Review

Nach ihrem Debütalbum „Never Look Back“ bleiben Dust In Mind aus Frankreich ihrer Marschrichtung treu und geben auf „Oblivion“ erneut Vollgas.

Schon der Pressetext zum zweiten Streich der Band hält sich nicht zurück und schraubt die Erwartungen der Hörer in schwindelerregende Höhen mit den Zeilen

„Oblivion“ ist vollgepackt mit Härte, Gefühl und einer Mixtur der Genialität wahrer Szene-Größen wie Korn, Pain oder Katatonia und schafft dabei einen Sound, der dennoch ganz klar die Handschrift der französischen Musiker trägt.

Der erste Hördurchgang bestätigt: An Härte mangelt es dem Silberling „Oblivion“ in der Tat nicht. Auch mag man dem Vergleich zu Bands wie Pain zustimmen, erst recht, wenn einem der Song „Born To Fight“ in die Gehörgänge getrieben wird. Aber mehr noch fühlt man sich an die ebenfalls unlängst mit neuem Album auftrumpfende Truppe Lacuna Coil erinnert, mit denen man das Namedropping durchaus passend vervollständigen könnte.

So weit, so bestätigt zeigt sich also der auszugsweise wiedergegebene Infotext. Einzig das Gefühl bleibt ob der kühlen elektronischen bzw. Industrial Metal-Schlagseite ein wenig auf der Strecke. Dazu trägt zudem die weibliche Gesangsstimme von Frontfrau Jennifer bei, die doch sehr hell, oft süßlich und ohne Ecken und Kanten klingt und sich daher sicherlich auch im Pop-Bereich sehr gut machen würde. Dies zeigt auch die im stilistischen Kontext des Albums etwas unpassend erscheinende Ballade „Mrs. Epilepsy“ auf, der eine stellenweise Härte ebenso gut getan hätte, wie sie den restlichen Tracks gut zu Gesicht steht.

Und zwar selbst dann, wenn der Sound unter der fetten Produktion ein wenig zu leiden scheint. Denn eventuell mag jener zwar wie angekündigt die Handschrift der französischen Musiker tragen, dass jedoch kein Peter Tägtgren an den Reglern saß, hört man leider ebenfalls. Schon im Opener „Get Out“ verschmelzen Drums und elektronische Beigaben derart miteinander, dass oft nicht mehr bleibt als ein undifferenzierter Soundbrei. Es knarzt, es scheppert und es tut alles in allem zudem ein bisschen weh in den Ohren. Bedauerlich, denn durch den Klang wird das Potenzial dieses (und auch weiterer) Songs nicht in dem Maße ausgeschöpft, wie es eigentlich möglich gewesen wäre. An eingängigen, überzeugenden Hooks, eindringlichem Riffing sowie knallenden und energiegeladenen Headbangern mangelt es „Oblivion“ nämlich zu keinem Zeitpunkt. Gut daher, dass – nicht zuletzt durch die Eingängigkeit der Titel – im Laufe der Spielzeit eine Gewöhnung eintritt, die den Klang des Albums akzeptieren lässt.

Dust In Mind (Copyright: Dust In Mind)

Nicht falsch verstehen, die Produktion ist druckvoll und die Verantwortlichen wissen, was sie da tun, etwas ungeschickt fallen jedoch Drums und elektronische Effekte zeitweise aufeinander, sodass das Hören in diesen Momenten nicht immer angenehm ist – vor allem für jene, die es gerne klar, sauber und differenziert mögen (oder den entsprechenden Sound von z.B. Lacuna Coils „Delirium“ mögen, um diesen Vergleich auch hinsichtlich der Produktion erneut anzubringen).

Nichtsdestotrotz sei insbesondere ebenjenen Hörern aufgrund der musikalischen Nähe zu Lacuna Coil, der hohen Melodiestärke und der eindringlichen Härte, zu der auch die gutturalen männlichen Gesangseinlagen beitragen, die im ausgewogenen Verhältnis zum weiblichen Gesang stehen, „Oblivion“ von Dust In Mind sehr ans Herz gelegt. Die Dynamik und Energie werden sich auf den Konsumenten übertragen und die Band wird erneut ihre Fans und gleichsam zahlreiche Neuhörer für sich gewinnen.

Video

Tracklist

01 Get Out
02 Spreading Disease
03 Lullaby
04 I’m Different
05 Mrs. Epilepsy
06 Oblivion
07 Born To Fight
08 Too Far
09 Anesthesia
10 Coward

Details

Dust In Mind – Homepage
Dust In Mind – Facebook

Label: darkTunes Music Group / Soulfood
Vö-Termin: 07.04.2017
Spielzeit: 44:20

Copyright Cover: darkTunes Music Group



Über den Autor

Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde