Review

Ensiferum mischen seit ihrer Gründung 1995 mit ihrem Stilmix das Metal-Genre auf und bieten mit der im April bei Spinefarm Records erscheinenden Zusammenstellung „Two Decades of Greatest Sword Hits“ ihren ganz eigenen Epos im Battle Metal.

Diesen erzählen die fünf Finnen mit einem Kompositum ihrer bisher erschienenen sechs Studioalben mit Songs, die sich, wer hätte es gedacht, hauptsächlich um Schlachten, Krieger, Ahnen und Valhalla drehen. Und Bier. Denn auch das ist für Petri Lindroos (seit 2004, Gesang und Gitarre), Markus Toivonen (einzig verbliebenes Gründungsmitglied, Gitarre), Sami Hinkka (seit 2004, Bass), Janne Parviainen (seit 2005, Schlagzeug) und Emmi Silvennoinen (seit 2007, Keyboard) nach wie vor wichtig – immer auch Spaß an ihrer Musik zu haben.
Für die Bezeichnung ihrer Musik steht allerhand zur Verfügung: Pagan, Melodic Black, Power, Folk oder auch Viking Metal, je nachdem auf welche Aspekte man sich konzentrieren möchte. Die Band selbst nennt es Melodic Folk Metal.

Ensiferum, 2015 (Copyright: Ensiferum)

Ensiferum, 2015 (Copyright: Ensiferum)

Eröffnet wird das Best Of ihrer Tradition folgend durch das ruhige Instrumentalstück „By The Dividing Stream“, das die musikalischen Erwartungen grob im Fantasybereich verankert und dann buchstäblich mit Pauken und Trompeten die Steigerung zum zweiten Titel „From Afar“ ermöglicht. Der wiederum legt direkt mit Schlagzeugdonnern, Gitarrengalopp und Kampfgrowlen los. Die vergleichsweise ruhige Melodie des Keyboards hält die Energie nur mit Mühe im Zaum und auch der Zwischenpart dient lediglich dem kurzen Luftholen, bevor die Doublebass mit Chorus wieder weiterprescht.

Nach diesen beiden Titeln vom 2009 erschienenen Album „From Afar“ geht es nur unwesentlich ruhiger mit einem Stück vom letzten Album „One Man Army“ aus 2015 weiter. Die Reihen der „Heathen Horde“ formieren sich nach einem gegrowlten Intro in einem energischen Chorus, militärisch gedrillt von klaren Rhythmen: „Our heathen horde will never fall. We’re hungry for blood, steel and war!“

Es folgt mit fröhlicher Flöte eine Ode an das „devils beverage“. „One More Magic Potion“ fand sich, zusammen mit dem letzten Titel „Victory Song“, auf dem 2007 erschienen Album „Victory Songs“. Mit entsprechenden Textpassagen und Gesangparts wird hier Pagan Metal mit Folkelementen wie traditionellen Instrumenten vermengt. Dabei nehmen sich die Schwerttragenden manchmal nicht allzu ernst: „The world was spinning in a new light I saw everything and everyone was singing this song“ – nach eigenen Angaben wird hier ein Erlebnis der Band verwertet, wo sie sich an einem Abend einer Tour statt in dem besungenen Wald in einer Großstadt verirrt haben und sich das Trinkgelage sehr abenteuerlich gestaltete.

Thematisch kann man die Halbzeit beim siebten Titel „Dragonheads“ ansetzen. Der gleichnamigen EP von 2006 entnommen, war diese Wikingerhymne ein Wendepunkt in der Geschichte der Band. Gründungsmitglied Jari Mäenpää widmete sich seinem neuen Projekt Wintersun und Ensiferum gingen ihren Weg stattdessen mit Petri Lindroos von der Band Norther weiter. Wie die Schiffe mit den geschnitzten Drachenköpfen segelten sie also voller Tatendrang zu neuen Ufern.
Dort wartete jedoch nicht nur Ruhm und Erfolg – in „Twilight Tavern“, ursprünglich auf „From Afar“ erschienen, werden die gefallenen growlenden Krieger von Walküren mit „You’ve been expected so forget your sorrow“ empfangen und heben mit Chorus im Klargesang und geshoutetem Gegengesang ihre Gläser. Kanonischer Frauengesang bietet ein ruhiges Intermezzo mit „Life is so short, oh son of the North. You’ll find your peace at the end of the journey“ bevor sich die Männergesänge zusammen mit treibenden Riffs, hämmerndem Schlagzeug und dem unbändigen Drang mitzugrölen in immer höhere Geschwindigkeiten schrauben und mit einem „Twilight Tavern!“ enden.

