Review

In der gitarrenlastigen Musikgeschichte gibt es eine Zeit vor Nightwish und eine Zeit danach. Die Epoche nach den finnischen Melodic-Metallern ist geprägt von trällernd umherziehenden Kombos samt Frontfrauen, die sich in abenteuerliche Tonhöhen versuchen emporzuschrauben, um Tarja Turunen das Wasser zu reichen. In diese inzwischen schon ziemlich ausgetretenen Fußstapfen möchte auf eine gewisse Art auch die Band Eilera mit ihrem Album „Face Your Demons“ treten. So scheint es zumindest.

Denn um ehrlich zu sein – ob hier nun Nightwish oder vielleicht auch Björk das Vorbild war, kann keiner so genau sagen. Die finnische Band rund um die französische Sängerin, Gitarristin und Komponistin Aurélie Potin Suau (alias Eilera) hat nämlich musikalisch eine recht ungewohnte Zusammenstellung aufs Tableau gebracht. Im sogar schon vierten Studioalbum treffen schlicht gesagt Welten aufeinander.

Der Titelsong „Face Your Demons“ eröffnet den Silberling mit düsteren Orgelklängen und feinstem 90er Synthie-Keyboard-Sound, um eine orchestrale Atmosphäre zu kreieren. Das gelingt leider nur mittelmäßig, denn man fragt sich, ob man sich im CD-Regal aus Versehen vergriffen und in der Retro-Abteilung gelandet ist. Ein wirklich moderner Hauch umweht das Stück leider nicht, obwohl es musikalisch sicherlich nicht schlecht gemacht ist.

Besonders der Gesang ist vorsichtig gesagt speziell. Dass die Sängerin mit ihrem Organ durchaus umgehen kann, beweist sie auf der Platte an verschiedenen Stellen. Doch dann driftet sie auch immer wieder in verspielte Melodien ab, versucht den Songs eine nordische Leichtigkeit zu verleihen, wodurch ihre Stimme leider manchmal fast bricht und zu quäkig klingt. Eine relativ gelungene Variante ist jedoch der zweite Track „Your Way“, wobei hier der Refrain wiederum dank massivem Gebrauch der sinnentleerten Silbe „La“ etwas redundant daherkommt. Dafür flechten die Musiker charmante Folk-Elemente in den Metal-Sound ein.

Da die Frontfrau der Band ja ursprünglich aus Frankreich stammt und nun in Finnland lebt, ist es kein Wunder, dass ihr Englisch vielleicht nicht das perfekteste ist. Jedoch fällt die unrunde Aussprache an einigen Stellen wirklich unangenehm auf, macht das Textverständnis ab und an sogar unmöglich. Ein kleiner, aber nicht zu verachtender Kritikpunkt. Im dritten Song „Deadly Together“ switcht Eilera übrigens für eine Strophe in ihre Muttersprache, und siehe da – der Klang ihrer Stimme wird gleich runder, voller und insgesamt schöner. Wie wäre es denn mit einem französischsprachigen Album?

Musikalisch gibt es auf der Platte keine großen Besonderheiten. Mal klingt es wie Goth-Rock, mal wie Melodic Metal und dazwischen purzeln scheinbar wahllos Folk-Violinen und Synthesizer-Klänge hinein. Doch diese beiden Ausreißer helfen nicht über den im Großen und Ganzen doch eher gewöhnlichen Eindruck der Lieder hinweg. Der entstandene Sound von „Face Your Demons“ ist solide, aber an keiner Stelle atemberaubend. Ab und an zieht die Band sich selbst auch etwas hinab – wie etwa beim fünften Song „Frozen Path“. Musikalisch und auch gesanglich ein recht eingängiges Stück mit abwechslungsreichen schnellen und langsamen Passagen, aber was soll das Klischee-Wolfsgeheul im Hintergrund?

Eilera (© Paavo Lötjönen)

Eilera (Copyright: Paavo Lötjönen)

Und auch im Song „Cure“ gibt es eine etwas abenteuerliche Stelle, wenn Elektrobässe und verzerrte Gitarrenriffs plötzlich – fast wie in einem Techno-Song – den wispernden Gesang von Eilera in hämmernder Weise unterfüttern. Sicherlich eine interessante Idee, aber da der Song ansonsten keinerlei Elektro-Allüren hat, fühlt es sich mehr nach Verzweiflungstat an, als nach harmonisch gewachsenem Esprit.

Somit bleibt am Schluss zu sagen, dass die zehn Songs auf „Face Your Demons“ durchaus hörbar sind, jedoch keine großen Emotionen hervorrufen. Ob der Vergleich mit Nightwish unbedingt sein muss, ist fraglich, denn diesem Vorbild scheint die Band gar nicht wirklich nacheifern zu wollen. Allerdings haben sie ihre Linie wohl noch nicht gefunden. Auf ihrer Identitätssuche ist dieses Album wohl nur ein weiterer Schritt, der jedoch Potenzial aufdeckt.

Anspieltipps
Your Way | Frozen Path | Face Your Demons

Video

Tracklist

01 Face Your Demons
02 Your Way
03 Deadly Together
04 Angel Made Temptress
05 Frozen Path
06 Polynia
07 Cure
08 Into The Sea
09 Male/Female Balance
10 Protect You
11 Frozen Path (Finnvox Version)
12 Into The Sea (Finnvox Version)

Details

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Label: Echozone / Soulfood
VÖ-Termin: 30.09.2016
Spielzeit: 50:59

Copyright Cover: Echozone



Über den Autor

Silvana
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A Cat is Purrfect.