Review

Wenn die aktuelle Platte der französischen Band Eliogabal eines nicht ist, dann berechenbar. Bei so vielen verschiedenen Genres, die den Sound des Quartetts auf „Mo“ prägen, ist dies auch nicht verwunderlich. Unter den experimentellen Jazz-Sound mischen sich unter anderem Metal- und Rockelemente.

Gleich zu Beginn sogar mit dem ersten Titel „Un Caillou Dans Ta Chaussure“, welcher mit stark verzerrten Riffs direkt durchstartet. Ebenfalls auffällig für den Song ist das Saxophon, welches eine durchgehende Atmosphäre erzeugt. Dies unterstreicht zusätzlich den interessanten Einstieg in „Mo“. Leider wird dieser direkt wieder ein wenig beschmutzt durch „La Boisson Pas L’Oiseau“. Obwohl Noise eine gewisse Rolle in Eliogabals Musik spielt, handelt es sich bei dem nachfolgenden Titel einfach nur um ungeordneten Krach. Bis zu dem angenehmeren Teil am Ende des Songs bekommt man nur nervigen Impro-Jazz um die Ohren gehauen. Hier hätte man aus den verschiedenen Spieltechniken mehr rausholen können.

Dass es aber auch durchaus anders geht, beweist die Band mit „(Almost) On The Same Line“, wo der Aspekt „Jazz“ großgeschrieben wird. Die Übergänge zu den einzelnen Klangmustern sind durchgehend flüssig und werden durch eine smoothere Schlagzeugarbeit noch unterstützt. Dieser Song bietet alles, was man von so einem Album erwartet. Die lässigen Riffs der Gitarre arbeiten gut mit dem rollenden Bass zusammen und sorgen so vereinzelt für catchige Momente. Mit dem Saxophon wurde sich bei diesem Song merklich zurückgehalten, sodass die wenigen Parts, in denen es vorkommt, noch effektiver wirken.

Bei „Mo“ hat man wirklich das Gefühl, dass sich hier fünf Musiker einfach zusammengesetzt haben und vollkommen unabhängig voneinander agieren. Dennoch greifen die vielen Instrumente gut ineinander über. Neben den zugänglicheren Jazz-Passagen kommt zusätzlich noch die experimentelle Seite von Eliogabal zum Vorschein. Diese erscheint für den Hörer mal kreativer und mal nerviger. Es ist so, dass die Geräuschkulisse zunehmend in einem guten Maß arrangiert wurde, aber in manchen Titeln ein deutlicher akustischer Überschuss davon zu spüren ist.

Eliogabal (Copyright: Eliogabal)

Eliogabal (Copyright: Eliogabal)

An dieser Stelle muss man allerdings für sich selbst Präferenzen setzen. Entweder man möchte dem eigenwilligen und rockigen Jazz lauschen. Damit macht man eigentlich nichts falsch, da Eliogabal diesbezüglich eine Menge Substanz an die Gehörgänge übermitteln. Oder aber man möchte versuchen, den abstrakten Strukturen zu folgen. Welche, sofern man die Konzentration behalten kann, wie auf „Cynorrhodon“ trotz des Durcheinanders dynamisch daherkommen.

Die Vorstellung, gerade an einer Jam-Session teilzunehmen, vermittelt „Mo“ allerdings durchgehend. Die sechs Songs sind mit einer gewissen Essenz gefüllt, was ohne Zweifel auf die musikalischen Fähigkeiten der Bandmitglieder zurückzuführen ist. Ideenreichtum in Form von Einflüssen aus anderen Musikrichtungen gibt es reichlich und so läuft ein Großteil des Albums bereits beim ersten Hören sofort flüssig durch.

So mancher Titel stellt dennoch die Ohren auf die Probe, abgerundet werden diese dann meist am Ende durch zugänglichere Passagen. Wer es experimentell mag, mit dem Schwerpunkt auf Anekdoten zum Jazz, und einen leichten Einstieg bevorzugt, ist hier richtig.

Video

Trackliste

01 Un Caillou Dans Ta Chaussure
02 La Boisson Pas L’Oiseau
03 Syndrome Marfan (Au Summum De La Tronçonneuse)
04 (Almost) On The Same Line
05 Drague Du Pigeon
06 Cynorrhodon

Details

Eliogabal – Homepage
Eliogabal – Facebook

Label: Atypeek Music / BeCoq Records
Vö-Termin: 28.02.2015
Spielzeit: 30:12

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher