Review

Zurück zur metaphysischen Trilogie

Nach ihrem letzten Album „The Holographic Principle“ aus dem Jahr 2016 und der 2017er EP „The Solace System“ kehren Epica mit dem neuen Output „Omega“ zu ihrer metaphysischen Trilogie zurück. Denn was einst mit „The Quantum Enigma“ begann, soll nun durch die zwölf Tracks auf „Omega“ beendet werden.

Die Songs tragen dabei klangvolle, teils mysteriöse Titel und lassen schon erahnen, dass dem Hörer hier etwas ganz Großes bevorsteht.

Das Label Nuclear Blast führt dies wie folgt näher aus:

Das Wort monumental ist nicht mal ansatzweise stark genug, um „Omega“ zu beschreiben. […]
Unter Zuhilfenahme der Tabula Smaragdina, einer antiken Quelle alchemistischer Weisheit, erschafft Mark Jansen […] ein faszinierendes Konzept von Anfang und Ende, vom Leben und Tod. Diesmal jedoch konzentrieren sich sowohl seine als auch Simone Simons‘ Texte auf die persönlichen und individuellen Aspekte dieser Theorie. Sie befassen sich mit Beziehungen, Nöten, Kämpfen mit Depression und Angst und werden dadurch zu einer Lektion in Empathie und Self-Empowerment.

Die Songs

Der Opener „Alpha – Anteludium“ ist ein instrumentales Vorspiel, das einen Vorgeschmack darauf gibt, wie episch die weiteren Tracks noch sein werden. Ein fulminantes Orchester entführt die Hörer in eine sagenhafte Welt und wird von Chorgesang begleitet.

Der nachfolgende Track „Abyss of Time – Countdown to Singularity“ geht nahtlos aus dem Opener hervor. Hier sind die elektronischen Instrumente vorherrschend, wobei auch das Orchester seinen Platz findet. Die abwechselnden Gesangsparts zwischen Simone Simons und Mark Jansen lassen den Eindruck entstehen, dass hier ein Kampf zwischen Gut und Böse stattfindet. Unterstützt wird die weibliche Gesangsstimme von mehrstimmigem Gesang im Hintergrund. In der Mitte des Tracks tritt eine Erzählstimme hervor, der ein Instrumentalsolo folgt. Im Anschluss gibt es einen kurzen Growl-Part, der mit harten Gitarrenriffs untermalt wird. Der Track endet mit dem gewohnten melodischen Epica-Sound.

„The Skeleton Key“ wird von einem Klaviersolo eingeleitet und geht in sinfonische Klänge mit Chorgesang über. Die Instrumentierung klingt in den Strophen sehr mysteriös und unheilvoll. Die Stimme wird von Klavierklängen und harten Riffs begleitet, welche viel Raum für den Gesang lassen.

Orientalisch angehaucht folgt „Seal of Solomon“, und auch „Code of Life“ bekommt sowohl gesanglich als auch musikalisch einen arabischen Touch verliehen.

Auf instrumentaler Ebene emotional sehr aufgeladen wirkt „Gaia“. Hier und auch im Titel „Freedom – The Wolves Within“ zeigt sich wieder das Spiel zwischen Gut und Böse; sowohl gesanglich als auch instrumental werden die widerstreitenden Seiten perfekt gegensätzlich dargestellt. Neben den typischen elektronischen Anleihen sind dabei auf instrumentaler Ebene erneut Streicher im Einsatz.

Mit 13:25 Minuten ist „Kingdom of Heaven prt 3 – The Antediluvian Universe“ der längste Track auf der Scheibe und nimmt den Hörer auf eine epische Reise in die vorsintflutliche christliche Welt mit. Zu Beginn ist das Rauschen des Windes und Klänge von einem Windspiel zu hören. Nach und nach kommen – von Flöten, über Streicher bis hin zu Bläsern und Pauken – immer mehr Instrumente hinzu. Ein epischer Klang erhebt sich dadurch und unterstreicht den lateinischen Chorgesang. Dann setzten E-Gitarre, Bass und Schlagzeug ein, wobei die Orchesterklänge indes nicht verstummen. Als Frontfrau Simone zu singen beginnt, werden Gitarre und Bass zunächst stakkato gespielt. Dann kommt ein Klavier hinzu, welches den Refrain begleitet. Mit Einsetzen der männlichen Stimme wird der Sound härter und schneller. So findet immer wieder das Wechselspiel zwischen Licht und Dunkelheit mit unterschiedlicher Instrumentierung statt. Es empfiehlt sich sehr, den Track in aller Ruhe anzuhören, um so die verschiedenen Instrumente und Elemente heraushören zu können.

Ein Track, der sehr emotional ist und mitten ins Herz trifft, ist „Rivers“. Er wird zunächst von Klavier und Streichern begleitet. Später setzen dann Chorgesang, E-Gitarre, Bass und Schlagzeug ein. Ist jener Titel noch sehr ruhig und langsam. bildet der nachfolgende Track „Synergize – Manic Manifest“ das krasse Gegenteil dazu und liefert ein hartes Metal-Brett ab.

Epica (Copyright: Tim Tronckoe)

Eine echte Herausforderung (im positiven Sinne) bildet „Twilight Reverie – The Hypnagogic State“, denn musikalisch passiert in diesem Track sehr viel: Von freundlich gestalteten Strophen, die gleichzeitig doch etwas Unheilvolles ausstrahlen, über einen Sprechpart durch Simone bis hin zu einem düsteren, harten Sound, der sodann die männlichen Lyrics hervorbringt; hier weiß man teilweise gar nicht, wo man zuerst und zuletzt hinhören soll.

Das Album und damit die gesamte Trilogie endet schließlich mit „Omega – Sovereign of the Sun Spheres“. Ein Orchester spielt ein letztes Mal auf und erzeugt einen epischen Sound. Dieser wird dann von den harten Metal-Klängen überlagert. Hier wird noch einmal der Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Dunkelheit thematisch aufgegriffen, um in der Fülle an Gesang und instrumentalen Klängen zu münden.

Fazit

Auch wenn der gesangliche Kampf zwischen Gut und Böse einigen Hörern auf Dauer eventuell etwas langweilig anmuten könnte, ist der gegensätzliche Gesang so stimmig, dass einem teilweise ein wohliger Schauer über den Rücken läuft.

Und so hat die niederländische Symphonic Metal Band Epica mit „Omega“ ein wahrlich episches Werk geschaffen, das seinesgleichen sucht. Der perfekte Abschluss für die eingangs angesprochene Trilogie.


Omega

Video

Tracklist

01 Alpha – Anteludium
02 Abyss of Time – Countdown to Singularity
03 The Skeleton Key
04 Seal of Solomon
05 Gaia
06 Code of Life
07 Freedom – The Wolves Within
08 Kingdom of Heaven prt 3 – The Antediluvian Universe
09 Rivers
10 Synergize – Manic Manifest
11 Twilight Reverie – The Hypnagogic State
12 Omega – Sovereign of the Sun Spheres

Details

Epica – Homepage | Epica – Facebook | Epica – Twitter

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 26.02.2021
Spielzeit: 70:43

Copright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem