Review

Nach dem erfolgreichen Debütalbum „Flächenbrand“ gibt es nun die neue Scheibe „Schöne neue Welt“ von Engst auf die Ohren.

>Voll in die Fresse<

Die Truppe um Frontmann Matthias Engst hat es sich darauf zur Aufgabe gemacht, den Hörern mit ihren Songs zwischen hart und komplex sowie eingängig und sozialkritisch eins „voll in die Fresse“ zu geben. Die Band selbst schürt die Erwartungen an das Album wie folgt:

… es gibt wieder eine ganz klare Kante, die wir fahren, und genug in unserer Gesellschaft, was es zu kritisieren gibt. Wir nehmen das alles und schmeißen es ihnen direkt ins Gesicht. Aber dennoch, was wären ENGST ohne Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe.

Die Tracks

Der Opener „Mein Problem“ geht an alle Menschen, die versuchen, sich in das Leben ihrer Mitmenschen einzumischen. Zu Beginn ist ein leicht verzerrtes Gitarrenriff zu hören, welches mit dumpfen Trommelschlägen untermalt wird. Bereits die Melodie in den Strophen ist sehr eingängig. Ein verheißungsvoller Einstieg.

Mit „Wieder da“ folgt eine Hymne an die Fans. Die Band freut sich darauf, bald (hoffentlich) wieder live spielen zu dürfen, und so wird im Text das Tourleben verarbeitet. Im Intro sind Bläser zu vernehmen, in den Strophen dominiert der Bass. Der Refrain ist extrem eingängig und lädt zum Mitgrölen ein. Aussage des Songs: „So lange ihr uns wollt, kommen wir zurück“.

Die US-amerikanische Metalcore-Band Evergreen Terrace hat im folgenden Song „Keinen Meter“ mitgewirkt, was eine große Ehre für die Jungs von Engst war. Der Track legt in den Strophen ein gutes Tempo vor, das aber im Refrain wieder zurückgenommen wird. So wird die Message des Songs verdeutlicht. Ab Minute 2:20 übernehmen die Herren von Evergreen Terrace das Ruder und liefern einen krassen Scream-Part ab. Auch ein Breakdown darf nicht fehlen.

Mit rotzig-dreckigem Punk-Sound geht es in „Willkommen in Berlin“ weiter.
Punkig, aber zugleich elektronisch bleibt es auch im Song „Schlechtes Gewissen“. Der Gesang kommt zuckersüß, aber auch heimtückisch rüber und animiert im Refrain zum Mitsingen. Sehr vordergründig wirkt hier außerdem der Bass.

Ein ausgedehntes Intro mit stark verzerrten Gitarrenriffs und einem slappenden Bass leitet „Das ist nicht Hollywood“ ein. In den Strophen sind die Gesangparts eher als Sprechgesang angelegt. Die Refrains sind sowohl textlich als auch gesanglich eingängig; ein ordentlicher Instrumentalpart komplettiert den Song.

Engst (Copyright: Engst)

Mit dem Track „Mitleid gibts umsonst“ nimmt sich die Band selbst aufs Korn und somit den Kritikern den Wind aus den Segeln. Der Refrain macht musikalisch richtig gute Laune und man bekommt plötzlich Lust zu tanzen.

Ein doch eher langsamer, fast schnulziger Song ist „Zu Hause“. Der zum Teil melancholische Gesang wird mit cleaner Gitarre, dezentem Bass und Drums unterstrichen.

Fast schon ruhig und wehmütig – trotz der flotten rockigen Instrumentierung – wirkt der Titel „Denkst du noch an mich“. Das mag daran liegen, dass ein ruhiger, ausgedehnter Instrumental-Part kurz die Geschwindigkeit aus dem Song nimmt. Nichtsdestotrotz lädt der Gesang zum Mitsingen ein, während Hoffnung und Liebe zwischen den Zeilen mitschwingt.

Als dreizehnter Track im Bunde schließt „Soll der Teufel“ das Album ab. Eine akustische Gitarre, die cleane E-Gitarre und die Spielweise der Drums vermitteln das Gefühl, es handle sich hier um einen Country-Song. Im Laufe des Tracks kommen Gitarre, Mundharmonika und Shaker dazu. Ein perfekter Track, um mit guten Freunden zu feiern und Zeit zu genießen. Für Engst hingegen ein perfekter Titel, um ihr Album zu schließen.

Fazit

Es verlangt mitunter schon Mut, Themen wie Rassismus oder Selbstmord in Songs zu verarbeiten. Engst tun dies, setzen diese verschiedenen Themen sowohl musikalisch als auch gesanglich perfekt um und verdienen Respekt dafür.

Der Sprechgesang klingt auf „Schöne neue Welt“ zwar manchmal etwas flach, dafür besitzt Frontmann Matthias eine derart herausragende Stimme, die er gekonnt einsetzt und für einiges entschädigt.

Man darf somit hoffen, dass bald wieder wie gewohnt Konzerte stattfinden dürfen, sodass Songs wie „Wieder da“ endlich wieder laut erklingen können.

Video

Tracklist

01 Mein Problem
02 Wieder da
03 Keinen Meter (feat. Evergreen Terrace)
04 Willkommen in Berlin
05 Schlechtes Gewissen
06 Alle tragen Schwarz
07 Das ist nicht Hollywood
08 Mitleid gibts umsonst
09 Schöne neue Welt
10 Zu Hause
11 Denkst du noch an mich
12 Die Hölle hat keinen Platz mehr
13 Soll der Teufel

Details

Engst – Facebook

Label: Arising Empire
Vö-Termin: 30.10.2020
Spielzeit: 47:09

Copyright Cover: Arising Empire



Über den Autor

Selina
Carpe Noctem