Review

Bereits mit ihren Singleauskopplungen „No Harm“, „Marching Orders“ und „Life Is A Fear“ zeigten Editors den Hörern auf, wie unterschiedlich ihre Songs auf dem neuen und inzwischen fünften Studioalbum „In Dream“ klingen können und doch die ganz eigene Handschrift der Briten tragen.

Während der insgesamt zehn Songs auf „In Dream“ schicken Editors die Konsumenten mit stets zaghaften Bewegungen auf die Tanzfläche, nur um sie anschließend in eine umso tiefere Melancholie versinken zu lassen, ohne jedoch die Grenze zur Lethargie zu überschreiten. Erzeugt werden diese Befindlichkeiten vor allem durch Tempovariationen und der Mixtur aus Pop, Elektronik und einem Hauch New Wave/Post-Punk in der Tradition von Joy Division und Co.
Wider Erwarten bleibt die Atmosphäre auf „In Dream“ aber doch durchgehend ähnlich. Auch wenn es mal ein wenig poppiger und zügiger zugeht, während die Editors in diesen Momenten gerne auch mal an Coldplay erinnern, haftet auch jenen Tracks ein düsterer Touch an, der hervorragend in die kalte Jahreszeit passt und in der Mehrheit der Titel durch die Stimme von Frontmann Tom Smith hervorgerufen wird.

Ohne diese würden gleichsam aber viele Titel gerade wegen ihrer ausstrahlenden Ruhe Gefahr laufen, in Belanglosigkeit zu versinken. Durch die elektronische Grundausrichtung von „In Dream“ werden Emotionen daher selten allein durch die Musik transportiert. Dies geschieht meist nur dann, wenn Klavier- oder Streichersequenzen den Tracks hinzugefügt werden. „At All Cost“ ist dafür ein gutes Beispiel, denn hier arbeiten Gesang und die musikalische Inszenierung harmonisch zusammen.

Ohne Tom Smith würde „In Dream“ also einfach nicht so funktionieren, wie es das Album letztlich tut. Dieser bleibt aber nicht über die gesamten Songs allein, denn unter anderem im „The Law“ erhält er gesangliche Verstärkung von Rachel Goswell, Sängerin und Gitarristin der Shoegaze Band Slowdive. Das Duett wird geprägt von reichlichen Halleffekten, die beide Stimmen sanft in die Gehörgänge fließen lassen, was im starken Kontrast zu den im Gegensatz dazu geradezu brachial wirkenden elektronischen Elementen steht.
Auch in „Ocean Of Night“ ist Goswell im Background zu hören und verpasst dadurch dem Titel ein wenig mehr Dichte.

Dichte ist zudem ein gutes Stichwort, denn daran mangelt es den Tracks auf „In Dreams“ nicht.
Insbesondere durch Synthie-Loops und den Wechsel von Smith‘ dunklem, eindringlichem Stimmvermögen hin zur Kopfstimme (z.B. in „No Harm“) und in „Salvation“ ebenfalls durch die Entwicklung hin zur Opulenz gewinnen die Songs an Intensität. Dass sie darüber hinaus sowohl textlich als auch musikalisch von Wiederholungen leben, verleiht ihnen einen oftmals hypnotischen Charakter.
Durch die glasklare Produktion manövrieren Editors allerdings selbst die eigenwilligste New Wave-Attitüde oder die experimentierfreudigste Passage in Richtung Massentauglichkeit.

Editors (Copyright: Rahi Rezvani)

Editors (Copyright: Rahi Rezvani)

Wer übrigens die Songtexte, die durchaus beachtenswert sind, im Booklet verfolgen oder nachlesen möchte, wird enttäuscht sein, denn weder in Gänze noch in – selbst für Interessierte mit 100%iger Sehkraft – angenehmer Größe fanden jene Eingang in das kleine und damit kompakt ausfallende Beiheftchen.

Trotz eines hohen Grads an Eingängigkeit bedarf es bei einigen Songs auf „In Dream“ einem mehrmaligen Konsum, bis die Songs zünden. Belohnt wird man dann aber mit interessanten Entwicklungen, die zwar mal mehr und mal weniger experimentelle Züge aufweisen, insgesamt jedoch sehr gefällig ausfallen. Teilweise allerdings derart gefällig (und auch entschleunigt), dass Belanglosigkeit droht. Es empfiehlt sich daher, zu Kopfhörern zu greifen, um insbesondere die sehr ruhigen Stücke mit der nötigen Aufmerksamkeit zu hören.

Video

Tracklist

01 No Harm
02 Ocean Of Night
03 Forgiveness
04 Salvation
05 Life Is A Fear
06 The Law
07 Our Love
08 All The Kings
09 At All Cost
10 Marching Orders

Details

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Label: [PIAS] (Play It Again Sam)
Vö-Termin: 02.10.2015
Spielzeit: 51:08

Copyright Cover: Play It Again Sam



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde