Review

Seit ihrem letzten Album „Dark Asylum“ ist die Band Elandor gewachsen – sowohl klanglich als auch (durch den „Neuzugang“ der Violinistin Indra Süss) die Bandgröße betreffend. Ihr Sound klingt auf dem neuen und inzwischen vierten Album „Loveless Mind“ ausgewogener und die Tracks gewinnen an Nachhaltigkeit; heißt, Songs wie „Ohne Dich“ bleiben auch nach dem Konsum noch lange im Ohr und fordern ein wiederholtes Abspielen.

Doch immer noch kränkelt die Scheibe an der Vergeudung von potenziellen Hits. Elandor geben sich des Öfteren sehr abwechslungsreich und vielschichtig innerhalb eines Songs, sodass die Griffigkeit, die typische Dark Rock/Gothic Rock Nummern ihr Eigen nennen, auf der Strecke bleibt.

Mangelt es den Songs aber an Eingängigkeit, wird stattdessen auf Atmosphäre gesetzt, wie der Song „Cold Funeral“ beispielsweise zeigt. Dadurch verlieren die betroffenen Titel zwar an Nachhaltigkeit, sorgen aber für die Dauer des Hörens für interessante und stimmungsvolle Parts.

Besonders in diesen Momenten profitiert die Musik Elandors von den mittlerweile viel besser, harmonischer und somit weniger dominant integrierten Synths. Jene werden mit den im Vordergrund stehenden Gitarren und Drums letztlich auch durch eine satte und druckvolle Produktion ausgewogen dargeboten, sodass es klanglich nichts an „Loveless Mind“ zu kritisieren gibt.

Und das, obwohl Elandor die Hörer mit dem Intro auf Synth-Basis, „The Unforgotten“, zunächst scheinbar auf eine falsche Fährte locken wollen. Ehe man jedoch befürchten muss, die Band habe sich nun ausschließlich den elektronischen Klängen verschrieben, korrigiert bereits der nachfolgende und gleichzeitige Titeltrack „Loveless Mind“ die Richtung. Es wird düster, melancholisch, kurz Dark- bzw. Goth-rockig.

Elandor (Copyright: Elandor)

Elandor (Copyright: Elandor)

Und diese stilistische Richtung unterstreicht zudem der Gesang von Markus Kühnel, der sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch zu überzeugen weiß. Zwar erinnert seine Stimme und Intonation stellenweise sehr an Alexander „Asp“ Spreng (ASP), doch das muss nicht unbedingt negativ gewertet werden, immerhin können sich ASP-Fans dadurch mit Elandor eine gute Alternative ins Haus holen, wenn die Frankfurter mal kein neues Material veröffentlichen. Natürlich fördert diese Ähnlichkeit nicht gerade den Wiedererkennungswert von Elandor, doch neben den gesanglichen ASP-Anleihen liefert Kühnel immer mal wieder auch eine „hellere“ und individuellere Note ab. So oder so passt seine Stimme zum gewählten Genre und der Wechsel von „hohem“ Gesang zu düsteren Strophen – wie brillant im bereits hervorgehobenen Titel „Ohne Dich“ zu hören – bringt nicht nur auf der Gesangsebene Abwechslung, sondern zeigt vor allem die gesangliche Bandbreite Kühnels.

In diesem Song sticht außerdem Violinistin Süss hervor, die mit ihrem Spiel nicht nur den melodischen Aspekt des Tracks betont, sondern auch eine angemessene Portion musikalische Dramatik auf dem Album verewigt.

Fans des Genres werden auf „Loveless Mind“ solides Material für ihren Musikgeschmack finden. Dass Elandor außerdem mit jedem Album stärker und ausgefeilter auftreten, lässt auf weitere vielversprechende Veröffentlichungen hoffen. Jetzt noch den richtigen Riecher für unvergängliche Genre-Hits und die Hörer wären wunschlos glücklich.

Video

Tracklist

01 The Unforgotten
02 Loveless Mind
03 Ohne Dich (feat. Indra Süss)
04 Obscura
05 Rising Fear
06 Tales Of Hearts
07 Her Song (feat. Indra Süss)
08 Desire
09 Withering Pureness
10 Cold Funeral
11 Shattered Hope
12 Redemption
13 The Light

Details

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Label: Echozone / Bob-Media / Believe Digital
Vö-Termin: 30.10.2015
Spielzeit: 57:46

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde