Review

2012 war das Jahr, in dem das Projekt Dystopian Society aus Italien sein Debütalbum „Cage“ auf die Post-Punk Gemeinde und dessen Umfeld losließ. Drei Jahre später melden sich Max und Sara zurück, um ihre düstere, deathrockige Vision einer dystopischen Gesellschaft erneut kundzutun – und zwar mit neun neuen Tracks, die auf dem zweiten Album namens „Overturned Reality“ zu finden sind.

Mit dem „Intro“ lassen Dystopian Society zunächst ihre Hörer an einem italienischen Radiosendersuchlauf teilhaben. Auf das Kommende stimmt jener zwar nicht unbedingt fachmännisch oder nachvollziehbar passend ein, dafür leitet das Projekt damit nahtlos in Folgesong „The Buzzer“ über, wo es dann stilecht und im Old School Gewand zur Sache geht. Das Riffing auf Repeat, aber produktionstechnisch fast noch vor den Gesang gestellt, lebt der Track eindeutig von seinem repetitiven Charakter, denn auch lyrisch dominiert die Wiederholung. Entsprechend findet in „The Buzzer“ auch kein endgültiger Abschluss statt, vielmehr faden Dystopian Society ihren Song mit dem sich wiederholenden Refrain aus. Dennoch oder gerade deswegen fräst sich der Titel – nicht zuletzt zudem durch sein Tempo – in den Gehörgang und erinnert an eine längst vergangene Ära.

Etwas dunkler und tragender mutet im direkten Vergleich das anschließende „Altars“ an. Traditionsreich erklingen die Drums sehr vorherrschend und bilden neben den angezerrten Gitarren das Fundament des Songs.

Gesanglich wird mittlerweile deutlich, dass Dystopian Society vielleicht nicht „The Buzzer“ gefunden haben (wie die Textzeile des Refrains des gleichnamigen Songs mit den Worten „Where Is The Buzzer – Nobody Knows“ den Hörer wissen lässt), dafür aber den Hall-Regler, denn mit ordentlich Halleffekten versehen werden die Lyrics auf „Overturned Reality“ zum Besten gegeben. Variationen, abgesehen von einigen eingeworfenen Samples, sucht man diesbezüglich vergebens. Genau das wird dem Album auf Dauer ein wenig zum Verhängnis, denn damit klingen die Songs nicht nur auf Albumlänge wenig abwechslungsreich, sondern auch innerhalb eines Songs fallen die Strukturen oftmals zu monoton aus.

Dystopian Society (Copyright: Alba)

Dystopian Society (Copyright: Alba)

Dabei sind Dystopian Society um Abwechslung schon bemüht. Mal entfleucht man dem typisch punkigen Tempo durch schleppendere Momente, was der Atmosphäre der betreffenden Songs wiederum zugutekommt, mal sorgen eindringliche Bassläufe (besonders herausragend zum Beispiel in „Discarded“) für das gewisse Etwas. Immer wieder fallen zudem, wie bereits in Bezug auf den Track „Altars“ erwähnt, die Drums positiv auf. Doch auch wenn sich stimmlich durchaus im Bereich des zu Erwartenden getummelt wird, so ist es vor allem die Gesangsdarbietung, die das Album „Overturned Reality“ auf Dauer zu gleichförmig wirken lässt. Hin und wieder nicht nur den Hall-Pegel zu reduzieren, sondern auch mehr Emotionen in die Stimme zu legen, wäre eine gute Idee gewesen. In düsteren Clubs wird der Einsatz einzelner Songs in kleinen Dosen jedoch zünden und den einen oder anderen zur Tanzfläche bewegen können. Für Liebhaber des Post-Punk stellt „Overturned Reality“ trotz der Kritik jedoch neues Material des Genres dar, das man mal antesten sollte.

Video

Tracklist

01 Intro
02 The Buzzer
03 Altars
04 Violations
05 Overturned Reality
06 Discarded
07 The City’s Breath
08 Resist
09 No Deliverance

Details

Dystopian Society – Facebook
Dystopian Society – Twitter

Label: Danse Macabre / Al!ve
Vö-Termin: 25.09.2015
Spielzeit: 30:52

Copyright Cover: Danse Macabre



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde