Review

Unsere Metal-Sludger aus der Hauptstadt sind zurück.
Der Berliner Untergrund bringt viele gute Bands hervor, doch muss man sie teilweise akribisch suchen. Earth Ship haben es geschafft, aus dem dicken Dunst emporzusteigen und sich einer breiteren Masse präsentieren zu können. Mit Napalm Records im Rücken sollte der Weg geebnet sein.

„Hollowed“ heißt das neue Werk für 2016 und man wird feststellen, dass die Band nach dem mittelmäßigen „Withered“ aus 2014 damit einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Das Quartett traut sich mehr und gibt sich anderen Stilen gegenüber deutlich offener.

„Reduced To Ashes“ schimpft sich der Opener, der recht mystisch daherkommt und dank saftigem Gitarrensound ziemlich stark klingt. Anfangs kann man einen sludigen Djent-Sound erwarten mit passendem Riff. Jans Stimme, ob Screams oder Gesang, passt nach wie vor wie die Faust aufs Auge. Der sackschwere Sound drückt die Hörer regelrecht in den Sitz, wo man die Dreiviertelstunde gerne verbleibt.
Das liegt zum Großteil auch an den deutlich eingängigeren Songs, die nicht nur so durchlaufen, sondern ohne Weiteres am Stück gehört werden können. Titeltrack „Hollowed“ sollte etwas für die Fans von Mastodon sein, mit denen man die Band des Öfteren vergleichen kann. Dank ihres wirklich eigenen Gitarrensounds gibt es aber noch genug Unterschiede.

Wer sich auf einfache Tracks zum Mitgehen freut, könnte hier und da jedoch enttäuscht werden. Earth Ship gehen auf „Hollowed“ einen Schritt in die experimentellere Richtung. Man probiert mehr mit Sounds und Klanglandschaften aus. Das tut der Band auch gut, denn wie schon gesagt, war das letzte Album recht limitiert und eingefahren. Der Song „Monolith“ zeigt daher zum Beispiel, was in der Band steckt. Virtuose Gitarren, ein Drum, das den Namen auch verdient, und sphärischer Gesang, der aus der letzten Dunkelkammer stammen könnte. Wer die neuen Earth Ship erleben will, sollte sich an diesem Track satthören.

Natürlich vergisst die Band nicht, wo sie herkommt, und deshalb gibt es Perlen wie „Valley Of Thorns“. Schnell und kraftvoll lässt man heftige Riffs wirken, eine gewisse Southern-Note ist ebenfalls zu vernehmen. Die Metal-Note geht auf „Hollowed“ sogar in Richtung Black Metal mit viel Rock darunter. Das wirkt sehr frisch und lädt zum mehrmaligen Hören ein.

Earth Ship (Copyright: Bastian Grimberg)

Earth Ship (Copyright: Bastian Grimberg)

Soundtechnisch wird man von Earth Ship selten enttäuscht, so auch auf „Hollowed“. Jan scheint kein Blut in seinen Adern zu haben, sondern Strom für den puren Gitarrensound. Das Schlagzeug ist richtig fett und monumental. Diese beiden Komponenten bilden die Basis der Band, doch verdankt man Sabine den bauchigen Unterton. Ihr wird genug Platz für den Bass gelassen, sodass die Songs noch satter wirken. Diesbezüglich kann man also nicht meckern.
Wo man allerdings einen kleinen Aufschrei vergeuden könnte, wäre bei den teilweise merkwürdigen Melodie- und Gesangslinien sowie dem Überstrapazieren von Parts.

Abschließend kann man Earth Ship allerdings nur beglückwünschen, denn „Hollowed“ ist nach „Withered“ ein kräftiger Schritt nach vorne. Man erschließt neue Gebiete und zeigt wieder mehr Spielfreude. Der Sound ist rund und die Songs sind allesamt gut. Seltene Melodiediskrepanzen trüben das sonst so gute Bild der Scheibe nur geringfügig. Fans von harter Musik mit lässigem Charakter müssen zugreifen!

Video

Tracklist

01 Reduced To Ashes
02 Hollowed
03 Valley Of Thorns
04 Conjured
05 Monolith
06 In Fire’s Light
07 In The Arms Of Medusa
08 Castle Of Sorrow
09 Safeguard Of Death
10 Red Leaves
11 The Edge Of Time

Details

Earth Ship – Homepage
Earth Ship – Facebook

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 24.06.2016
Spielzeit: 48:06

Copyright Cover: Napalm Records

Merken

Merken

Merken



Über den Autor

Marcus
Marcus