Ensiferum, 2012 (Copyright: Ensiferum)

Ensiferum, 2012 (Copyright: Ensiferum)

Mit „Burning Leaves“, zusammen mit „In My Sword I Trust“ auf dem kontrovers diskutierten Album „Unsung Heroes“ von 2012 zu finden, wird es düsterer und atmosphärischer. Rhythmisch fügt sich der Song durchaus ins bisherige Bild, doch ist der Klargesang viel melancholischer und der gutturale Gesang nimmt sich in den Strophen etwas zurück. Gitarre und Schlagzeug sind nicht weniger episch als in anderen Songs, schaffen hier aber andere Harmonien und die ruhigen Parts mit finnischem Gesang streuen Mystik ein, bevor sich die Gitarre in ein melodiöses Solo schraubt und dann der Refrain mit Schlagzeug und Growlen zum Finale ansetzt. „Burning leaves turn into ash before my eyes“ hallt für lange Zeit im Gedächtnis nach.

Dieses Ohrwurmpotenzial wird mit „Treacherous Gods“ von einem Singalong-Song vom Debütalbum verstärkt. Der Klargesang im Refrain lädt zum Mitsingen ein, der heroische Chorus und eingestreute Shouts und Growls bringen Abwechslung, während das Keyboard zusammen mit dem Doublebassgewitter die epische Atmosphäre komplettiert.

Ruhig und folkloristisch geht es weiter mit dem schon 2004 auf „Iron“ veröffentlichten „Lai Lai Hei“. Die eingängige Melodie wird von der großen Trommel getragen, dann steigen schlagartig alle Instrumente mit ein und genauso unvermittelt wird es wieder ruhiger. Der Wechsel verstärkt durch den Kontrast noch den Bombast dieses Arrangements, der melodische Klargesang in Landessprache wird in den Metalparts teilweise gegrowlt. Schnelle Riffs läuten einen weiteren Umschwung ein: Kräftiger gutturaler Gesang und klarer Gegengesang steigern sich in Textzeilen wie „Roaming wolves are howling for the dead, oh yeah“, unterlegt mit high pitched Screams und Bassgewitter und gipfeln im unbedingt mitzusingenden „Lai lai hei“.

Genauso abwechslungsreich geht es weiter mit dem vielleicht umstrittensten Titel der Bandgeschichte: „Two of Spades“ vom aktuellen Album „One Man Army“ überrascht nach dem klassischen Einstieg mit Growlen, Gitarre und Schlagzeug und einem Refrain, der das Prädikat „episch“ durchaus verdienen würde, mit einem Umschwung in den
Spaghetti Western gemixt mit Viking Disco. Jazzige Gitarre, Pfeifen, Klatschen, Rufe „Hoo! Ha!“ und der Klargesang auf Finnisch wirken durchaus komisch. Aber nur, bis wieder der Refrain einsetzt und alle Zweifel mit voller Wucht wegwischt. Der Stilmix funktioniert nach wie vor, und offensichtlich auch über Genregrenzen hinweg.

Nichtsdestotrotz wird mit dem folgenden Titel „Iron“ die Position im Metal gefestigt. Auf dem gleichnamigen Album 2004 erschienen, ist es kompositorisch ähnlich abwechslungsreich wie „Lai Lai Hei“ und auch der folkloristische Aspekt ist stark ausgeprägt und bietet auf harscher metallischer Basis ein taugliches Gemisch, um eine scharfe Klinge zu schmieden. „We’ll ride forever cause the iron is stronger than death“ galoppiert der Chorus mit dem Instrumentengewitter in die Schlacht.

Ensiferum, 2012 (Copyright: Ensiferum)

Ensiferum, 2012 (Copyright: Ensiferum)

Der letzte Track „Victory Song“ beginnt getragen und wird nach und nach verstärkt durch Gitarre, Schlagzeug und Keyboard, was zur in sich steigernden Rhythmik führt, bis alles mit dem gutturalen Gesang harmoniert und im Klargesang im Refrain gipfelt. Dieser wird noch akzentuiert durch Shouts und unterbrochen durch Gitarrensoli, sich zurücknehmendes Schlagzeug und dann wieder einer geschlossenen Soundwand. „Victory songs are rising in the night telling all of their undying strength and might“ bahnt sich der Song seinen Weg in die für das Mitsummen zuständigen Teile des Gehirns. Wer des Finnischen mächtig ist, kann das Interlude in Landessprache gerne auch mitsingen. Für alle anderen bleiben der epische Chorus und natürlich die Aktivierung der restlichen Körperteile.

Insgesamt wird ein stimmiges Bild der Facetten von Ensiferum gezeichnet und alle bisher erschienenen Alben sind mit einigen Tracks vertreten. Sahnehäubchen wären unveröffentlichte Titel, Gastspiele oder Neuaufnahmen gewesen. Als reines Best of taugt dieses Album aber durchaus für jede Sammlung.

Video

Tracklist

01 By The Dividing Stream
02 From Afar
03 Heathen Horde
04 One More Magic Potion
05 In My Sword I Trust
06 Token Of Time
07 Dragonheads
08 Twilight Tavern
09 Burning Leaves
10 Treacherous Gods
11 Lai Lai Hei
12 Two Of Spades
13 Iron
14 Victory Song

Details

Ensiferum – Homepage
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Label: Spinefarm Records
Vö-Termin: 01.04.2016
Spielzeit: 71:75

Copyright Cover: Spinefarm Records



Über den Autor

Maria
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