Review

2007 gegründet, 2013 mit dem Album „Never Surrender“ debütiert und 2015 mit der 4-Track EP „Horse Of Hell“ nachgelegt – die bayerische Band Eisenhauer will zeigen, „Metal will never die“. Entsprechend tritt man in die Fußstapfen der Großen und bedient sich – nach thrashiger Ausrichtung auf dem Debüt – nun klassischer Heavy Metal Strukturen mit Traditionsbewusstsein für die guten alten 80er. Doch damit nicht genug bricht das Quartett aus Kaufbeuren oftmals durch schleppende Gitarren aus der gesteckten Genregrenze aus und klopft gemeinsam mit einem angenehm dumpfen Drumming dezent an die Stoner-Doom-Tür an.

Diese Passagen bilden auf „Horse Of Hell“ jedoch die Ausnahme und sorgen für ein bisschen Abwechslung innerhalb der mit Spielzeiten von 5 bis 7 Minuten doch ungewöhnlich langen Tracks, in denen ansonsten galoppierende Gitarren und bewährte Riffs an der Tagesordnung stehen. Trotz der tragenden Momente kommen Eisenhauer somit solide auf den Punkt und kein Song will dem Hörer so gar nicht gefallen.

Energetisch und gewaltig (vor allem stimmlich) dreht der Silberling „Horse Of Hell“ daher seine Runden im Player und abgesehen von hörbaren Anleihen an Running Wild oder Iron Maiden im Song „Never Surrender“ bleiben Eisenhauer recht eigenständig und auf EP-Länge musikalisch konsequent.

Dieser Eindruck wird zum einen vom erdig-rauen Sound, der für eine Eigenproduktion natürlich weit entfernt von hochkarätiger Klangqualität ist, dafür aber trotzdem ganz anständig ausfällt, zum anderen von der Stimme des Sängers und Gitarristen Christian „Waxe“ Wagner unterstützt, die als Aushängeschild der Band angesehen werden kann und vermutlich nicht ganz unbeabsichtigt des Öfteren ins Zentrum des klanglichen Geschehens gerückt wurde. Trotz seiner markanten Sangesart hätten einigen Stellen (z.B. in „Sail My Soul“) jedoch zusätzliche Backingvocals gutgetan.
Insgesamt kann und sollte der eigene Charakter der Band weiter ausgebaut werden und eventuell schadet auch Mut nicht, sich nicht nur an typischem und damit wenig überraschendem Riffing festzuhalten.

Eisenhauer (Copyright: Eisenhauer)

Eisenhauer (Copyright: Eisenhauer)

Gleiches gilt für die Songtexte. Zwar bedienen sich Eisenhauer nicht an offensichtlich klischierten Lyrics, dennoch fallen die Zeilen doch sehr simpel aus. Da handwerklich alles stimmt, holen die Tracks die Hörer trotzdem ab – wer achtet beim Headbangen auch schon auf Sinnhaftigkeit der gesungenen Zeilen. Anspruchsvoller als alle Ballermann-Hits zusammen sind die Titel von „Horse Of Hell“ allemal, und dank der hohen Melodiestärke und Songs wie „Eisenhauer“, die sogar ab und an einen Hymnencharakter aufweisen, rücken die Texte sehr schnell in den Hintergrund.

Inwieweit Eisenhauer auch auf Albumlänge mit ihrem mehr heavy statt thrashy Metal überzeugen können, bleibt abzuwarten. Für eine Überbrückung dieser Wartezeit haben sie mit „Horse Of Hell“ aber schon gesorgt und mit jener sollten alle Genre-Fans auf ihre Kosten kommen.

Video

Tracklist

01 Sail My Soul
02 Horse of Hell
03 Never Surrender
04 Eisenhauer

Details

Eisenhauer – Facebook

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 14.11.2015
Spielzeit:23:58

Copyright Cover: Eisenhauer



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde