Review

Während der Winter langsam, aber sicher dem Frühling Platz macht, hält er bei dem neuen Synth-/Futurepop Projekt Eisfabrik jetzt erst Einzug, denn mit „When Winter Comes“ debütiert das dahintersteckende Trio nicht nur, es spielt auch mit jeglichen Assoziationen rund um die kalte Jahreszeit.

Kalt ist somit auch das Stichwort, denn eine gewisse Kühle zieht sich durch das gesamte Album. Ungewohnt beim ersten Hören, ist die Mehrheit der Synthpop-Songs doch dafür bekannt, trotz steriler elektronischer Klänge eine gewisse Wärme an den Hörer zu transportieren; sei es beispielsweise durch wohlig eingängige Melodien oder warmem Gesang. Beides ist zwar auch auf „When Winter Comes“ vorhanden, trotzdem will der wärmende Funke nicht prompt beim ersten Durchlauf auf den Hörer überspringen. Erst nach mehrmaligem Hören zünden einige Tracks recht gut und entpuppen sich dabei sogar als clubtauglich. Vor allem sind es jene Titel wie „Free“, in denen darauf verzichtet wurde, die Vocals zu verzerren, sondern sie vielmehr unverfälscht zu präsentieren, die überzeugen.

Dass Eisfabrik nicht sofort die Karte der Eingängigkeit ausgespielt hat, wundert insofern, als dass hier doch langjährig aktive Musiker am Werke sind, die jedoch ihre Identität hinter Pseudonymen wie Dr. Schnee, Der Frost und °Celsius verbergen; mit Absicht, wie es im Infoschreiben heißt, denn damit möchte das Trio verhindern, mit ihren bisherigen Projekten und Schaffen verglichen zu werden, um mit Eisfabrik etwas ganz Neues zu schaffen.
Die Information, wer also genau hinter Eisfabrik steckt, bleibt somit vorerst Insidern und eventuell noch Fotografin Annie Bertram vorbehalten, die für die gelungenen und stimmungsvollen Bandfotos verantwortlich ist. Es soll ihnen gegönnt sein und so konzentrieren auch wir uns ganz auf die Musik.

Diese ist – wie bereits erwähnt – im Bereich des Synth- und Futurepop angesiedelt und könnte jenen gefallen, die sich für VNV Nation und Co. begeistern.

Eisfabrik (Copyright: Eisfabrik / Annie Bertram)

Eisfabrik (Copyright: Eisfabrik / Annie Bertram)

Schon der Opener „Eisfabrik“, eher ein Intro als ein vollwertiger Song, verrät die stilistische Richtung des Albums.
Die elektronische Basis der Tracks auf „When Winter Comes“ variiert gekonnt zwischen angenehm treibenden Beats und harscheren Klängen. Diese Abwechslung, die dem Album damit zuteilwird, verhindert aber nicht, dass einige Songs am Hörer nur sehr unaufgeregt und ohne nachhaltig zu wirken vorbeiplätschern. Gut, dass Titel wie „Vor langer Zeit“ auf dem Silberling platziert wurden, die durch ihre Andersartigkeit innerhalb der zwölf Songs auf „When Winter Comes“ aufmerken lassen. Von gesungener Poesie, die stellenweise an Mantus oder Illuminate erinnert, könnte dabei die Rede sein, denn das Duett, bestehend aus männlicher und weiblicher Stimme und zudem mit deutschem Text versehen, weist einige Parallelen zu genannten Bands auf, bleibt darüber hinaus jedoch sehr eigenständig.

Betrachtet man nur die technische Seite des Albums, wird man Eisfabrik Professionalität bescheinigen können. Was ihrem Debüt jedoch noch fehlt, ist trotz des gefahrenen Konzepts ein wenig mehr Wärme, sodass die Songs den Hörer mehr zu packen wissen, um „When Winter Comes“ nicht nur als Hintergrundbeschallung verkommen zu lassen.

Video

Tracklist

01 Eisfabrik
02 Ice Crystal
03 Friends
04 Free
05 Always Continue
06 Don’t Be Afraid
07 Polar Night
08 A Million Lights
09 Sometimes
10 Without You
11 Unreal
12 Vor langer Zeit

Details

Eisfabrik – Homepage
Eisfabrik – Facebook
Eisfabrik – Twitter

Label: Eismusik / Broken Silence
Vö-Termin: 13.02.2015
Spielzeit: 56:39

Copyright Cover: Eismusik



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde