schwerter bei jedem Hören einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Equilibrium (Copyright: Equilibrium)

Equilibrium (Copyright: Equilibrium)

„Zum Horizont“ zieht das Tempo des Albums kurzzeitig wieder an und trumpft mit genretypischen Zutaten auf.
Ähnlich könnte man jeden einzelnen Titel mit seinen Besonderheiten explizit hervorheben, denn „Armageddon“ bietet mit jedem Track in vielerlei Hinsicht Abwechslung. Gesangliche und stimmliche Vielseitigkeit, Tempo- und Melodiewechsel, aber auch viele Schnörkel innerhalb der Songarrangements schicken die Hörer auf eine Entdeckungsreise, die sie auch nach mehrmaligem Hören nicht ermüden wird.

„Armageddon“ – episch und legendär sowie mit einer Ernsthaftigkeit, die der Band gut zu Gesicht steht.

Video

Tracklist

01 Sehnsucht
02 Erwachen
03 Katharsis
04 Heimat
05 Born To Be Epic
06 Zum Horizont
07 Rise Again
08 Prey
09 Helden
10 Koyaaniskatsi
11 Eternal Destination

Details

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Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 12.08.2016
Spielzeit: 50:13

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde