Review

„Electrostorm“ – der Name der Samplerreihe aus dem Hause Out of Line gibt bereits die Stilrichtung vor, welcher die hier vertretenen Bands und Projekte frönen. So liefert auch „Volume 6“ mit 17 Tracks eine bunte elektronische Mischung, die von seichter Synth- und Futurepop-Beschallung bis hin zu harschen Beats reicht. Die Bandbreite der elektronischen Musik ist ebenso vielschichtig wie abwechslungsreich und genau das spiegelt die Compilation auch wider.

Schon mit dem Opener „Above The Sun“, ein Song aus dem noch aktuellen Album „Supercluster“ des Berliner Duos Formalin, reißt man die Hörer mit und zeigt ihnen durch diesen Ohrwurm wie Industrial-Anleihen inklusive experimenteller Schlagseite gekonnt mit eingängigen Melodien und Beats kombiniert werden.

Als „Modification Edit“ schließt sich der Song „I Idolize You“ von Massive Ego an, dessen Video ihr unter diesem Artikel anschauen könnt. Das Tempo wird im Vergleich zu „Above The Sun“ ein wenig gedrosselt, nichtsdestotrotz verliert der Track dadurch nichts an seiner Eingängigkeit.

Blutengel, nach ihrem Album „Omen“ auch auf „Electrostorm – Volume 6“ mit von der Partie, sorgen in „Not Me (Leave In Silence)“ mit repetitiven Textzeilen für eine angenehme Monotonie, die dazu führt, dass der Song umgehend ins Ohr geht.

Ganze 5:36 Minuten laden anschließend Ashbury Heights mit ihrem Titel „Phantasmagoria“ zum Tanzen ein, bevor Angels & Agony den Titeltrack ihres jüngsten Outputs „Monument“ zum Besten geben.

Neben Beiträgen von den Szene-Urgesteinen Suicide Commando („My New Christ“), den harscheren Hocico („In The Name Of Violence“), Combichrist („From My Cold Dead Hands“ als Remix by Ginger Fish feat. Disco Death Rock) und Solitary Experiments, deren Track „Beg Your Pardon“ nicht nur auf „Electrostorm“ eine gute Figur macht, sondern auch als sinfonisches Arrangement auf ihrem Album „Heavenly Symphony“, finden sich mit The Sexorcist („Hate Anthem“ als „Rough Studio Outtake“) und Tanzresonanz („Open Your Eyes“) zwei Nebenprojekte von Agonoize auf dem Sampler wieder sowie ex-Din [A] Tod unter dem Namen Sleepless In Pyongyang.

Nach den Songs mit vornehmlich englischen Lyrics beweisen Melotron, die letztes Jahr ihre Best-of Scheibe „Werkschau“ veröffentlichten, in ihrem Track „Brüder“, wie Electro auch auf Deutsch funktionieren kann. Ein Titel, der sich entwickelt, um im Refrain auch den letzten Hörer abzuholen und für sich einzunehmen.

„Electrostorm – Volume 6“ – hier stimmt die Songauswahl genauso wie das Preis-Leistungs-Verhältnis. Sicherlich werden die einen Songs mehr und die anderen weniger gefallen, das hat eine Compilation nun einmal so an sich, dennoch machen tanzwütige Clubgänger und Electro-Fans mit dem Erwerb des Silberlings und seiner illustren Auswahl an nationalen und internationalen Top-Acts und Newcomern nichts falsch. Neben u.a. unveröffentlichten Songs und Remixversionen wird das beste aktuellste Material aus dem Out of Line-Stall geboten, das nicht nur auf Szenegrößen, sondern auch auf neue Projekte treffen lässt, die ansonsten eventuell in der Masse an Künstlern und Veröffentlichungen untergehen. Dem „Electrostorm“ kann man sich daher nur schwer entziehen.

Video

Tracklist

01 Formalin – Above The Sun
02 Massive Ego – I Idolize You (Modification Edit)
03 Blutengel – Not Me (Leave In Silence)
04 Ashbury Heights – Phantasmagoria
05 Angels & Agony – Monument (Edit)
06 Too Dead To Die – FXXXCK It All
07 Suicide Commando – My New Christ
08 Hocico – In The Name Of Violence
09 The Sexorcist – Hate Anthem (Rough Studio Outtake)
10 Chrom – Regrets & Testify
11 Accessory – Ship Of Fools
12 Sleepless In Pyongyang – Operator
13 Dear Strange – I Can See Through This
14 Solitary Experiments – Beg You Pardon
15 Melotron – Brüder
16 Tanzresonanz – Open Your Eyes
17 Combichrist – From My Cold Dead Hands (Remix by Ginger Fish Feat. Disco Death Rock)

Details

Label: Out of Line / Rough Trade
Vö-Termin: 22.05.2015
Spielzeit: 77:12

Copyright Cover: Out of Line



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde