Review

Auf „Tundra“ treffen Spoken Word und Post Rock aufeinander. Gemeinsam mit einer progressiven Attitüde repräsentieren diese beiden Elemente die Basis der Band Enablers. Eins sei jedoch vorweg gesagt: Wer dabei auf leichte Kost hofft, ist hier an der falschen Adresse. Der Sound der Band zeichnet sich durch strukturelle Komplexität und Facettenreichtum aus.

Besonders viel wird mithilfe der Drums aus der Musik herausgeholt. Hier wird durchgängiger Groove mit ein paar netten Effekten nebenbei verziert. Darüber legen sich oftmals cleane Riffs, während nach der üblichen Rhythm-Gitarre und der Melodie verfahren wird. Dabei bauen Enablers ihre Titel immer weiter aus und führen sie stets zu diversen Höhepunkten, welche sie genau so wieder einreißen können.

Das wohl auffälligste Merkmal in ihrer Musik sind die Vocals. Während zwar auch Hintergrundgesang zu hören ist, beschränkt man sich hauptsächlich aber auf gesprochene Lyrics. Dabei wird zwischen ruhigem Vortragen und einer schon fast unheilvollen Rede eines Propheten differenziert. Doch hier zeigt sich schon die erste Schwäche auf „Tundra“. Viel Abwechslung bietet die Stimme nämlich nicht.

Da Enablers sowieso schon einen sehr komplexen Sound auffahren, sorgt das teils monotone Verfahren beim „Gesang“ dafür, dass es noch schwerer fällt mitzukommen. Darunter leiden auch die Lyrics, da man sich als Hörer manchmal nicht mehr auf die Vielfalt aus Metaphern und Ethik konzentrieren kann.

Enablers (Copyright: Enablers)

Enablers (Copyright: Enablers)

Spannend wird es auf „Tundra“, sobald Enablers die Lautstärke urplötzlich hochdrehen und ihre Gitarren aufheulen lassen. Dann kommt sogar zwischendurch mal die Energie durch, die einen zu ergreifen weiß. Die vier Jungs stampfen sich dann buchstäblich durch die Trommelfelle, alles unterstützt von einem noch härteren Schlagzeug. Leider ist es auf der anderen Seite so, dass – wenn Enablers nicht gerade experimentierfreudig sind -, das Album nur schwer in Fahrt kommt. Oftmals fühlt es sich an, als würden die Songs nirgendwo hinführen, da entweder zu viel auf einmal los ist oder ein akustisches Prinzip eiskalt bis zum Ende durchgezogen wird. Viel hängen bleibt da leider nicht oft.

Dennoch muss man gestehen, dass es hier Momente gibt, bei denen es ganz kurz „Klick“ macht und man beim nächsten Durchgang sofort wieder dorthin zurück muss. Dabei handelt es sich oft um die leicht jazzigen Einlagen, die den Hörer wie auf einer unsichtbaren Welle leicht hin und her wiegen. Erst dann kommt „Tundra“ wirklich lässig und groovy rüber.

Auf jeden Fall denjenigen unter uns, denen simple Musik nicht ausreicht, wird „Tundra“ eine Menge Freude bereiten. Es läuft zwar nicht immer alles rund und die Songs stechen sich gegenseitig qualitativ aus, aber das musikalische Niveau wird durchgehend hochgehalten. Solide Arbeit, die man sich durchaus anhören kann.

Anspieltipps:
Februaries / New Moon / Kosovo / Four Women

Trackliste

01 A Blues For Us
02 The Destruction Most Of All
03 Carriage
04 New Moon
05 Februaries
06 Tundra
07 The Achievement
08 Kosovo
09 The Bells
10 Four Women

Details

Enablers – Facebook

Label: Atypeek Music / Exile On Mainstream Records
Vö-Termin: 30.07.2015
Spielzeit: 31:54

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher