Review

Mächtig unschön sieht die Gestalt auf dem Cover von „Withered“ aus. Möchte sie uns zeigen, wie man sich nach dem neuen Material der Berliner Band Earthship fühlt?

Bei der sympathischen Gruppe handelt es sich um eine seit mehreren Jahren bekannte Metal/Stoner Rock Band, die derzeit bei Pelagic Records unter Vertrag ist. Manche wissen vielleicht, dass Jan Oberg vor sehr langer Zeit auch bei The Ocean zugange war. Somit war der Schritt zum derzeitigen Label des The Ocean-Kopfes naheliegend. Von diesem Label erhalten sie den optimalen Background, da das Portfolio ziemlich breit gefächert ist.

„Withered“ ist in erster Linie ein Ohrenschmaus für Fans von Crowbar, Mastodon oder Entombed. Earthship wandern zwischen Metal und Sludge/Stoner Rock hin und her. Jans gewaltige Stimme passt optimal zu dieser Truppe.

„Sanguine“ bildet den Beginn der Scheibe und hat eher einen Introfaktor, ist aber eine ziemliche Walze. Solchen Rock könnte man aus Deutschland öfter hören.

Weiter geht es mit „Serpent Cult“, was dann schon sehr in Richtung Mastodon geht. Hier und da ein paar psychodelische Sounds und einen fetten Gitarrenklang. Gebrüll überwiegt im Song, wobei er durch gelegentlichen Gesang aufgelockert wird. Das Schlagzeug kracht ordentlich und der Bass lässt die Magengegend beben. Der Song rockt ziemlich und kommt dolle groovig daher.

Gerade dies ist die Stärke von Earthship. Groovige Songs, die zwischen Härte und Gefühl balancieren. Dabei immer den Blick auf die großen Vorbilder. Hier kränkelt „Withered“ aber leider auch gewaltig. Das Material klingt wie schon des Öfteren da gewesen. Auch wenn die Songs funktionieren, weisen sie kein Alleinstellungsmerkmal auf.

„Emerald Blades“ lockert das ganze Stoner-Image wieder auf. Viel Metal, flinke Beats und Gitarrenriffs. Hier kann auch der Mix überzeugen, denn die langsamen Parts drücken so richtig ins Gesicht und lassen den Kopfnicker raushängen.

Earthship (Copyright: Earthship)

Earthship (Copyright: Earthship)

Dennoch stellt sich eine Eintönigkeit ein. Wenn man die Platte am Stück hört, dann läuft diese nur so durch ohne den „boar, war der Part fett“- oder „Was war denn das gerade, das muss ich noch mal hören“-Effekt. Leider muss man sagen, denn die Band hat hier einen coolen Stil gefunden, doch das gewisse Etwas fehlt. „Iron Chest“ war da deutlich eingängiger und konnte mit Riffs punkten, die auch hängen geblieben sind.

Als Prolog gedacht verabschieden sich Earthship mit dem Titeltrack. Keine Offenbarung, aber es werden noch mal die dicksten Hufen ausgepackt, um zu zeigen wer die Stoner Hosen an hat.

Fazit: Dicke „Cojones“ haben Earthship. Viele Songs auf „Withered“ walzen alles nieder. Alle Instrumente bilden eine Einheit unter der gewaltigen Stimme von Jan. Dennoch kann das gesamte Album nicht auf Dauer überzeugen. Nach mehreren Durchläufen stellt sich leider ein gewisses Desinteresse ein, da war mit den Vorgängeralben mehr drin. Sludge-/Stoner-Fans werden dennoch ihre helle Freude mit diesem Album haben und es hart feiern. Alle anderen sind mit den Vorgängerscheiben etwas besser bedient.

Video

Tracklist

01 Sanguine
02 Serpent Cult
03 The Garden
04 Dead Faint
05 Adrift
06 Throne of Bones
07 Veil of Gloom
08 Lament of Torment
09 Emerald Blades
10 Withered

Details

Earthship – Homepage
Earthship – Facebook

Label: Pelagic Records
Vö-Termin: 12.09.2014
Spielzeit: 34:18

Copyright Cover: Pelagic Records



Über den Autor

Marcus
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